Eine ganze Region spürt diesen Kick

Von: Hans-Peter Leisten
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21.100 Zuschauer machten die Zuschauerränge zur politischen Aktionsbühne. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Die Farben Schwarz und Gelb sind ein klares Bekenntnis. Für die Stadt Aachen sowieso, für die Alemannia seit 116 Jahren. An diesem Samstagnachmittag aber für noch so viel mehr: für eine ganze Region und ihre Menschen, die mit schwarz-gelbem Protest ausdrücken, dass sie das Atomkraftwerk im belgischen Tihange nicht mehr wollen.

4000 bis maximal 5000 Zuschauer wären normalerweise zum Regionalligaspiel Alemannia Aachen gegen den 1. FC Köln II gekommen. Jetzt sind es 21.100 – und die meisten machen die Zuschauerränge zur politischen Aktionsbühne.

Interviews des Stadionsprechers

Vor dem Anpfiff stehen einige der Impulsgeber am Spielfeldrand und erklären ins Mikrofon von Stadionsprecher Robert Moonen ihre Motive. Die sind naturgemäß sehr ähnlich und finden im so genannten „Pannenmeiler“ in Tihange ihren gemeinsamen Nenner. Einen, der ihnen Angst macht. Da ist es verständlich, aber dennoch bemerkenswert, dass auch der Präsident des 1. FC Köln, Werner Spinner, mit von der Partie ist. Denn Köln ist im Falle einer Reaktorkatastrophe ganz nah bei Aachen – und deshalb haben die FC-Spieler genau wie die Alemannen ihre üblichen Trikots gegen aktuelle mit dem Brustemblem „Stop Tihange“ getauscht.

Initiiert wurde der Protest in erster Linie von Alemannia-Vorstand Oliver Laven, Aufsichtsratschef Dr. Christian Steinborn und Städteregionsrat Helmut Etschenberg. Der spricht auch im Talk mit Robert Moonen Klartext in Richtung Belgien: „Schaltet sofort ab. Das Ding ist nicht sicher. Die Trikots der Spieler heute tragen eine klare Botschaft!“

„Nie mehr hochfahren“

Auch Alemannia-Präsident Heinz Maubach ist in politischer Mission unterwegs: „Fußball funktioniert nur im Team. Und die Menschen in der Region stehen wie ein Team. Das AKW ist schon mehrfach runtergefahren worden. Fahrt es nur noch einmal runter – und dann nie wieder hoch!“

Diese Statements sind natürlich Öl im Getriebe von Jörg Schellenberg, dem Sprecher des Aktionsbündnisses gegen Atomkraft. Der freut sich über „den größten Protest, den es je gegen Tihange gegeben“ hat. Und er freut sich über die finanzielle Unterstützung, die für sein grenzüberschreitendes Aktionsbündnis aus diesem bemerkenswerten Fußballnachmittag resultiert. Schließlich fließen die meisten Einnahmen aus dem Ticketverkauf plus der Erlöse aus Trikotversteigerungen in die Kasse des Bündnisses. Schellenberg erklärt auch gleich, wofür das Geld investiert wir: Im kommenden Sommer soll es eine Menschenkette von Aachen über Maastricht und Lüttich bis nach Tihange geben. „Der euregionale Protest muss so groß werden, dass das AKW abgeschaltet wird.“

Auch während des Spiels bleibt die Botschaft präsent. Auf den Videowänden und Umlaufbannern ums Spielfeld werden immer wieder die Namen der Unternehmen und Einrichtungen eingeblendet, die sich mit dem Stop-Tihange-Appell solidarisch erklärt haben. So wird die Botschaft bei vielen Zuschauern vielleicht nachhaltig abgespeichert.

Den Alemannia-Spielern passen die politischen Leibchen offensichtlich besser als den Kölner, das Heimteam gewinnt 3:2. Aber das ist vielleicht etwas weniger wichtig als bei anderen Spielen. Eine kleinere fünfstellige Summe dürfte für das Bündnis zusammengekommen sein, plus gewaltiger PR-Wirkung.

Am Ende zieht Heinz Maubach ein positives Fazit. Er sei sehr zufrieden, man sehe, was die Menschen in der Region bewege. Aber er ist auch Alemanne und sagt verständlicherweise: „Vielleicht bereitet es den Zuschauern von diesem Nachmittag auch Freude, den Tivoli ein weiteres Mal zu besuchen.“ Aus Aachener Sicht hat dieser Nachmittag nur Gewinner.

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