Eklat in Aachen: Karnevalsorden für einen Rechtsradikalen

Von: Stephan Mohne und Oliver Schmetz
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Das Corpus Delicti: Mit solch einem Gesellschaftsorden hat der Präsident der „Koe Jonge” im Festzelt im Aachener Stadtteil Richterich am Karnevalssamstag vor 1000 Gästen einen Rechtsradikalen ausgezeichnet. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Das letzte Alaaf ist verklungen, aber in Aachen-Richterich hallt Karneval noch laut nach. Ein handfester Eklat droht, den Traditionsverein 1. KG Richterich „Koe Jonge” (300 Mitglieder) zu zerreißen.

Dessen bisheriger Präsident Thomas Neunfinger hat am Samstag auf der Bühne des mit rund 1000 Gästen gefüllten Festzelts den „Gesellschaftsorden” der KG einem Rechtsradikalen verliehen, der laut Szenekennern zumindest zeitweise Kontakte zur Neonazi-Gruppe „Kameradschaft Aachener Land” hatte. Ein Hofstaatsmitglied des dunkelhäutigen Richtericher Prinzen Balam I. verließ daraufhin mit seiner Frau sofort die Bühne.

Am Dienstag ist der Präsident, der am Donnerstag gegenüber unserer Zeitung alle Verantwortung auf sich nahm, zurückgetreten, der Rest des geschäftsführenden Vorstands folgte. Der Ex-Präsident bekundet, er habe aus einer Emotion heraus gehandelt. Er sei froh gewesen, dass es keine Randale und keine Übergriffe seitens des „Ordensträgers” und seiner Freunde gegeben habe.

Ihm sei aber schnell klar geworden, dass dies ein Fehler war. Dass der Mann der rechtsradikalen Szene angehören soll, habe er nicht gewusst, sondern lediglich über Dritte erfahren, er sei ein „Schläger”. Der Orden sei ein „Dank” dafür gewesen, dass nichts passiert sei.

Während der Session hatte es Befürchtungen gegeben, Prinz Balam und die Richtericher Karnevalisten könnten Opfer rechter Gewalt werden. Zumal es in Richterich in den vergangenen Jahren einige rechtsradikale Übergriffe gegeben hatte.
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