Bad Münstereifel - Eine Altstadt wird zum Outlet-Center

Eine Altstadt wird zum Outlet-Center

Von: Marlon Gego
Letzte Aktualisierung:
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Spaziergang durch die Outlet-Altstadt: Das „City Outlet Bad Münstereifel“ wird am Donnerstag eröffnet – und Heino gibt dazu ein Gratis-Konzert. Foto: Tom Steinicke

Bad Münstereifel. Nach mehr als siebenjähriger Planungs- und Bauphase eröffnet am Donnerstag das Outlet in Bad Münstereifel. Der Bürgermeister spricht von „einer Jahrhundertchance“, die Outlet-Investoren von einem „alternativlosen Konzept“ für die finanziell angeschlagene Stadt im Kreis Euskirchen.

Die Outlet-Pläne haben jahrelang einerseits für Begeisterung gesorgt, andererseits für Skepsis. Ein Überblick über das, was wird, und das, was war:

1. Das Outlet

Ganz zu Beginn der Outlet-Center-Entwicklung in Deutschland waren Outlets so etwas wie Fabrikverkäufe. Das erste berühmte deutsche Outlet war das in Metzingen, wo der Textilienhersteller Boss produziert und Zweite-Wahl-Artikel in einem Laden nahe der Fabrik günstig verkaufte. Mittlerweile produzieren viele Firmen eigens für Outlets, in denen Waren 30 bis 70 Prozent günstiger als üblich angeboten werden.

Das „City Outlet Bad Münstereifel“, so der offizielle Name, ist in der Altstadt angesiedelt und mischt sich mit den Einzelhändlern, die dort schon länger Geschäfte betreiben. Dieses Konzept gibt es in dieser Form in Europa noch nicht, normalerweise werden Outlet-Center außerhalb von Städten in Gewerbegebieten gebaut, das ist billiger. Lediglich in Metzingen ist das Outlet-Center bis in die Innenstadt hinein gewachsen. Münstereifel ist ansonsten die einzige Stadt, die ihre historische Kulisse samt Burg und Fluss einem Outlet schenkt.

2. Die Marken

Um die Marken, die im Münstereifeler Outlet angeboten werden, ist lange ein Geheimnis gemacht worden, so ist es üblich in der Branche. Noch immer sind nicht alle Firmen bekanntgegeben, die Läden im Outlet betreiben werden, doch unter denen, die am 14. August oder zu einem späteren Zeitpunkt öffnen, sind die Folgenden: Bugatti, Camel Active, Esprit, Gaastra, Garcia Jeans, Ice Watch, Laura Ashley Home, Lego Wear, Lindt Chocolate Shop, Luis Trenker, Marc O‘Polo Junior, McGregor, Puma, Robert Ley, Salamander, Sterntaler, Street One, Tom Tailor, Vero Moda, Wellensteyn, Zero und Zucchi. Außerdem gibt es einige Restaurants, die zum Outlet gehören, und andere, die nicht zum Outlet gehören.

3. Die Bauphase

Ein Hauptproblem des Outlets war, dass sich fast alle Läden in Häusern in der denkmalgeschützten Innenstadt Münstereifels befinden. Die Raumplanung ist nicht flexibel, Deckenhöhen sind vorgegeben, Anbauten oder Abrisse sind nicht möglich – und im Übrigen ist so gut wie jede Planung mit der Denkmalbehörde abzustimmen. So charmant die Altstadt auch sein mag, so sehr ist sie auch ein Alptraum für die Planer. Bei Outlet-Centern, die auf der grünen Wiese geplant werden, ist es einfacher: Interessierte Firmen brauchen sich nur die Pläne anzusehen, um zu entscheiden, ob das Outlet-Center für sie interessant ist oder nicht. Nach Münstereifel hingegen mussten alle interessierten Firmen Vertreter schicken, weil die Gebäude nicht standardisiert sind.

Weitere Läden sind in einem Neubau am südlichen Ende der Altstadt vor dem Orchheimer Tor angesiedelt. Die Investitionen der drei Initiatoren sollen 40 bis 50 Millionen Euro betragen haben.

4. Die Kritik

Wo Outlets entstehen, haben sie überall Gegner, das war auch in Bad Münstereifel so. In seinem gerade erschienenen Buch „Factory Outlet Center. Ein neuer Angriff auf die City“ übt der Architekt und Stadtplaner Walter Brune deutliche Kritik an den neuen Einkaufszentren, weil sie eine verheerende Wirkung auf die Innenstädte hätten. Händler in Outlet-Centern könnten bei massenhaftem Warenumsatz mit einer deutlich geringeren Gewinnmarge als ein Laden in der Innenstadt kalkulieren, was sich auf den Preis auswirke, schreibt Brune. Ebenso wie die günstigere Miete und der geringere Personaleinsatz. Der Gewinner, heißt es in dem Buch, sei am Ende immer der Investor – und nie die Stadt.

In Bad Münstereifel richtete sich die Kritik vor allem gegen die drei Investoren, die eigener Auskunft nach in Bad Münstereifel leben, aber nicht dorther kommen. Sie kauften die Häuser in der Innenstadt geräuschlos, ohne dass sie jemanden in ihre Pläne einweihten. Als dann durchsickerte, dass ein Outlet in der Altstadt geplant werde, gaben die Investoren immer nur so viel bekannt, wie sie mussten. Mehrfach wurde die Eröffnung des Outlets still und leise verschoben, in der Bevölkerung machte sich Verunsicherung breit. Thomas Reichenauer, dessen Firma ROS das Outlet im Auftrag der Investoren betreibt, sagt rückblickend, dass diese Art der Kommunikation „ein Fehler“ war.

5. Der Bürgermeister

Eine besonders unglückliche Rolle spielte Bürgermeister Alexander Büttner (CDU), der öffentlich manchmal den Eindruck hinterließ, sich in der Hoffnung auf dringend benötigte Gewerbesteuereinnahmen den Investoren widerspruchslos auszuliefern. Zweifeln oder Kritik an den Outlet-Plänen hielt er öffentlich nur selten Argumente entgegen, öfters aber die Behauptung, das Outlet sei „eine Jahrhundertchance“. Was Politiker halt so sagen, wenn sie nicht diskutieren können oder wollen.

6. Die Erwartungen

Über die Umsatzvorstellungen schweigen sich die Investoren aus. Nach Aussage des Betreibers, der Firma ROS, sollen etwa 200 Arbeitsplätze entstehen und eine Million Kunden jährlich Münstereifel besuchen. Zusätzlich zu den eine Million Touristen, die nach Angaben der Stadt ohnehin jährlich kommen. Innerhalb Europas kalkulieren Outlet-Betreiber mit 20 bis 70 Euro, die jeder Kunde pro Besuch in den Geschäften ausgibt. Der Umsatz pro Kunde richtet sich nach Größe und Lage des Outlets.

Die Stadt Bad Münstereifel ist zunächst einmal froh, dass die Leerstände in der Altstadt endlich beseitigt sind. Das regionale Handwerk habe sehr von Neubau-, Umbau- und Renovierungsaufträgen im Zusammenhang mit der Entstehung des Outlets profitiert, sagt Stadtsprecherin Marita Hochgürtel. Und natürlich hofft die verschuldete Stadt auf Gewerbesteuereinnahmen.

7. Heino

Ein kleineres Drama war der Umzug des Schlagerbarden Heino, der in Münstereifel lebt und ein Café betreibt. Das Café lag in der Altstadt und war so etwas wie die Hauptattraktion, scharenweise Bustouristen bewunderten tagein, tagaus Heinos goldene Schallplatten, die in dem Café ausgestellt waren wie in einem Museum.

Doch dann verkaufte der Eigentümer des Hauses, in dem Heinos Café war, die Immobilie an die Outlet-Investoren. Trotz zahlreicher Proteste und einem beleidigten Heino und einer noch beleidigteren Hannelore, die mit Heino verheiratet ist, wechselte das Haus den Besitzer. Heino zog mit seinem Café raus aus der Altstadt und hoch ins Kurhaus, dort ist jetzt sein Café. Mittlerweile haben sich Stadt und Sänger wieder versöhnt.

8. Die Eröffnung

Am Donnerstag nun wird das Outlet nach langen Verzögerungen und trotz allem eröffnet, und zwar um 11 Uhr am Orchheimer Tor. Auch Heino wird dabei sein. Das Monschauer Model Rebecca Mir moderiert und wird danach mit ihrem Verlobten, dem Tänzer Massimo Sinato, „ausgiebig in Bad Münstereifel shoppen gehen“, so steht es im Programm. Außerdem ist die Rede von Eröffnungsangeboten und Überraschungen. Und um 19 Uhr gibt Heino ein Konzert auf dem Klosterplatz. Eintritt frei.

9. Die Öffnungszeiten

Das Outlet ist ab 14. August montags bis samstags zwischen 10 und 19 Uhr geöffnet. Einige verkaufsoffene Sonntag stehen schon fest: 17. August, 24. August, 5. Oktober und 30. November. Dann sind die Läden des Outlets zwischen 12.30 und 17.30 Uhr geöffnet.

10. Die Zukunft

Thomas Reichenauer, dessen Firma ROS das Outlet im Auftrag der Investoren betreibt, sagt, dass man in jedem Outlet ein gewisses Maß an Fluktuation oder Erweiterung braucht. Durch immer neue Marken, die präsentiert werden, soll der Anreiz hoch gehalten werden, das Outlet zu besuchen. Ähnlich wie in einem Freizeitpark, der regelmäßig neue Attraktionen braucht, um die Besucher zum Wiederkommen zu animieren.

Ob das Münstereifeler Outlet weiter wachsen wird? „Jetzt eröffnen wir es erst mal“, sagt Reichenauer, „dann sehen wir weiter.“

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