Aachen - Einer, der Abschied nimmt: Detlef Klimpe

Einer, der Abschied nimmt: Detlef Klimpe

Von: Sabine Rother
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„Ich nehme Abschied - von den anderen und von mir”: Detlef Klimpe, 65, war 23 Jahre lang der oberste Verwalter im Aachener Klinikum. Foto: Harald Krömer

Aachen. Fünf Stühle stehen vor Detlef Klimpes großem Schreibtisch bereit, um bei Problemlösungen die Gesprächspartner zusammenzuführen. Alles ist sehr aufgeräumt, ein bisschen kühl, doch beim Blick auf die schwarze Merkfläche an der Wand, wo keine Zettel, sondern niedliche Babyfotos der beiden lachenden Enkel haften, wird klar, dass er bis heute seine Kraft aus sehr persönlichen Quellen bezieht.

Am Mittwoch wird der Kaufmännische Direktor des Universitätsklinikums Aachen im Rahmen einer Feierstunde verabschiedet.

„Ich war niemals ein Diplomat”

„Ich nehme Abschied - von anderen und von mir”, sagt der Jurist und Betriebswirt nachdenklich. Er, der gerade seinen 65. Geburtstag gefeiert hat, stammt aus Breslau und wuchs in Frankfurt am Main auf. Bereits 1978 kam er nach Aachen und an die RWTH - damals als juristischer Mitarbeiter für die Verwaltung der Medizinischen Einrichtungen.

Nach und nach absolvierte er die Karrierestufen - Regierungsrat, Oberregierungsrat, Regierungsdirektor, stellvertretender Verwaltungsdirektor und schließlich 1988 - Bestellung zum Verwaltungsdirektor der Medizinischen Einrichtungen, woraus dann 2001 der „Kaufmännische Direktor des Universitätsklinikums Aachen” wurde.

Turbulente Zeiten galt es zu bestehen - stets im Blick auf einen gewaltigen Apparat mit kompliziertem Haushalt (eine halbe Milliarde Euro) und nicht minder komplizierten rund 6000 Menschen, die dort arbeiten oder Patienten sind.

„Das musste anfangs noch alles zusammenwachsen, Hochschule und Klinik passen ja eigentlich gar nicht zusammen”, erinnert er sich. „Oft habe ich es erlebt, dass eine sachliche Ebene nur mühsam zu finden war, dass die Emotionen hochkochten.”

Der Stressabbau war lebenswichtig: Seit vielen Jahren radelt Klimpe dem Risiko eines Infarktes oder eines Magengeschwürs davon. „Das Radfahren ist wunderbar. Ich tue etwas für mich, ein fast meditativer Sport, bei dem man allein sein kann, selbst in Gesellschaft.”

Von Aachen aus hat er schon Touren nach Santiago de Compostela, Rom und Leipzig unternommen. Er erreichte per Rad England, Italien und Ungarn, wobei die Distanz zu den Dingen den Blick auf sie stets zu klären half.

Persönliches Zentrum bleibt die Familie - Ehefrau Florentine, die er bei einem Karnevalsball in Kaiserslautern kennenlernte („Es war Liebe auf den ersten Blick!”) und die beiden Kinder Tobias und Susanne - inzwischen 33 und 29 Jahre alt und selbst schon Eltern. Es ist Klimpe sehr wichtig, dass sie bei seiner Verabschiedung im Publikum sitzen.

Klimpe ist selbstkritisch. „Ich habe nicht auf alles eine Antwort”, gibt er zu. „Ich habe mein Bestes gegeben, was nicht bedeutet, dass ich der Beste bin.” Das Thema „Macht” ist ihm durchaus präsent: „Sie verführt”, betont er. „Wenn man mit ihr spielt, ist man verloren. Ich hatte durchaus Macht zu verwalten, und ich war immer froh, heil aus Machtproblemen herausgekommen zu sein.”

Ihm fallen viele Situationen ein, die brisant waren - bis hin zur Gerichtsverhandlung. Was ihm wichtig war: Offenheit. „Ich war zwar niemals ein Diplomat, aber man konnte auch mich offen kritisieren, ich war nicht nachtragend.” Er sagt: „Ein Konflikt wird ausgetragen, ein allzu diplomatisch behandeltes Thema schwelt auf kleiner Flamme weiter.”

Seine grundsätzliche Linie: Schaden vom Klinikum fernhalten. Für ihn ist mit dem Abschiedstag ein Lebensabschnitt beendet: „Ich komme nicht zurück, auch nicht als Gutachter, höchstens als Patient.” Zunächst freut er sich auf ein „Urlaubsgefühl” und auf das Beisammensein mit seiner Frau. „Ich werde später wieder als Jurist tätig sein, in Köln, aber nur bei Fällen, die mich interessieren”, meint er vorsichtig. „Ich kenne mich in klinischen Strukturen schließlich gut aus.”

Peter Asché wird am Donnerstag Nachfolger Detlef Klimpes als Kaufmännischer Direktor des Klinikums. Der 52-Jährige war bislang Geschäftsführer des Klinikums der Stadt Ludwigshafen und verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung in der wirtschaftlichen Leitung von Krankenhäusern.

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