Eine kleine Revolution auf dem Hochplateau

Von: Marlon Gego
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Vielfältige Landschaft: Der N
Vielfältige Landschaft: Der Naturpark Hohes Venn-Eifel hat eine Moorlandschaft zu bieten, wie man sie sonst eher im Norden der britischen Inseln vermuten würde, aber auch saftige Wiesen mit dichten Wäldern. Vor 40 Jahren wurde der grenzübergreifende Naturpark ausgewiesen. Das wird am Wochenende gefeiert. Foto: Peter Stollenwerk

Botrange. Man sieht dem Hohen Venn sein Revolutionspotenzial nicht an, also gar nicht. Das Hochplateau von Botrange in Ostbelgien liegt auf den Höhenzügen der Ardennen wie hingegossen, Grüntöne in jeder Schattierung bis hin zum Horizont.

Friedlich sieht das alles aus, nicht nach Revolution. Doch 1971, als Worte wie Umweltschutz oder gar Biodiversität kaum jemandem ein Begriff waren und das Hohe Venn mit weiten Teilen der Eifel zum „Naturpark Hohes Venn-Eifel” ausgewiesen wurde, war das doch eine kleine Revolution: ein Revolutiönchen.

In diesen Tagen wird der Naturpark Hohes Venn-Eifel 40 Jahre alt, und die Nachlassverwalter seiner Gründer glauben, dass das ein Grund zu feiern ist. Im sogenannten Gemünder Abkommen beschlossen 1971 das Königreich Belgien und die Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz ein gemeinsames Schutzgebiet mit 2700 Quadratkilometern Fläche, fast so viel wie das Saarland. Der Naturpark reicht vom Süden des Kreises Düren bis tief hinunter in die Schnee-Eifel. Sein Zentrum liegt auf belgischer Seite in Botrange, nur wenige Meter unterhalb des höchsten Punktes von Belgien, dem sogenannten Signal de Botrange.

„Die Flaggschiff-Tierart”

Die Beratende Kommission, bestehend aus Vertretern der drei Unterzeichner des Gemünder Abkommens, tagte diese Woche in Botrange und erlaubte sich nach 40 Jahren gemeinsamer Erfahrungen ein ausnehmend positives Fazit, so dass für das geplante Fest am Wochenende aller Anlass besteht.

Martin Woike, Ministerialdirigent im nordrhein-westfälischen Umweltministerium, erkennt im Naturpark „einen wichtigen Schritt für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit und ein praktisches Beispiel für das Zusammenwachsen Europas”. Was sich heute wie eine allzu oft dahergesagte Floskel anhören mag, war für die junge Europäische Union anno 1971, nur 26 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges, andererseits besonders zutreffend. Es sei wohl kein Zufall gewesen, sagte Woike, dass die Gründung des Naturparks in eine Zeit fiel, zu der trotz oder gerade wegen eines enormen Wirtschaftswachstums in der Bevölkerung allmählich ein erstes Bewusstseins für Naturschutz entstand.

Naturparke rangieren in ihrem Schutzauftrag einigermaßen weit unter den Nationalparken und Biosphärenreservaten. Naturparke sollen ausdrücklich auch Naherholungsgebiete und also touristisch erschlossen sein, ohne bei alledem den Natur- und Umweltschutz zu vernachlässigen. Zwischen 250.000 und 350.000 Besucher kommen jedes Jahr allein auf die belgische Seite des Naturparks Hohes Venn-Eifel, die Wintermonate gar nicht mal mit eingerechnet. Für Belgien ist das Hohe Venn nach den Nordseeküsten im Westen des Landes das wichtigste touristische Gebiet. Das mag erklären, weshalb auf der belgischen Seite des Naturparks 26 Angestellte arbeiten, auf der deutschen hingegen nur drei.

Auch im Naturschutz, stellte Albert Stassen für die Beratende Kommission fest, seien im Laufe der Jahre beachtliche Erfolge errungen worden. Ein sichtbares Zeichen dafür sei, ergänzte Martin Woike, dass trotz der vielen Touristen „die Flaggschiff-Tierart des Hohen Venns”, das stark gefährdete und streng geschützte Birkhuhn, nach wie vor in stabiler Population vorkomme.

Der Erfolg der Naturpark-Idee in der Eifel hat die verschiedenen Regierung des Landes Nordrhein-Westfalen über die Jahre offenbar parteiübergreifend beeindruckt, denn inzwischen sind 38 Prozent der Landesfläche als Naturpark ausgewiesen. Was als kleine Revolution begann, ist heute, wie so oft in der Geschichte, also der Normalfall.

Vennbrand: Ursache noch ungeklärt


Die Gründe für den gewaltigen Brand im Hohen Venn Ende April sind nach wie vor nicht geklärt. Das teilte am Donnerstag der verantwortliche belgische Forstdirektor Leo Schlembach auf Anfrage unserer Zeitung mit. Die Polizei rechne allerdings mit einem baldigen Ende der Ermittlungen. Betroffen waren 1350 Hektar des Hohen Venns. Teile des verbrannten Areals grünten jedoch bereits wieder nach, sagte Schlembach, die wenigen betroffenen Wanderwege seien in wenigen Wochen wieder benutzbar. Der ökologische Brandschaden sei im Moment noch nicht zu beziffern.

Zum 40. Gründungstag des Naturparks Hohes Venn-Eifel lädt die Provinz Lüttich am Wochenende zum großen Familienfest ein. Im Naturparkzentrum Botrange zwischen Eupen und Malmédy gibt es am 21. und 22. Mai jeweils zwischen 10 und 18 Uhr Vorführungen etwa von Hirtenarbeiten oder Holzrückerpferden bei der Arbeit. Es gibt einen regionalen Markt, Kutschentouren, Konzerte, Ausstellungen und Wildschweingrillen.
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