Eltern erpresst: Polizei holt Verdächtigen vom Arbeitsplatz

Von: red/dpa
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Erpresser
Dieses Foto veröffentlichte die Polizei unter anderem: Versteckte Kameras hatten den Täter am Ablageort des Geldes gefilmt. Foto: Polizei

Eschweiler. Am Ende geht alles sehr schnell: Morgens geht die Polizei mit Fotos eines mutmaßlichen Eltern-Erpressers an die Öffentlichkeit. Viele Menschen rufen an, die ihn zu erkennen glauben. Am Mittwochnachmittag stehen Ermittler am Arbeitsplatz des 49 Jahre alten Mannes in Eschweiler.

Der scheint nicht überrascht zu sein. „Anscheinend hatte er mit der Polizei gerechnet”, sagt ein Polizeisprecher am Donnerstag. Der mutmaßliche Täter bestreitet die Vorwürfe.

Seit fast einem Jahr war der Erpresser aktiv. Seine Briefe schickte er per Post, ausreichend frankiert: Die Eltern sollten zahlen, ansonsten werde er ihre Kinder töten, drohte er darin. Nach Polizeiangaben forderte er fünfstellige Beträge. Sollte das Geld nicht an einem genau beschriebenen Ort nahe Inden/Altdorf hinterlegt werden, „ist das Leben ihres Kindes verwirkt“, heißt es in dem Erpresserbrief, der unserer Zeitung vorliegt. Die Eltern behielten die Nerven, zahlten nicht und gingen zur Polizei. Die Ermittler hielten sich monatelang bedeckt und gingen erst zum Schluss an die Öffentlichkeit.

Der erste Brief im Mai 2016 war der Beginn einer Serie von mindestens zwölf weiteren Briefen - alle adressiert an Opfer in der Region Aachen. Wie ernst war die Lage? Für die Familien zweifellos sehr ernst: „Die Verunsicherung war riesengroß”, beschreibt Polizeisprecher Andreas Müller die Stimmungslage der Betroffenen im Nachhinein.

Spezialisten des Landeskriminalamtes kamen aber zu dem Schluss, dass da tendenziell ein Amateur am Werk war. Opfer seiner Erpressungsversuche waren zwar auch Familien mit kleinen Kindern. Aber eben auch Paare mit erwachsenen Kindern und sogar ein kinderloses Paar. Der Täter hatte seine Opfer wohl nicht gezielt ausgewählt. Die Polizei entschied sich gegen einen Personenschutz.

Außerdem gab der Erpresser immer denselben Ort für die Geldübergabe an, das wurde ihm schließlich zum Verhängnis: Ein von der Polizei nicht näher beschriebener Ort in Inden-Altdorf - nicht weit von Eschweiler, wo der Tatverdächtige arbeitet.

Dort installierte die Polizei schließlich eine Foto-Falle. Die veröffentlichten Bilder zeigen einen dunkelhaarigen Mann in einem Overall, der mit einer Taschenlampe ins Gebüsch leuchtet und offensichtlich etwas sucht. Der Mann wurde später beobachtet, wie er mit einem schwarzen Roller wegfuhr.

Einen schwarzen Roller fanden die Ermittler dann auch am Arbeitsplatz des Tatverdächtigen. In seiner Wohnung stellten sie einige Gegenstände sicher, darunter auch sein Handy. Jetzt beginnt die Feinarbeit nach Hinweisen, dass er der gesuchte Mann ist.

In seiner polizeilichen Vernehmung hat der 49-Jährige bestritten, die ihm vorgeworfenen Erpressungen begangen zu haben. Er räumte laut der Polizei jedoch ein, dass es sich bei der Person auf dem Foto um ihn handelt. Bis dato sei der Mann polizeilich noch nicht in Erscheinung getreten.

Der Tatverdächtige wurde am Donnerstagnachmittag einem Haftrichter vorgeführt, ein Ergebnis steht zurzeit noch aus. Ein Strafverfahren wegen Erpressung in 13 Fällen wurde gegen ihn eingeleitet. Die Ermittlungen der Polizei laufen weiter.

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