Eine Wallfahrt im beige-grünen Container

Von: Christopher Gerards
Letzte Aktualisierung:
7998308.jpg
Was ist mir heilig? Hannah Schulte (Mitte) weiß es – und vermittelt es gerne auch Pilgern, die an und in ihrem Info-Container Station machen. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Dass Hannah Schulte jetzt in diesem beige-grünen Container steht, liegt auch an ihrer Bachelor-Arbeit, Schulte hat die Wirkung der Heiligtumsfahrt auf das Aachener Stadtbild untersucht. Sie hat in Maastricht Kulturwissenschaft studiert, eines dieser Was-kann-man-damit-später-machen?-Fächer.

Man kann damit zum Beispiel die Aachener Heiligtumsfahrt ein gutes Stück bereichern. So hat Hannah Schulte, 24, es vor.

Bis zum 29. Juni trifft man sie jeden Tag in diesem Bau-Container in der Aachener Innenstadt, in der Mitte der Großkölnstraße, immer zwischen 10 und 18 Uhr. Was sie macht, nennt Schulte das „unterschwellige Angebot“, sie will jene Menschen in der Region erreichen, die mit dem Wort „Heiligtumsfahrt“ nicht unbedingt etwas anfangen können. Und das, sagt sie, seien gar nicht wenige.

Es gehört nicht viel dazu zu behaupten, dass die Religion in Hannah Schultes Leben immer schon von ziemlichem Belang gewesen ist. Der Vater arbeitet in der Domverwaltung, die Mutter im Bistum, und sie selbst saß vier Jahre lang im Pfarrgemeinderat. Hat Pfarrfeste geplant, hat Empfänge vorbereitet, hat beim Fronleichnamszug geholfen. Wenn Schulte darüber nachdenkt, was Glaube für sie bedeutet, dann sagt sie: „Für mich hat Glaube ganz viel mit Gemeinschaft zu tun.“

Ihre Bachelor-Arbeit schrieb Schulte dann über die Heiligtumsfahrt in Aachen, die Master-Arbeit über Audio-Guides für Kinder in der Domschatzkammer. Und seit März arbeitet sie bei der Katholischen Studierenden Jugend, als Bildungsreferentin. Dass Hannah Schulte Ende 2013 auf die Idee kam, bei der Heiligtumsfahrt mitzuarbeiten, ist also keine sehr unwahrscheinliche Entwicklung.

In dem Container hat Schulte mit ihrer ehemalige Kommilitonin Isabel Steinert, 25, Bilder und Info-Texte an die Wände geklebt, es geht um Historisches, um Pilgerwege, und um die Frage: Warum wird gepilgert? Wer sich wissenschaftlich mit der Heiligtumsfahrt beschäftigen wolle, sagt Schulte, der sehe besser in ein Buch. Aber einen Überblick, den gibt’s bei ihr im Container. „Fünf bis zehn Minuten“, sagt sie, „dann ist man durch.“ Und wenn es gut läuft, „haben die Menschen danach eine grobe Idee von der Heiligtumsfahrt“.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert