Ekel-Post für den Islamrat: Schweineohr im Paket

Von: ddp
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Köln. Rund zwei Wochen nach der Schweizer Volksabstimmung gegen den Bau von Minaretten ist an den Islamrat für die Bundesrepublik ein Paket mit einem abgeschnittenen Schweineohr geschickt worden. Es wurde am Mittwoch an die Zentrale in Köln geliefert, wie der Islamrats-Vorsitzende Ali Kizilkaya mitteilte.

Er äußerte sich in einem ddp-Interview besorgt über eine mögliche Zunahme der „Islamphobie” in Deutschland. In einem in dem Paket liegenden Schreiben wurde Kizilkaya zufolge das Schweineohr als „kostbare Reliquie aller Muslime” und ein Stück vom Propheten bezeichnet. Darunter habe gestanden: „Grüße von Michel Friedman - Juden in Deutschland”.

Kizilkaya sagte, das Paket sei natürlich nicht wirklich vom früheren Vizepräsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland geschickt worden. Möglicherweise wolle der tatsächliche Absender nicht nur „die Muslime beleidigen”, sondern auch einen muslimisch-jüdischen Zwist auslösen. Beides sei „schlimm”.

Der Vorsitzende des Islamrats berichtete, er habe in letzter Zeit verstärkt Briefe und E-Mails mit Beleidigungen und Drohungen bekommen. Wegen des Paketes habe er jetzt die Polizei eingeschaltet, weil damit eine „andere Qualität” der Schmähungen erreicht sei. Kizilkaya fügte hinzu, man könne zwar nicht eindeutig sagen, dass das Paket mit dem Schweineohr eine Reaktion auf die Schweizer Volksabstimmung sei. Er vermute aber einen Zusammenhang. Die Diskussion in Deutschland über den Bau von Minaretten sei von „manchen Politikern” in einer unverantwortlichen Weise geführt worden.

Der Vorsitzende des Islamrats mahnte: „Man darf nicht das Gefühl erwecken, dass Muslime in Deutschland Quellen der Angst wären.” Es sei nun wichtig, für Toleranz und gegenseitigen Respekt zu werben. Kizilkaya fügte hinzu: „Wir Muslime sind mit unseren Moscheen ein Teil Deutschlands.”

Unterdessen startete in Köln der nordrhein-westfälische Teil des Projekts „Imame für Integration”. In den nächsten fünf Jahren sollen bundesweit rund 130 islamische Religionsgelehrte als Mittler zwischen ihren Gemeinden und der deutschen Mehrheitsgesellschaft ausgebildet werden. Für das Projekt arbeiten das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) und das Goethe-Institut mit der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (DITIB) zusammen. Es entstand auf Empfehlung der Deutschen Islamkonferenz.

Köln ist nach Nürnberg die zweite Stadt, in der die Imame eine zehnmonatige Weiterbildung absolvieren. Im Mittelpunkt steht dabei ein 500 Stunden umfassender Sprachkurs, an dessen Ende sich die Kursteilnehmer im alltagstauglichen Deutsch verständigen sollen. Hinzu kommt eine intensive Unterweisung in Landeskunde sowie die Einführung in das gesellschaftliche und politische System Deutschlands.

Seitens der Imame gebe es ein großes Interesse an diesem Projekt, sagte DITIB-Vorstand Sardi Arslan. Immer häufiger werde von ihnen erwartet, dass sie sich auf Deutsch äußerten.
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