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Eine erstaunliche Rückkehr: Herr Laschet hat sein Auto wieder

Von: Marlon Gego
Letzte Aktualisierung:
Hans Laschet Ford Mustang
Hans Laschet hat seinen geliebten Ford Mustang wieder. Foto: Marlon Gego

Aachen. Das vergangene Jahr kam Hans Laschet wie ein ganzes Leben vor, und Laschet sagt das nicht nur so dahin, er meint es auch, man sieht es ihm an, man hört es auch, immer wieder muss er seufzen. Diebe aus Holland hatten am 2. August sein Auto gestohlen, aber für Laschet war es nicht bloß ein Auto, es war eher sein Lebenswerk. Ein Ford Mustang von 1970.

An ihm hatte Laschet 32 Jahre lang gearbeitet, bis er so einzigartig war, dass es ihn kein zweites Mal auf der Welt gab, ein Unikat. Gestohlen von zwei Dieben, die keine Ahnung hatten, was sie an diesem Sonntag im August 2015 am Aachener Hangeweiher klauten.

Seit Donnerstag ist der Mustang wieder in Aachen, und die Geschichte, wie Hans Laschet sein Auto wiederbekommen hat, ist mindestens erstaunlich. Nachdem Laschet den Wagen vergangenes Jahr gestohlen gemeldet hatte, gewann er den Eindruck, dass die Aachener Polizei sich eigentlich gar nicht richtig um sein Auto kümmert. Es gab einen Disput zwischen Laschet und der Polizei, und eine Konsequenz war, dass Laschet auf eigene Faust nach dem Mustang zu suchen begann.

Laschet kennt Mustang-Besitzer auf der ganzen Welt, seine Suchaufrufe über Facebook wurden bis zu 20.000 Mal geteilt. Innerhalb weniger Wochen gab es auf der Erde keinen Mustang-Fan oder -Händler mehr, der nicht wusste, dass Laschets Auto gestohlen worden war, sogar eine Belohnung setzte Laschet aus: 1500 Euro. Es gab einige Hinweise, denen Laschet nachging, aber so richtig kam er nicht voran.

Vergangenen Herbst dann wandte er sich an einen niederländischen Detektiv, der kurz zuvor einen 2004 gestohlenen Jaguar E-Type wiederbeschafft hatte. Laschet zahlte dem Detektiv ein paar Tausend Euro Vorschuss und machte sich Hoffnungen.

Mit seinen Facebookaufrufen hatte Laschet dafür gesorgt, dass sein Auto für die Diebe quasi unverkäuflich geworden war. Ein Unikat, von dem viele potenzielle Käufer wissen, dass es gestohlen wurde, ist kein besonders attraktives Angebot. Es dauerte einige Monate, dann wandten sich die Diebe an Laschets Detektiv und boten ihm an, Laschet könne sein Auto zurückkaufen. Doch der Detektiv riet zunächst davon ab.

Kaufen oder zerstören

Nach Darstellung von Hans Laschet informierten er und der Detektiv die deutsche und die niederländische Polizei darüber, wo ungefähr der Mustang zu finden sei, bei einem Autohändler in Holland nicht weit von der deutschen Grenze entfernt. Laschet sagt, die Polizei habe sich nicht für diese Informationen interessiert. Die Wochen vergingen, ohne dass etwas passierte.

Vergangenen Montag dann, sagt Laschet, seien die Diebe wieder auf den Detektiv zugekommen. Sie hätten das Auto erneut zum Kauf angeboten und gedroht, dass sie den Mustang zerstören oder in seine Einzelteile zerlegen würden, wenn das Geschäft dieses Mal nicht zustande käme. So erzählt es Hans Laschet. Er habe das Geld von der Bank geholt und dem Detektiv gegeben, der Detektiv habe das Geld an die Diebe übergeben und Laschets Mustang mit einem Transporter abholen lassen.

Jetzt steht der Wagen in einer Werkstatt in Aachen, es sind ein paar Kleinigkeiten zu machen. Laschet bezeichnet die Rückholaktion als „Rettungskauf“, anderenfalls hätte die Gefahr bestanden, dass er seinen Mustang niemals wiedergesehen hätte.

Tolle Geschichte. Aber hat sie sich tatsächlich so zugetragen?

Die andere Seite der Geschichte

Die Aachener Polizei hat zumindest leise Zweifel. Polizeisprecher Paul Kemen sagt, Laschet habe der Polizei Informationen vorenthalten. Dass der Mustang wieder in Aachen ist, habe die Polizei von unserer Zeitung erfahren. Hätte die Aachener Polizei gewusst, wo genau der Mustang in Holland zu suchen gewesen wäre, hätte sie die niederländischen Kollegen per sogenanntem Rechtshilfeersuchen gebeten, das Auto sicherzustellen.

Genau so hatte es vergangenen Herbst im Fall eines in Aachen gestohlenen und in Holland gefundenen und sichergestellten Porsche 911 funktioniert. Es stimme allerdings, sagt Kemen, dass für die Niederländer „Kfz-Diebstahl ein unterrangiges Delikt“ sei, ganz anders als in Deutschland.

Wie dem auch sei: Für die Aachener Polizei ist der Fall des gestohlenen Mustangs keinesfalls abgeschlossen. Als erstes, sagt Polizeisprecher Kemen, werde nun Hans Laschet vorgeladen, er solle alles sagen, was er über die Diebe weiß. Als nächstes sei es möglich, dass der Detektiv vorgeladen werde. „Ob als Zeuge oder als Beschuldigter, werden wir dann sehen“, sagt Kemen.

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