Köln - Einsturz von Köln macht Experten sprachlos: „Eigentlich unmöglich”

Einsturz von Köln macht Experten sprachlos: „Eigentlich unmöglich”

Von: Elke Silberer, dpa
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Nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs sucht ein Spürhund nach Überlebenden. Foto: dpa

Köln. Der Einsturz des Kölner Stadtarchivs macht die Experten erst einmal sprachlos. Nach menschlichem Ermessen hätte das nie passieren dürfen, meinen sie übereinstimmend.

Der U-Bahn-Bau sei so ausgereift, dass man nie mit einem so kapitalen Gebäudeschaden hätte rechnen können. Überall werden U-Bahnen gebaut, sagt etwa der Aachener Tunnelbau-Experte Bernhard Steinauer. Und in den meisten Fällen werde die Röhre auch unter Gebäuden vorangetrieben, das sei heute kein Thema mehr. „Der Tunnelbau ist eine sehr sichere Sache. Normalerweise kann da nichts passieren”, versichert der Professor von der RWTH.

An der Unglücksstelle sollte eine Art U-Bahn-Bahnhof mit der Möglichkeit zum Weichenwechsel entstehen. Fachleute nehmen an, dass in diesem Schacht, der mit der eigentlichen U-Bahn-Röhre nichts zu tun hat, eine undichte Stelle in der Wand aufgetreten ist. Das Grundwasser soll dann Erdreich ausgespült und das Stadtarchiv bis zum Einsturz unterhöhlt haben.

Damit kam dann wohl jenes statistische Restrisiko zum Tragen, von dem es normalerweise heißt, es sei zu vernachlässigen. Bei der Berechnung der Statik können die Experten nur mit bekannten Daten und Fakten rechnen. Aus einer Masse von Daten erstellen sie eine Prognose, etwa wie sich das Erdreich beim weiteren Tunnelvortrieb verhält.

Zu den bekannten Folgen gehören in der Regel auch die Setzungsrisse in den Gebäuden, die an der Röhre stehen. Jeden Tag werde gemessen, immer wieder kontrolliert. „Erst wenn viele Zufälle zusammenkommen, kann so etwas passieren”, sagt Steinauer mit Blick auf Köln.

Sein Kollege von der Fachhochschule Köln, Professor Josef Steinhoff, sieht das Problem auch nicht im eigentlichen Tunnelbau. „Der Tunnelvortrieb ist sehr sicher”, sagt der Geotechniker. An der geplanten U-Bahn-Strecke gebe es alle 25 Meter Messpunkte, an denen aufgetretene Risse beobachtet würden. „Ein plötzliches Versagen wie beim Kölner Stadtarchiv ist ausgeschlossen.”

Auch Steinhoff geht von einer Verquickung unglücklicher Umstände aus. Für die Bahnhöfe unter der Erde müssten tiefe Baugruben ausgehoben werden. Dafür werden vorher sogenannte Baugrubenwände eingebracht, um einen Erdrutsch und das Eindringen von Wasser beim Ausschachten zu verhindern.

„Das ist eine gewisse Schwachstelle, hat sich aber seit 50 Jahren bewährt”, sagt Steinhoff. Eventuelle Fehlstellen könne man durch Berechnungen ausschließen. „Ein Schaden ist nach menschlichem Ermessen nicht zu erwarten”, so der Experte.

Obwohl die Baugrube in Köln nur 28 Meter tief sei, werde die Wand zur Sicherheit 45 Meter tief eingelassen bis auf eine wasserundurchlässige Bodenschicht. „Wenn eine Fehlstelle unterhalb der Ausschachtung auftritt, dann kann das katastrophale Folgen haben”, erläutert Steinhoff. Gefährdet sind nach seiner Einschätzung in Köln nur Gebäude in unmittelbarer Nähe der Baugrube, nicht aber an der weiteren U-Bahn-Röhre.
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