Düren - Eine verantwortungsvolle Aufgabe für Schwester Martha

Eine verantwortungsvolle Aufgabe für Schwester Martha

Von: Angela Delonge
Letzte Aktualisierung:
7973818.jpg
Ein Stück von jedem Heiligtum: Schwester Martha mit einer der Karten, die bei den Krankengottesdiensten verteilt werden. Darauf sind je vier Stücke der wertvollen Seide aufgeklebt. Foto: Angela Delonge

Düren. Schwester Martha ist eine Reisende. Sie lebt im Provinzhaus des Ordens der Armen-Schwestern vom Heiligen Franziskus in Düren-Arnoldsweiler, und ist doch viel in Sachen Ermutigung unterwegs. Mit Zug und Auto besucht sie die 34 Konvente zwischen Frankfurt am Main und dem westfälischen Minden, in denen ihre Mitschwestern leben.

Seit fünf Jahren ist das Schwester Marthas Aufgabe, weil sie die Provinzleiterin des Ordens ist. Koffer packen, sich auf den Weg machen, Gespräche führen. Manchmal acht bis neun Stunden am Tag. Zuhören und reden. Nöte sehen und erkennen. „Was wichtig ist, nehme ich sofort wahr“, sagt die Ordensfrau. Dass sie selber ein sanfter, zurückhaltender Mensch ist, scheint dabei nicht von Nachteil.

Die 242 verbliebenen Schwestern in den Konventen in Deutschland, Belgien und Dänemark brauchen heute mehr denn je Unterstützung und Ermunterung. Schwester Martha versichert ihnen bei jeder Visitation, dass der 1845 erhaltene Sendungsauftrag der Ordensgründerin Franziska Schervier „hochaktuell ist, auch wenn wir älter und weniger werden“: Wunden heilen und Seelen retten. Das ist die Aufgabe der Schervier-Schwestern.

Auf Schwester Martha wartete in diesem Jahr eine neue Aufgabe. Zusammen mit zwei Mitschwestern, zwei Elisabethinnen und drei Schwestern vom Armen Kinde Jesu, durfte sie zu Beginn der Heiligtumsfahrt am Freitagabend die in je sieben Meter Seide gehüllten Pakete mit den Heiligtümern auspacken. Das heißt, ein fest vernähter Faden muss aufs Sorgsamste „zurückgenäht“ werden.

„Das geht nur zu zweit“, erzählt Schwester Martha „eine hält den Faden, eine führt die Nadel.“ Das Paket mit dem Marienkleid wird schließlich als einziges ganz entfaltet. Die spannenden Momente in der Sakristei des Aachener Doms waren ein Höhepunkt in meinem Leben“, sagt die 54-jährige Ordensschwester, „ein großes Privileg“.

Die Seidenbahnen – weiße für das Marienkleid, gelbe für die Windeln Jesu, rosafarbene für das Enthauptungstuch Johannes des Täufers und rote für das Lendentuch Jesu – werden traditionell mit ins Mutterhaus der Schervier-Schwestern in Aachen genommen. Und dort passiert wiederum etwas ganz Besonderes mit dem kostbaren Stoff: Von jeder Seidenbahn wird ein Quadratzentimeter großes Stück auf eine Karte geklebt – ein Andenken an die Segnung in den vier Krankengottesdiensten, die während der Heiligtumsfahrt in St. Paul stattfinden.

Zuvor werden die Stoffe glatt gebügelt und auf doppelseitiges Klebeband gestrichen. Mit einer Maschine werden schmale Streifen zugeschnitten, die dann von Hand in kleinste Stücke zerteilt und aufgeklebt werden. Die Arbeit von unterschiedlichen Aachener Ordensfrauen muss schnell gehen, rund 400 Karten werden pro Gottesdienst verteilt.

Schwester Martha hat sich auf die Begegnung mit den Heiligtümern vorbereitet. „Die Aussicht darauf, sie berühren zu dürfen, hat eine große Spannung in mir aus gelöst.“ Das könne sie aber nicht näher erklären, sagt sie leise. Genauso wenig wie die Tatsache, warum sie Ordensschwester geworden ist. Ausschlaggebend war „ein bestimmter Moment in meinem Leben“, gleichzeitig sei es aber auch „ein längerer Weg“ gewesen, erzählt die ausgebildete Krankenschwester, die 1980 in den Orden eingetreten ist. „In dieser Lebensform kann ich mich als Mensch und Frau gut entfalten. Ich bin froh und zufrieden.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert