Radarfallen Bltzen Freisteller

Elektromobilität: Die „Stromer“ werden zu einem echten Renner

Von: Berthold Strauch
Letzte Aktualisierung:
5688244.jpg
Elektrisch unterwegs: Die vielfältigen Angebote zum Ausprobieren wurden reichlich in Anspruch genommen. Foto: Andreas Herrmann
5688245.jpg
Engagierter Streiter: der Umwelt-Publizist Franz Alt (rechts) in der vom stellvertretenden Chefredakteur unserer Zeitung, Bernd Büttgens (2.v.l.), moderierten Podiumsdiskussion zum Thema „Meine E-Mobilität“.

Aachen. Es hatte etwas von einem riesengroßen Spaß-Event, besonders für die vielen jungen Besucher: Die „Erlebniswelt Mobilität“ hat das damit erreicht, was sich die Verantwortlichen vorgenommen hatten – nämlich strombetriebene Fahrzeuge und das spezielle Vergnügen, sie selbst auszuprobieren, der Bevölkerung ein großes Stück näherzubringen.

Rund 2000 Teilnehmer kamen nach Schätzungen von Günter Bleimann-Gather von der Technologie-Management-Agentur Tema, dem Mitveranstalter, am Mittwoch ins Aachener Eurogress – und insbesondere vors Spielkasino nebenan. Denn dort lockte vom Pedelec über ein elektrisch unterstütztes Kettcar bis zu Segways und natürlich vierrädrigen Fahrzeugen die breite Palette der Angebote, die jetzt schon mit Stromantrieben unterwegs sind. Und es sollen ja auch noch viele mehr werden – insbesondere mit dem Streetscooter, der in Aachen entwickelt wurde und in die Serienproduktion gehen soll.

Mit einer deutlich gestiegenen Publikumsresonanz hat sich also auch der Umzug vom Krönungssaal des Rathauses und dem Katschhof ein wenig an den Rand der Stadt vollauf gelohnt. Denn der Publikumszuspruch der dritten Auflage der Erlebniswelt war damit etwa doppelt so hoch wie im vergangenen Jahr, fügte Bleimann-Gather auf Nachfrage in seiner Bilanz an. Für das satte Plus sorgte übrigens auch der erstmals und parallel angebotene Elektromobil-Produktionstag, der mehr als 400 Experten aus der Branche anlockte.

Als Nutzer strombetriebener Autos gab sich auch Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp zu erkennen. Und die Stadt werde „noch ganz viele davon kaufen“, kündigte der Verwaltungschef an. Er verbinde mit diesen Fahrzeugen auch die Hoffnung, dass der Verkehr „deutlich verträglicher“ werde, nicht zuletzt mit Blick auf die geringeren Umweltbelastungen. Sehr erfreut zeigte sich der OB auch über die Entwicklung, die der Streetscooter genommen habe: Er sei mittlerweile ein „wirtschaftsrelevantes Thema – es geht um neue Arbeitsplätze für die Stadt und die Region“, so Philipp.

Die Schirmherrin Prof. Christiane Vaeßen von der Fachhochschule Aachen sprach von einem „ganz spannenden, tollen Erlebnis“, das die Elektromobilität biete – „schnell, wendig unterwegs, ein ganz anderes Fahrgefühl“. Und Schirmherr Prof. Malte Brettel, Prorektor für Wirtschaft und Industrie der RWTH und gleichfalls Schirmherr, unterstrich, dass seine Hochschule „ganz deutlich das Rating in Deutschland anführt“, was die Forschungsmittel für die Elek-tromobilität betreffe. Auch dies helfe, „die Welt ein Stück besser zu machen“. Bezogen auf die Region gestalte die RWTH durch die Entwicklung des Streetscooters „den Strukturwandel mit“. Dass Talbot Services die Chance ergriffen habe, die Serienproduktion zu übernehmen, setze die Erfolgsgeschichte fort.

Während draußen die Schlangen der „Testfahrer“ immer länger wurden, gab es im Eurogress jede Menge Informationen. Dazu trug auch eine fundierte Ausstellung von Hochschulinstituten und Partnerunternehmen bei, die bei der Entwicklung und dem Bau des Streetscooters mitarbeiten.

Zu den Höhepunkten der Erlebniswelt, die unter das Motto „Versöhnung von Ökologie und Ökonomie“ gestellt war, zählten die Auftritte von zwei renommierten Protagonisten in Sachen Umweltschutz. Während der Publizist Franz Alt der Bitte der Veranstalter gerne folgte und mit einem Pedelec vom Hauptbahnhof aus anreiste, tauchte der frühere Bundesumweltminister und Uno-Direktor Klaus Töpfer mit reichlich Verspätung auf – und musste das Taxi nehmen. Beide bewiesen ein beherztes Engagement für die von ihnen vertretenen Themen.

Alt machte zunächst deutlich, dass „am Elektroauto kein Weg vorbei führt – das ist so sicher wie das Amen in der Kirche“. Er plädierte nachdrücklich für einen kompletten Umbau der Energieversorgung hin zu regenerativen Quellen „direkt vor der Haustür“. Angesichts unübersehbarer Zeichen für den Klimawandel müsse nun „die letzte Chance“ ergriffen werden, das Blatt noch zu wenden.

Dass die Elektromobilität die Lösung für die Städte sei, unterstrich Prof. Töpfer nachdrücklich. Die dürfe sich aber nicht allein auf individuelle Mobilität beschränken, sondern müsse noch stärker in Nahverkehrssystemen eingesetzt werden, insbesondere auch in Bussen. Der Ex-Minister plädierte für „Benutzervorteile“, die es erlaubten, nur mit Stromern in die Citys zu gelangen. Den etablierten Automobilherstellern hielt Töpfer vor, zu wenig in diese Technologie zu investieren und eher beweisen zu wollen, „dass es nicht geht“. Er verwies zudem auf die „revolutionären Veränderungen in der Zuliefererindustrie“, die das Beharrungsvermögen der etablierten Unternehmen nachvollziehbar mache, denn „Getriebe werden dann nicht mehr gebraucht“.

Töpfer zeigte sich überzeugt, dass die Energiewende „eine Fundgrube für neue Technologien“ sei und bereits „in der Breite der Bevölkerung bestens angekommen ist: Das braucht unsere Demokratie“, so der CDU-Politiker.

Leserkommentare

Leserkommentare (8)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert