Eine Art fliegender Hörsaal für die FH Aachen

Von: Berthold Strauch
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NRW-Ministerin Svenja Schultze
NRW-Ministerin Svenja Schultze lässt sich von Pilot Manfred Conradi in die Navigation des FH-Flugzeugs einweisen. FH-Rektor Marcus Baumann (stehend links) und Peter Dahmann (stehend rechts), Dekan des Fachbereichs Luft- und Raumfahrttechnik, sehen zu. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Die Aachener Fachhochschule (FH) geht in die Luft. Die Wissenschaftler rund um Peter Dahmann, Dekan des Fachbereichs Luft- und Raumfahrttechnik, haben auf dem Flugplatz Merzbrück in Würselen ein nagelneues Forschungsflugzeug in Dienst gestellt.

Damit erhält die Ausbildung der Ingenieure an diesem Fachbereich eine neue Qualität. Denn wie Dahmann bekundete, genießt die FH mit dieser zweisitzigen Maschine aus der Flugzeugwerft Stemme in Strausberg bei Berlin ein echtes Alleinstellungsmerkmal. Kein anderer der bundesweit fünf Luft- und Raumfahrt-Fachbereiche könne mit solch einem hochwertigen technischen Aggregat aufwarten.

In Aachen werden allein knapp 20 Prozent aller Ingenieure dieses Typs ausgebildet. „Und sie werden uns förmlich aus den Händen gerissen”, sagt Dahmann. Denn der Branche gehe es gut, die Auftragsbücher seien voll. Entscheidende Kriterien seien die Herstellung kerosinsparener Maschinen, die immer leiser sein sollten und die Emissionen reduzierten. Zudem wachse der Transportbedarf. Rund 1100 Studenten zählt der Fachbereich, pro Jahr verlassen etwa 120 fertige Spezialisten die FH - mit steigender Tendenz.

Die Stemme-Maschine ist eine Sonderanfertigung. Dahmann, der sie als ausgebildeter Pilot selber steuern kann, spricht beim Kaufpreis von einem „hohen sechsstelligen Betrag”. Er wurde fast komplett von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und dem Land NRW finanziert.

Lautlos, störungsfrei

Zu den Aufgabenfeldern, die mit dem Flugzeug untersucht werden sollen, zählt zum Beispiel die Aeroelastik. Dabei wird die Verformung der Flügel unter dem Einfluss der Strömung unter die Lupe genommen. Dazu sind unzählige Sensoren fest installiert worden, als Teil der FH-Sonderausstattung. Erwartet werden aus solchen Analysen neue Erkenntnisse über die Verwendung leichter Faserverbund-Werkstoffe in der Luftfahrt.

Forschungsthema wird zudem die Avionik, die Gesamtheit der elektrischen und elektronischen Geräte an Bord. Hier geht es um sehr präzises, für Messungen nachvollziehbares Fliegen unter Einsatz von GPS-Systemen. Dieses Know-how ist wichtig zum Beispiel für Atmosphärenmessungen, um etwa nach einem Vulkanausbruch die Gefahren von Rußpartikeln in der Luft für den Flugverkehr einzuschätzen. Auch solche Einsätze sind mit der Stemme möglich.

Zudem stehen zwei Außenlast-Behälter an den Tragflächen für Messgeräte zur Verfügung, sogenannte Wingpods. Ferner kann die Maschine als eine Art fliegender Windkanal eingesetzt werden. Dazu werden außen verschiedene Profile angebracht, deren Auswirkungen studiert werden. Dabei geht es auch um Lärmschutz. Ebenso können die Flugbelastungen des Piloten kontrolliert werden.

Überdies ist die Stemme in der Lage, nach dem Einfahren des Propellers und Fahrwerks als Segelflugzeug bis zu 2300 Kilometer völlig lautlos und damit störungsfrei für empfindliche Messungen zurückzulegen. Für das Design des strahlend weißen, eleganten Flugzeugs haben übrigens Designstudenten der FH unter Leitung von Eva Vitting gesorgt.

Svenja Schulze (SPD), die nordrhein-westfälische Wissenschaftsministerin, griff bei der Übergabe das Wort vom „Hörsaal in luftiger Höhe” auf, eine Eigenbeschreibung des Flugprojekts der FH. Sie sprach von einer „neuen Dimension des anwendungs- und praxisorientierten Studiums”, das die Stemme darstelle. Die Luft- und Raumfahrt im Lande habe sich zu einem „Konjunkturmotor” entwickelt, die händeringend gute Mitarbeiter suche.

Die FH trage hervorragend zur Bewältigung der technischen Herausforderungen wie Klimawandel und Ressourcenschonung bei. Gemeinsam mit dem Manfred Conradi startete die Ministerin nach der Taufe auf den Namen „Mupp”, den Spitznamen eines verstorbenen Vaters des Projekts, Josef Mertens, zum ersten offiziellen Rundflug.
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