Linnich - Eine regionale Alternative zur Sojabohne

Eine regionale Alternative zur Sojabohne

Von: Christina Merkelbach
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Überall Rheinische Ackerbohne: die hart geernteten Bohnen. Foto: Christina Merkelbach
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Überall Rheinische Ackerbohne: das Dinkelvollkornbrot mit Ackerbohnen-Anteil. Foto: Christina Merkelbach
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Überall Rheinische Ackerbohne: die keimende Saat. Foto: Christina Merkelbach
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Überall Rheinische Ackerbohne: die blühende Pflanze. Foto: Christina Merkelbach
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Maria und Karl-Adolf Kremer haben Verbraucher und Produzenten der Region im Blick. Foto: Christina Merkelbach

Linnich. Wenn die Ackerbohne im Mai zu blühen beginnt, lockt sie acht Wochen lang zahlreiche Bienen, Hummeln und Schmetterlinge auf die Felder des Hofes Lindenau in Linnich-Kofferen. Dort bauen Maria und Karl-Adolf Kremer die Pflanze mit der zarten, weiß-violetten Blüte seit zwei Jahren an.

Dass die Insekten, deren Bestand insgesamt deutlich zurückgeht, auf die Ackerbohne fliegen, ist nur einer ihrer vielen Vorteile. „Leider wurde die Ackerbohne vor Jahren vom Importsoja vom Markt verdrängt“, sagt Karl-Adolf Kremer. „Noch in den 50er Jahren war sie ein beliebtes und wichtiges Nahrungsmittel.“

Auf die Hülsenfrucht gekommen sind die Kremers, weil sie eine alternative, hochwertige Eiweißquelle zur Sojabohne suchten. „75 Prozent der deutschen Bevölkerung möchten keine gentechnisch veränderten Nahrungsmittel essen. 82 Prozent des Sojas, das in Deutschland verbraucht wird, ist aber gentechnisch verändert“, sagt Karl-Adolf Kremer.

Er bezieht sich auf Zahlen des Verbands Lebensmittel ohne Gentechnik mit Sitz in Berlin. Demnach importiert Deutschland pro Jahr vier Millionen Tonnen Soja, der größte Teil davon wird als Futtermittel für Nutztiere verwendet.

Ohne Nitrate im Ackerboden

Hauptsächlich werden die Sojabohnen aus Südamerika bezogen, wo immer mehr Waldflächen Äckern weichen müssen. Laut Umweltschutzorganisation WWF hat sich die Anbaufläche allein in Brasilien seit der Jahrtausendwende um über 160 Prozent auf etwa 22 Millionen Hektar vergrößert.

Soja in Deutschland anzubauen ist schwierig, die Bedingungen sind nicht optimal. Nur 40 000 Tonnen umfasst der Ertrag durchschnittlich pro Jahr. „Den Bedarf gentechnikfrei zu decken, ist so gar nicht möglich“, sagt Karl-Adolf Kremer. Ebenso unmöglich, wie mit der Ackerbohne dem deutschen Importsoja-Markt Konkurrenz zu machen. Das wissen die Kremers und versuchen es deshalb auch gar nicht erst.

Ihr Anspruch ist, den Menschen in der Region eine gentechnikfreie Alternative zu bieten, die zugleich umweltfreundlich und nachhaltig ist. „Die Pflanze muss nicht mit Stickstoff gedüngt werden, wodurch der Boden von Nitraten unbelastet bleibt“, erklärt Karl-Adolf Kremer. „Und wir produzieren, verarbeiten und verkaufen regional und halten damit auch den CO2-Ausstoß so gering wie möglich. Insgesamt werden in der ganzen Produktionskette nie mehr als 100 Kilometer zurückgelegt.“ Deshalb haben die Kremers ihren Ackerbohnen den Zusatz „rheinisch“ verpasst und Gleichgesinnte aus dem ganzen Rheinland mit ins Boot geholt.

Nach mehreren Treffen und Workshops, bei denen sich die Teilnehmer mit Markt- und Bedarfsanalysen beschäftigten, gründeten sie Anfang dieses Jahres den Verein Rheinische Ackerbohne. Maria Kremer ist Geschäftsführerin, ihr Mann erster Vorsitzender. „Wir sind derzeit 41 Landwirte im Verein“, sagt Maria Kremer. Eine ganze Reihe von Partnern kommt hinzu. So kümmert sich unter anderem die Raiffeisen-Waren-Genossenschaft Rheinland in Willich um die Vermarktung. Eine knallig grünes Logo schmückt alle Produkte. Das Motiv: eine fröhliche Bohne, die den Daumen hochhält; an ihr Herz kuschelt sich eine kleine Biene.

Auf den ersten Höfen ist die Rheinische Ackerbohne schon eine Weile als Futtermittel im Einsatz. Der Besitzer eines Eierhofes habe berichtet, dass seine Tiere mit dem neuen Futter gesünder und ausgeglichener seien. Das habe auch der Tierarzt bestätigt, sagt Karl-Adolf Kremer. Bei den Eiern, die diese Hühner legen, seien zudem die Dotter größer. Ähnlich positiv äußerten sich auch der Milchhof und die Fleischerei, die Bohnen vom Hof Lindenau an ihre Tiere verfüttern.

Eignet sich die Rheinische Ackerbohne denn auch als Pro-teinquelle für Menschen? Immerhin finden sich Sojamilch, Sojaschnitzel und ähnliches wegen der großen Nachfrage inzwischen in den Kühlregalen sämtlicher Supermärkte. Da sei mit der Rheinischen Ackerbohne vieles möglich und noch einiges geplant, sagt Maria Kremer.

Der Startschuss fiel im Februar. Mit einem Bäcker aus Mönchengladbach entstand ein Brot mit hohem Anteil an Ackerbohnen – das genaue Rezept bleibt geheim. Das gilt auch für das Brot, das die Aachener Bäckerei Moss seit zwei Wochen anbietet. Vier bis fünf Backversuche habe er gebraucht, bis er mit dem Ergebnis zufrieden war, sagt Inhaber Jörg Moss. 40 Prozent Dinkel und ein hoher Anteil an Rheinischen Ackerbohnen sei enthalten, so viel verrät er. Mit Blick auf den Mahlvorgang sagt er: „Die Bohnen sind knallhart.“

Das bekommen auch die Kremers zu hören, wenn sie ihre Ackerbohnen im August ernten. Der Mähdrescher knirsche wie bei keiner anderen Ernte, sagt Maria Kremer. Imker fragen auch schon an. Sie wollen ihre Bienen über die Parzellen am Hof Lindenau fliegen lassen, einer war im Juni bereits dort. „Ist es nicht so trocken wie in diesem Jahr, gibt es dann vielleicht bald auch Honig von der Rheinischen Ackerblüte“, sagt Maria Kremer.

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