Hasselt/Maastricht - Eine Bahn von Maastricht nach Hasselt

Eine Bahn von Maastricht nach Hasselt

Von: Udo Kals
Letzte Aktualisierung:
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So könnte es schon im Jahr 2017 in Maastricht: Die Sneltram soll die limburgische Provinzhauptstadt mit Hasselt verbinden und die Maas auf der Wilheminabrücke überqueren. Animation: Gemeente Maastricht

Hasselt/Maastricht. Guy Visser mag die Bahn. Und er liebt seine Stadt. Doch Bahn und Stadt passen für Guy Visser in Maas­tricht nicht zusammen. Zumindest nicht bei der Sneltram. „Die geplante Trasse durch die Innenstadt zerstört das Stadtbild“, beklagt der Ingenieur.

Denn die Wagen „sind genauso breit, schwer, hoch und lang wie die eines richtigen Zuges. Das hat nichts mit einer leichten und schmalen Straßenbahn zu tun“, betont Visser. Dies ruiniere das Straßenbild und gehe vor allem auch auf Kosten der Radfahrer, „die kaum noch Platz auf der Straße haben“.

Während die Aachener Bürger sich am 10. März gegen die Campusbahn ausgesprochen haben, wird jenseits der Grenze mit Hochdruck an einer neuen Bahnverbindung zwischen Hasselt und Maastricht gearbeitet. Auch hier gibt es Protest. Doch die Projekte sind weit gediehen. „Ende 2017 wird die Sneltram zwischen Hasselt und Maastricht fahren“, betont Sonja Loos vom belgischen Projektträger De Lijn. Pünktlich zum Jahr 2018, für das sich Maastricht und die Euregio als europäische Kulturhauptstadt bewerben.

35 Kilometer lang, fünf davon in den Niederlanden, soll die Bahnverbindung mit 13 Haltestellen zwischen Hasselt und Maastricht sein, die über weite Strecken über ein separates Gleis verlaufen und auf den letzten rund vier Kilometer im Maastrichter Straßenraum verlegt werden soll – von der Boschstraat am Hafenbecken (Bassin) vorbei über den Maasboulevard, die Maas wird über die Wilhelminabrücke gequert, von da an geht es über Wilhelminasingel und Parrallelweg zum Hauptbahnhof.

Baubeginn soll sowohl in den Niederlanden als auch in Belgien bereits 2014 sein. Insgesamt werden für das Projekt von offizieller Seite 200 Millionen Euro veranschlagt. Doch Kritiker sprechen von 400 Millionen. Wie in Aachen ist die Debatte in Belgien und den Niederlanden jedoch auch ein Kampf um die Deutungshoheit, auch und gerade mit Zahlen. Die Kosten, natürlich, aber auch prognostizierte Fahrtzeiten und Fahrgastzahlen werden von der einen Seite so berechnet, von der anderen so. So zweifeln Kritikern die offiziell mit 39 Minuten angegebene Fahrtzeit sowie die jährlich 6,8 Millionen Fahrgäste an.

Dabei betont Visser, er habe nichts gegen eine neue Bahnverbindung zwischen den beiden limburgischen Metropolen. Im Gegenteil. Schließlich ist die derzeitige Verbindung alles andere als gut. Doch die geplante Variante ist für ihn ein Irrweg – und dies „nur, um eine Haltestelle in der Innenstadt auf dem Maasboulevard zu haben, wodurch die Passagiere aus Hasselt nur 200 Meter weniger zu laufen brauchen“, beklagt Visser, der sich wie auf der belgischen Seite Francis Bleukx dem Protest verschrieben hat. Dass sie alles tun wollen, um das Projekt noch zu verhindern, ist klar. Dass sie kaum noch etwas ausrichten können, wissen sie.

Doch sie opponieren nicht nur, sondern haben eine Alternative, einen Plan B in der Tasche. Sie bringen die Reaktivierung der alten Bahntrasse von Aachen-West bis Antwerpen als interregionale Zugverbindung ins Gespräch, die ohne die Schleife durch die Maas­trichter City die Provinzhauptstadt über den Hauptbahnhof anbinden würde. „Als Eurocity-Verbindung war die Trasse schon einmal 1988 geplant“, erinnert Bleukx: „Das ist eine viel günstigere Variante, weil sie in Teilen weiterhin genutzt wird und nur wenige Lücken geschlossen werden müssen. Die Sneltram ist nur ein Prestigeprojekt.“

De-Lijn-Pressesprecherin Sonja Loos kennt die Vorwürfe. Sie kontert gelassen: „Recherchen zu der Forderung der kleinen Gruppe, die ehemalige Bahnlinie Hasselt-Maastricht zu reaktivieren, haben gezeigt, dass diese Variante nicht preiswerter ist!“ Nun werde mit Hochdruck an der Sneltram gearbeitet.

Seit 2004 verfolgt der Verkehrsverbund De Lijn das rund 300 Millionen Euro schwere Spartacus-Projekt, das den Regionalverkehr in Belgisch-Limburg mit Bus und Bahn verbessern soll. Erstes von drei Schienenprojekten ist die Tram zwischen Hasselt und Maastricht. Der Plan ist laut Loos die Antwort auf den Autoverkehr, der in Limburg stärker als im Rest Flanderns zunehme, sowie auf bestehende Lücken im öffentlichen Personennahverkehr.

In den Zentren, erklärt sie, fährt die Tram wie eine Straßenbahn; außerhalb gibt sie Gas und erreicht eine Geschwindigkeit von bis zu 100 Kilometern pro Stunde – ihr Fazit: „Da die Bahn auf eigenen Gleisen fährt, gibt es keine Verspätungen wegen anderer Verkehre. Zudem sind die Fahrgäste schneller als bisher unterwegs.“

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