„Eine Euregio ohne Amseln wird es nicht geben“

Von: Madeleine Gullert
Letzte Aktualisierung:
13185960.jpg
Amseln aus angrenzenden Gebieten ziehen in den Raum Aachen. Bundesweit gibt es laut Lachmann etwa 40 Millionen Amseln. Foto: Roland Weihrauch/dpa

Aachen/Berlin. Ein Virus befällt Vögel in ganz Deutschland, besonders aber ist das Dreiländereck von Deutschland, Belgien und Holland betroffen. Vor allem Amseln sind anfällig für das sogenannte Usutu-Virus, wie Lars Lachmann, Ornithologe beim Naturschutzbund Nabu, erklärt. Vermutlich seien sie besonders empfindlich.

Es könne aber auch daran liegen, dass Amseln nicht so scheu wie andere Vögel sind und sich gern in der Nähe von Menschen aufhalten. Der Nabu hatte kürzlich gebeten, tote Amseln einzuschicken. Die Bilanz: in elf Tagen 611 Amseln bundesweit. „Wir gehen davon aus, dass etwa 400 davon am Usutu-Virus gestorben sind.“

2011 hatte das Virus erstmals Hunderttausende Vögel getötet, davon schätzungsweise 300.000 Amseln, aber auch viele Sperlinge und Staren. Ursprünglich stammt das Virus, das von Stechmücken übertragen wird, aus Südafrika. Dass das Virus erneut verstärkt auftritt führt der Nabu auf die Wetterlage zurück: Der milde Winter und der warme Spätsommer seien für die Vermehrung von Mücken ideal. Befallene Vögel wirken krank, werden apathisch und sterben innerhalb weniger Tage.

Betroffen waren 2011 und 2012 insbesondere das Rheintal von Freiburg bis Köln, aber auch Gebiete rund um den Neckar und die Mosel. Dass sich jetzt, fünf Jahre später, Vorfälle im Dreiländereck häufen, führt Lachmann darauf zurück, dass sich das Virus räumlich Richtung Aachen, Niederrhein, Ostniederlande und Ostbelgien ausbreitet. In den 2011 betroffenen Gebieten hätten Vögel vermutlich Antikörper gegen das Virus entwickelt und seien weniger anfällig, als Tiere etwa im Raum Aachen, die bislang nicht mit dem Usutu-Virus in Berührung gekommen seien.

„Eine Euregio ohne Amseln wird es aber nicht geben“, sagt Lachmann. Ja, kurzzeitig würden Bestandslöcher in die Population gerissen. Bei der vergangenen Virus-Epidemie gab es in einigen Kommunen 70 Prozent weniger Amseln als vor dem Ausbruch. Diese Löcher würden aber von außen wieder gefüllt. Sprich: Amseln aus angrenzenden Gebieten ziehen etwa in den Raum Aachen. Bundesweit gibt es laut Lachmann etwa 40 Millionen Amseln. „Da kann man 300.000 tote Tiere verkraften – solange das Virus nicht bundesweit auftritt.“

Für den Menschen ist das Virus in der Regel ungefährlich. Weltweit seien erst fünf Menschen erkrankt. In einigen Fällen hatten die Betroffenen aber vorher ein geschädigtes Immunsystem. Gestorben sei an Usutu niemand, erklärt Lachmann. Auch fürchteten Forscher nicht, dass das Virus wie die Vogelgrippe mutiert. Besitzer von Hunden oder Katzen können ebenfalls beruhigt sein. Das Usutu-Virus befällt keine Säugetiere. Erkranken könnten aber alle wilden oder zu Hause gehaltenen Vogelarten, auch Wellensittiche oder Papageien. Auch Eulen seien von der jetzigen Welle stärker betroffen, sagt Lachmann: „Tatsächlich gibt es in diesem Herbst schon sechs Fälle von toten Bartkäuzen.“

Weiterhin bittet der Nabu darum, tote Tiere bis Ende November einzusammeln und einzuschicken oder an die Amtstierärzte der Kommunen zu übergeben.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert