Aachen - Eine erfundene, aber ausgezeichnete Öko-Nobel-Marke

Eine erfundene, aber ausgezeichnete Öko-Nobel-Marke

Von: Verena Müller
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Sakina Charkaoui hat mit ihrer Diplomarbeit gleich zwei Preise gewonnen.

Aachen. Eigentlich müsste Sakina Charkaoui sauer sein. Zwei Preise hat sie für ihre Diplomarbeit in Kommunikationsdesign gewonnen, aber statt ein Preisgeld einstreichen zu können, muss sie wahrscheinlich auch noch Geld obendrauf legen.

Bei dem einen Preis, dem Red-Dot-Design-Award, ist das für die Veröffentlichung eines Buches mit den Arbeiten der Preisträger schon sicher, bei dem anderen Preis, dem Junior Corporate Design Preis (JCDP), ist das noch nicht ganz klar. „Das habe ich in Kauf genommen, weil ich wusste, wie wichtig diese Preise sind”, sagt die 28-jährige Absolventin der FH Aachen. Das zeigt auch die Bewerberzahl für den letzten Red-Dot-Design-Award: über 6000 waren es.

Womit sich Sakina Charkaoui von tausenden Bewerbern abgesetzt hat, war ein Konzept und ein Produkt-Corporate-Design für ein fiktives biologisches Luxus-Pflegeprodukt. „Shamsoui” hat sie ihre Öko-Nobel-Marke genannt, die laut Beschreibung als Basis-Öl der marokkanischen Arganienfrucht enthält. Der Name kommt aus dem Marokkanischen: „Shams” heißt „Sonne”, auf „oui” enden viele marokkanische Familiennamen.

Ein Firmenlogo - über dem Schriftzug drei stilisierte Argannüsse -, Briefbögen und Visitenkarten, Tiegel inklusive deren Verpackung und Werbung für Zeitschriften oder Litfaßsäulen hat sie in drei Monaten entworfen. Die Werbefotos waren eine der größeren Herausforderungen. Nicht nur technisch, sondern auch ganz banal in der Frage, wo man ein passendes Model herbekommt.

Aber wie es manchmal das Schicksal will: Eines Abends, als die Designerin gerade mit schweren Taschen und müden Augen auf dem Nachhauseweg von der FH Aachen nach Troisdorf war, sah sie im Zug eine Iranerin, die zu ihrer fiktiven Marke passte. Kurz bevor die Dame am Kölner Bahnhof ausstieg, sprach Sakina Charkaoui sie „mit letzter Energie” an. Jetzt schmückt die Schönheit in unterschiedlichen Outfits und Posen die Anzeigenentwürfe der Diplomarbeit.

Vor schwarzem Grund glänzt ihre Haut seidig, gegenüber steht ein weißgoldener Hautcreme-Tiegel. Orientalische Accessoires trägt die Iranerin, mal einen Derwisch-Hut, mal den Kopfschmuck einer Bauchtänzerin. „Das sind eigentlich Teile von Karnevalskostümen”, sagt die Jungdesignerin. Auf den ersten Blick würde man das nicht erraten. Entstanden sind die Aufnahmen in einem Fotostudio der FH Aachen, auch in Eigenregie. „Das Fotografieren war einfach learning by doing”, sagt die Designerin.

In naher Zukunft

Von großen Vorbildern will sie nichts wissen. Aber ihre Herkunft kann sie in der Arbeit nicht verleugnen: „Das Thema meiner Arbeit hat ganz klar marokkanische Einflüsse - mein Vater ist Marokkaner und hatte irgendwann mal vor, aus seiner Heimat Arganienfrüchte zu importieren. Aber die Herangehensweise und der Aufbau der Arbeit sind deutsch”, sagt Sakina Charkaoui mit einem Lächeln. Italienische Einflüsse - wegen der Herkunft der Mutter - nein, überlegt sie kurz, die könne sie nicht ausmachen.

Auch eine große Affinität zur Modewelt oder zu Kosmetik habe sie nicht. „Ich kann mir genauso gut vorstellen, für ganz andere Produkte Designs zu entwerfen”, sagt die Absolventin. In naher Zukunft. Denn die 28-Jährige will sich selbstständig machen. Im Elternhaus seien noch Räume frei, die wolle sie sich jetzt einrichten. Und in der Zwischenzeit? „Da gehe ich meinem Hobby nach und verkaufe in der Eisdiele meiner Eltern Eis”, sagt Sakina Charkaoui.

Irgendwann im Dezember bekommt sie dann in einer Feierstunde ihren „Red Dot” in Essen überreicht. Den JCDP hat sie schon, der kam - unspektakulär und leider etwas lädiert - per Post.
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