Eislaufspaß im Kirchenhaus

Von: Edda Neitz
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Franziskus lächelt wohlwollend dazu: Im „Franciscus huis“ in Weert gibt’s im Winter eine Eislaufbahn. Das Kirchengebäude wurde umgewidmet, als die Kirchenbänke leer blieben. Foto: Dion Huiberts
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Auf dem Bahnhofsplatz: Antje van de Statie wurde hier ein Denkmal gesetzt.
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Im Naturpark: Jan Houben ist einer der Führer. Foto: Loni Liebermann

Weert. Eislaufen in der Kirche? In Weert in den Niederlanden geht das. Dort, wo vor Jahren noch Kirchenbänke standen, breitet sich eine große Eisfläche aus. 25 Meter lang und 14 Meter breit. Seit 2014 sind Eisläufer im Weerter „Franciscus huis“ willkommen.

Im Winter, wenn es früh dunkel ist und die Aktivitäten draußen eingeschränkt sind, kann Eislaufen eine schöne Alternative sein, auch in einer Kirche. Mit Girlanden und Tannenzweigen sind die Buden rund um die Eislaufbahn geschmückt. Natürlich gibt es auch Glühwein und Kuchen. Eine ideale Atmosphäre für das „Après“ beim Eislaufen, denn Budenzauber und Eislaufen gehören einfach zusammen.

„Das farbenprächtige Glasfenster schafft eine besonders schöne Atmosphäre“, schwärmt Kircheneigentümerin Rian Schonkeren-Hendrix. Es ist ein Glasmosaik des bekannten niederländischen Künstlers Daan Wildschut und das größte seiner Art in den Niederlanden. Daan Wildschut hat mehrere moderne Kirchen mit seiner Kunst ausgestattet.

Das „Franciscus Huis“ wurde erst 1954 direkt neben der spätgotischen Klosterkirche „Kerk H. Franciscus van Assisi“ errichtet, da diese für die schnell wachsende Kirchengemeinde zu klein geworden war. Aber so schnell, wie die Gemeinde wuchs, schrumpfte dann die Gruppe der Kirchgänger wieder. Deshalb wurde die Kirche, unter der Prämisse, dass sie weiterhin ein Ort für kulturelle und soziale Anlässe bleibt, 2013 verkauft. Seitdem ist wieder mehr Leben in diesem ehrwürdigen Gebäude, und zahlreiche Konzerte sowie Theateraufführungen finden hier statt. Und während Kirchenpatron Franziskus mit wohlwollendem Lächeln auf die Eisläufer blickt, schaut die Stadtikone, Antje van de Statie (Antje vom Bahnhof), in Form einer lebensgroßen Pappmaché- Figur von der Orgelempore herab.

Wer Weert besucht, kommt nicht umhin, sie näher kennenzulernen. Denn immerhin machte sie den Weerter Exportartikel, den Mini Vlaai (Obstkuchen), erst bekannt. Antje lebte von 1877 bis 1936. Sie war damals das, was man heute eine herausragende Unternehmerin nennen würde. Innovativ, engagiert und sozial. Sie führte das kleine Bahnhofsrestaurant und stand, sobald ein Zug einfuhr, mit einem Tablett voll leckerem Limburger Vlaai am Bahngleis. Nach wie vor wird Antje van de Statie von den Stadtbewohnern verehrt. In Bronze gegossen steht Antje als Statue auf dem Bahnhofsplatz. Außerdem sind sämtliche Ampeln um den Bahnhof herum mit einem Antje-Symbol ausgestattet. Bei Grün läuft sie mit dem Vlaai. Bei Rot steht sie still und bietet ein Stück Vlaai an.

Szenenwechsel: Um Weert herum liegt der üppige Grenzpark Kempen-Broek. „Land umgeben von Wasser und Sümpfen“ bedeutet auch „Wertha“, der alte Name von Weert, der sich in einem Dokument von 1062 findet. Die weitläufigen Moor- und Sumpfgebiete von damals finden wir heute natürlich nicht mehr vor. Doch nicht alle Zeugnisse dieser abwechslungsreichen Landschaft sind völlig verschwunden. Das Natur- und Umweltzentrum „De Ijzeren Man“ zeigt mit einer In- und Outdoor-Ausstellung, was die Natur hier bietet. Es ist der ideale Einstieg für Wanderer und Spaziergänger. Der Name „De Ijzeren Man“ bedeutet übersetzt der „eiserne Mann“. Damit sind die großen Bagger gemeint, die um die Jahrhundertwende in dieser Gegend eingesetzt wurden, um für einen Bahndamm der Eisenbahnstrecke Eindhoven-Weert Sand aufzuschütten.

Naturführer Jan Houben vom „De Ijzeren Man“-Zentrum, der Besuchergruppen begleitet, betrachtet den Park Kempen-Broek als ein Haus mit vielen Zimmern. „Es gibt zum Beispiel ein Sand-, ein Wasser- und ein Moorzimmer“, sagt er. Durch Grundverkauf und Flächentausch ist ein rund 25.000 Hektar großes Naturschutzgebiet entstanden. Im Westen grenzt es an die belgische Region Limburg und im Norden an die niederländische Region Noord-Brabant. Die Wege sind ausgeschildert.

Doch Vorsicht! Sie sind für unerfahrene Wanderer nicht immer schlüssig aufeinander abgestimmt. Wer sich aber für den Weg, der hinter dem Naturzentrum beginnt, entscheidet, kann sich nicht verlaufen. Dieser Teil von Kempen Broek ist wie ein großer Stadtpark. Viele Wege kreuzen sich.

Romantisch

Zuerst gehen wir durch ein Waldgebiet mit kleinen Bächen. Es riecht erdig, nach Mulm und Moder. An manchen Stellen liegt Totholz. „Das lassen wir jetzt gerne für die Tiere liegen“, sagt Jan Houben. Früher hat man es weggeschafft. Die Bruchstellen eines umgekippten Baumtorsos sind wüst zersplittert. Der Stamm, umwuchert von Zweigen und Blattwerk, ist von Pilzen zersetzt. Spechte haben kleine Höhlen in das morsche Holz gehackt. Fast wie die Dünen an der Nordsee wirkt der Sandrücken nahe des Feuchtgebietes. Immer wieder holt Jan Houben seine Becherlupe heraus und zeigt uns die versteckten kleinen Schönheiten, die nur ein paar Zentimeter aus dem Boden herauswachsen. Das sind die roten Krönchen des „Heidelucifers“ sowie die kreiselförmigen Blättchen des Bechermooses. Föhren verbreiten einen vorweihnachtlichen, würzigen Duft.

Bevor wir dann zum Waldzimmer mit prächtigen Eichen und lieblichen Birken kommen, sehen wir die kleinen Moorseen, die zum Teilgebiet „de Ijzeren Man“ von Kempen-Broek gehören.

Wenn die Sonne tief steht und einige Strahlen die dunklen Seen berühren, entsteht eine romantische Stimmung. Ein guter Zeitpunkt, um kurz auf einer der Bänke zu verweilen, bevor wir durch die Heckengrenze vom Garten des Umweltzentrums zum Ausgangspunkt zurückkehren.

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