Maastricht/Aachen - Einstein-Teleskop: Südlimburg ist dafür am besten geeignet

Einstein-Teleskop: Südlimburg ist dafür am besten geeignet

Von: Heiner Hautermans
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Ein Milliardenprojekt für die Euregio? In einem unterirdischen Observatorium soll das Einstein-Teleskop Gravitationswellen erforschen. Modell: M.J. Kraan/National Institute for Nuclear Physics Amsterdam

Maastricht/Aachen. Das Hügelland in Südlimburg ist in Europa geologisch am besten von allen 15 ins Auge gefassten Standorten geeignet für die Errichtung des sogenannten Einstein-Teleskops. Damit kommt die Provinz Limburg ihrem Ziel näher, das Riesenvorhaben tatsächlich in der Euregio zu verwirklichen.

Mit diesem revolutionären neuen Observatorium sollen bisher verborgene Bereiche des Universums wie der Ursprung von Gravitationswellen erkundet werden – und das etwa 100 bis 200 Meter unter der Oberfläche. Beauftragt mit der Erkundung der Standorte ist ein niederländisches Forschungsinstitut.

Die Bodenuntersuchungen haben ergeben, dass der Untergrund im Dreiländereck, möglicherweise unter dem Vaalser Berg, unter allen konkurrierenden Standorten – etwa in Italien, Südfrankreich oder Rumänien – am besten für die Forschungseinrichtung geeignet ist. Wichtig ist zum Beispiel eine möglichst feste Bodenformation, damit die hochempfindlichen Messstationen nicht gestört werden.

Auch da hat der südliche Zipfel der Niederlande nach einem Bericht der Zeitung „De Limburger“ die Nase vorn: Ein Bohrmeißel brach in der Nähe der Ortschaft Terziet in 170 Metern Tiefe ab, weil der Fels sich als härter als erwartet erwies. Anfang nächster Woche werden die Ergebnisse der Bodenuntersuchungen im niederländischen Parlament vorgestellt, die endgültige Entscheidung über das Mammutprojekt soll 2020 getroffen werden.

Bereits seit 2008 laufen die Planungen für das Einstein-Teleskop in Form eines Dreiecks mit Kantenlängen von zehn Kilometern. Erst im Februar letzten Jahres hatten Astrophysiker in den USA erstmals die von Albert Einstein vor 100 Jahren vorhergesagten Gravitationswellen direkt nachgewiesen.

Das riesige unterirdische Observatorium mit drei oberirdischen Gebäuden gleicht in seinen Dimensionen dem europäischen Atomforschungszentrum Cern in der Nähe von Genf. So sieht es jedenfalls die Studie vor, die 200 Wissenschaftler im Auftrag der Europäischen Kommission verfasst haben.

Der Bau des sogenannten Einstein-Teleskops würde nicht nur enormes Prestige bringen: 1000 Arbeitsplätze würden damit verbunden sein, Wissenschaftler aus der ganzen Welt würden in Südlimburg forschen. Für die Anlage selbst ist eine Investition von 1,1 Milliarden Euro erforderlich, Erfahrungen zeigen, dass der wirtschaftliche Impuls sogar drei Mal so groß ist.

Von Vorteil ist die Lage auch wegen der Universitätsdichte im Dreiländereck mit den Universitäten in Aachen, Maastricht und Lüttich. Für den Standort Südlimburg spricht auch, dass sich drei Länder an der Finanzierung beteiligen könnten.

Auf der Spur des Urknalls

Das Einstein-Teleskop ist eine Art riesiges Mikrofon, das Gravitationswellen aufnimmt. Das sind winzige Verzerrungen der Raumzeit, die jeder beschleunigte Körper aussendet. Die Gravitationswellen sollen auf die Spur des Urknalls und damit der Entstehung der Welt führen, zumindest bahnbrechende Erkenntnisse über die erste Zeit nach dem Urknall liefern. Dies ist mit heutigen Methoden so nicht möglich.

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