Aachen/Köln - Eine TV-Sendung machen wie die Profis

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Eine TV-Sendung machen wie die Profis

Von: Robert Baumann
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Ausgestattet mit professioneller Technik und unterstützt von erfahrenen Coaches: Im Studio Zwei vom Westdeutschen Rundfunk in Köln planen und produzieren Schülerinnen vom Aachener St. Ursula Gymnasium ihre eigene Fernsehsendung. Foto: Robert Baumann
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Letzte Vorbereitungen vor dem Sendebeginn: Die Schülerinnen bekommen die Kameratechnik erklärt. Foto: Robert Baumann

Aachen/Köln. „Noch zehn Sekunden“, ruft eine Stimme aus der Regie. Siri Badr wartet mit den Moderationskarten in der Hand vor den Kameras auf das Ende des Beitrags. Ihre genaue Position ist auf dem Boden mit einem Kreuz markiert. Die Scheinwerfer sind auf sie gerichtet. Noch einmal die Frisur checken – alles sitzt. Nervös ist die 15-Jährige – zumindest äußerlich – nicht. Jetzt zählt es.

 Im Studio ist es mucksmäuschenstill. Fast wie ein Profi moderiert die Schülerin den nächsten Beitrag der Fernsehsendung an. Nach 20 Sekunden ist alles vorbei. „Irgendwann mal bei der Tagesschau die Nachrichten sprechen – das wär‘s“, sagt sie und strahlt.

Die Schülerin vom Aachener St. Ursula Gymnasium steht mitten im Studio Zwei vom Westdeutschen Rundfunk (WDR) in Köln. In der Regie, hinter den Kameras und in der Maske sitzen ihre Mitschülerinnen. Die 27 Schülerinnen aus der 9. Klasse produzieren gemeinsam eine 20-minütige Fernsehsendung.

Das WDR Studio Zwei ist eine Medienwerkstatt für Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen sechs bis 13. Ausgestattet mit professioneller Technik und unterstützt von erfahrenen Coaches planen und produzieren die Teilnehmer bei diesem medienpädagogischen Projekt ihre eigene Sendung. „Die Schüler können sich hier ausprobieren und neue Kompetenzen an sich entdecken. Wir haben durchweg positives Feedback“, sagt Kristin Flugel vom WDR Marketing.

Seit Anfang Oktober besteht die Medienwerkstatt, zu der ein Fernseh- und ein Radiostudio gehören. 5500 Schüler haben sich für die Medienwerkstatt bis September nächsten Jahres bereits angemeldet. Im Vorfeld entscheiden die Klassen, ob sie eine Fernseh- oder eine Radiosendung produzieren wollen. Täglich bis zu vier Schulklassen können das Angebot kostenlos in Anspruch nehmen. Ein Kinderstudio für die Klassen drei bis fünf gibt es bereits seit 2009.

Regie oder Nachrichten

Die Schülerinnen des St. Ursula Gymnasiums sind mit die ersten, die im Studio Zwei ihre eigene Sendung produzieren. Nach einer kurzen Einführung durch die WDR-Sportreporterin und Moderatorin Ines Riedel, geht es gleich ans Eingemachte – die Jobvergabe. Zu Beginn des dreistündigen Workshops erhält jeder aus der Schulklasse eine Aufgabe. Einzeln – als Regisseur oder Aufnahmeleiter – oder im Team, zum Beispiel für die Nachrichten oder die Bildregie. Dann werden Nachrichten ausgewählt, die Moderatoren geschminkt und angekleidet, die Kameras eingestellt und Einspieler vorbereitet.

„Wir wollen den Schülern zeigen, wie Fernsehen funktioniert, und ihre Medienkompetenz stärken. Und sie sollen Berufsbilder kennenlernen, die sie vielleicht noch nicht kannten“, erklärt Coach Ines Riedel den Sinn der Medienwerkstatt.

In der Redaktionskonferenz wird der Ablauf der Sendung detailliert besprochen. Ab jetzt tickt der Countdown bis zum Sendebeginn unaufhörlich. Katharina Büdender hat alle Hände voll zu tun und eilt von der einen Studioecke in die andere. „Ich muss mir noch die Aufnahmefläche und die Beleuchtung ansehen“, sagt die 14-Jährige, die ihre Aufgabe als Regisseurin sehr ernst nimmt – so wie alle Schülerinnen. „Ich hätte nicht gedacht, dass man in der Bildregie so viele Leute braucht“, sagt sie erstaunt. Auf ihrem Laufzettel hakt Katharina einen Punkt nach dem anderen ab. Immer mit dabei: die Aufnahmeleiterin.

Das Nachrichten-Team wird langsam etwas nervös. „Wir brauchen noch Bilder von David Beckham“, ruft eine „Redakteurin“, während Conni Haase und Melika Malekzadeh im Studio ihre Kameras scharf stellen. Das Team „Maske, Kostüm, Szenenbild“ schminkt unterdessen noch die Außen-Reporterin für die bevorstehende Live-Schalte.

In der Regie erklärt WDR-Techniker Daniel Fink den Schülerinnen die letzten technischen Feinheiten für die Sendung. „Sie sind alle sehr fit, und es klappt schon sehr gut“, sagt er und blickt auf die sieben Bildschirme und das Mischpult. „Manche lecken hier in der Medienwerkstatt direkt Blut und wollen das später beruflich machen.“

Auch Siri Badr ist nach der dreistündigen Medienwerkstatt ihrem Traumberuf Moderatorin ein Stück näher gekommen. „Ich habe keine Hemmungen vor der Kamera zu stehen. Es macht mir einfach Spaß“, sagt sie. Ihre Moderation kann sie sich in Zukunft so oft anschauen wie sie möchte. Denn die ganze Sendung durfte sich die Klasse am Ende auf einem USB-Stick mitnehmen.

Und vielleicht sieht man Siri Badr in ein paar Jahren dann im „echten“ Fernsehen – als Moderatorin der Tagesschau.

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