Elite von morgen werkelt heute in Jülich

Von: Laura Beemelmanns
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Von der Idee zum Prototyp: 54 hochbegabte Schüler aus ganz NRW nehmen an der diesjährigen Ferienakademie im Science College Overbach teil und tüfteln mitunter an den Maschinen für Morgen. Foto: Laura Beemelmanns
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Den Errungenschaften von Morgen auf der Spur: Mit Robotern und Lego.
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Von der Idee zum Prototyp: 54 hochbegabte Schüler aus ganz NRW nehmen wie Lukas (3.v.l.) an der Ferienakademie im Science College Overbach teil und tüfteln mitunter an den Maschinen für Morgen. Foto: Laura Beemelmanns

Jülich. 54 Schüler aus ganz NRW sind derzeit in einer außergewöhnlichen Ferienfreizeit im Science College Overbach. Es sind Hochbegabte, die in Jülich in der Junior-Akademie für Spitzenschüler werkeln und tüfteln. Eine Woche ihrer Sommerferien verbringen sie – freiwillig – mit Kryptographie, Nanotechnologie und Mechatronik.

Sie gehören zu den Besten unseres Landes, haben zum Teil an Wettbewerben wie Jugend musiziert und Jugend forscht teilgenommen oder wurden von ihren Lehrern für die Junior-Akademie vorgeschlagen. „Die Schüler bekommen dann Post von uns, wenn sie vorgeschlagen wurden. Daraufhin bewerben sie sich“, sagt Laura Loibl, Leiterin der Junior-Akademie NRW am Standort Jülich. Post kriegen nur die Besten der Besten. Und selbst die können nicht alle genommen werden. „Es gibt rund 800 Gymnasien und Gesamtschulen in NRW. Nahezu jede Schule schlägt einen Schüler vor. Insgesamt können wir an unseren vier Standorten aber nur 250 Schüler aufnehmen. Zu 50 Prozent Mädchen und zu 50 Prozent Jungen“, erklärt Loibl.

„Starke müssen gestärkt werden“

Lukas aus Witten ist einer von ihnen. Er ist 14 und arbeitet gerade mit fünf anderen Jugendlichen an einer Art Schussautomatik, die verschiedene Materialien katapultartig in einen Kasten befördern soll. Das Team hat eine Idee entwickelt, das ganze flott programmiert und nun setzen sie die Idee in die Tat um – mit Lego – und all das innerhalb von nur 90 Minuten. „Wir müssen noch an der Zielgenauigkeit feilen“, sagt Lukas. Doch der Prototyp steht – in zweifacher Ausführung, für den Fall, dass das schmalere „Katapult“ doch besser zielen wird. Wohlgemerkt: Lukas ist vierzehn Jahre alt, die Jüngsten im Team sogar erst zwölf.

„Hochbegabt, das bedeutet, dass die Kinder einen IQ von gleich oder über 130 haben“, sagt Psychologin Martina Wuttke aus Aachen. Sie ist seit vielen Jahren auf das Thema Hochbegabung spezialisiert und weiß, dass in Relation zur Gesamtpopulation zwei bis drei Prozent der Menschen hochbegabt sind. Zum Vergleich: Der durchschnittliche IQ-Wert liegt bei rund 100. Wer einen Wert von 120 hat, ist schon gut begabt. Es gibt sogar Menschen, die einen Wert von etwa 150 haben.

Auch einige Teilnehmer der Jugendakademie hat Martina Wuttke schon getestet und sie empfiehlt die Akademien. Denn auch „Starke müssen gestärkt werden“, sagt sie. „Für Hochbegabte sind die Akademien etwas sehr Positives.“

Wer es in die enge Auswahl geschafft hat, hat auch Lust auf diese Woche. Für die Jugendlichen sind Kurse in Mechatronik oder Nanotechnologie keine Strafarbeit, sondern etwas sehr Spannendes und Wichtiges. „Die Schüler müssen lernen, dass sie nicht komisch sind, sondern einfach nur richtig doll schlau“, sagt Wuttke. Denn das sei in vielen Köpfen noch nicht angekommen. „Oft merken Hochbegabte, dass sie anders sind, können die Andersartigkeit aber nicht benennen“, erklärt Wuttke.

In den Kursen der Akademie können sich die Schüler ganz unbeschwert austoben, denn sie treffen auf ihresgleichen. Im Kurs Mechatronik sollten sie beispielsweise etwas erfinden, das später so auch in der Industrie gebraucht werden könnte. „Mit der Schussautomatik können wir Platz für Förderbänder sparen und außerdem sind die Arbeitsabläufe schneller“, erklärt Lukas. Die Jugendlichen denken voraus und das, obwohl Sie selbst noch nicht im Berufsleben stehen.

Am Vortag wurden die entsprechenden Programme und Materialien von der Kursleiterin erklärt und vorgestellt, nun wird das ganze praktisch umgesetzt: Ideen entwickeln, programmieren, Prototypen bauen. All das sieht auf den ersten Blick so einfach aus wie ein Puzzle, zumindest dann, wenn man den Jugendlichen bei ihrem Projekt über die Schulter schaut. Das ist es aber nicht – nicht für jeden jedenfalls.

Die Teilnehmer in Overbach sind die Physiker, Informatiker, Mathematiker und auch Unternehmensberater von Morgen – zumindest wollen sie das werden. Damit das auch klappt, sind aber noch ganz andere Faktoren wichtig. „Es kommen auch noch eine ganze Menge Persönlichkeitsmerkmale hinzu, beispielsweise die Motivation, Freunde und das familiäre Umfeld“, sagt Wuttke. Das Besondere an den Akademien seien aber vor allem die Kontakte. Und auch für die Jugendlichen stehen die Kontakte, die sie bei der Ferienakademie knüpfen, im Vordergrund. „Ich habe noch heute mit vielen Teilnehmern von damals zu tun“, sagt Jan Attig. Er hat schon im Jahr 2007 an seiner ersten Ferienakademie in Königswinter teilgenommen. Inzwischen wurden die Standorte ausgeweitet. Damals war er Teilnehmer. Heute steht der Jülicher auf der anderen Seite, ist Kursleiter – in Nanotechnologie. Der 21-Jährige studiert Physik und sieht die Akademie als Bereicherung. „Über bestimmte Themen kann man einfach besser diskutieren, wenn man vom Fach ist“, sagt er.

Und wenngleich viele der Teilnehmer noch sehr jung sind, sind sie tatsächlich vom Fach. Ihr Können, ihre Intelligenz, ihr Vermögen, Dinge gleich umzusetzen, fasziniert. Aus ihnen sprudeln nur so die Ideen, Zusammenhänge scheinen ganz klar zu sein. So auch der zwischen dem Prototypen von Lukas‘ Team und der Zielgenauigkeit der kleinen Maschine. Schnell erkennen sie, dass die Schussautomatik so nicht funktioniert. Das Team wird eine Lösung finden.

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