Ein Vermögen, das es nie gegeben hat

Von: Marlon Gego
Letzte Aktualisierung:
15167634.jpg
Drei Betrugsfälle, die drei Ehepaare aus Jülich, Langerwehe und Sachsen 122.000 Euro kosteten: Angeklagt sind Illongo L. (33),... Foto: Ralf Roeger
15168527.jpg
... Eric E. (43) und ... Foto: Ralf Roeger
15167636.jpg
... Alberto W. (36) aus Kamerun. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Jürgen Beneking gehört bestimmt nicht zu den Menschen, denen früh die Geduld ausgeht, das wäre auch schlecht, denn unter anderem bezahlt der Staat ihn dafür, im richtigen Moment eben auch mal Geduld zu haben. Also presste Beneking am Freitagmorgen bloß kurz die Lippen aufeinander, schaute flehentlich zur Decke, lehnte sich in seinem Stuhl zurück und sagte geduldig: „Herr Verteidiger, Sie haben das Wort.“

Beneking ist Vorsitzender Richter am Aachener Landgericht, und in der Tat ist seine Geduld in den vergangenen Wochen mehrfach auf die Probe gestellt worden. Im Prozess gegen drei mutmaßliche Diebe und Betrüger aus Kamerun, die drei Ehepaare aus Jülich, Langerwehe und Sachsen mit großem Ideenreichtum und ebenso großer Empathielosigkeit um insgesamt etwa 122.000 Euro gebracht haben sollen, läuft nichts, wie es soll, und auch am Freitag war es den Verteidigern der Angeklagten offenbar kein vordringliches Anliegen, Benekings Nerven zu schonen.

Das gebleichte Geld

Ein erster Prozess gegen die im November 2016 in Langerwehe festgenommenen Angeklagten hatte bereits im Mai begonnen, das Urteil hätte im Juni fallen sollen. Dieser Prozess stand schon kurz vor dem Ende, da fiel es einem der beiden Laienrichter (Schöffen) ein, einer am Verfahren beteiligten Rechtsanwältin etwas allzu auffällig nachzustellen. Der Prozess platzte wegen des ungebührlichen Verhalten des Schöffens – und begann diese Woche von vorn, mit anderen Schöffen: wieder Anklageverlesung, wieder Zeugenvernehmungen, wieder die üblichen Scharmützel mit den Rechtsanwälten. Rechtsstaatlichkeit kann anstrengend sein.

Alle drei Ehepaare hatten sich zwischen Februar und November 2016 mit derselben Betrugsmethode täuschen lassen (siehe Ausgabe vom 23. Mai 2017, „Rocco, Cindy und die versprochenen Millionen“): Alle drei hatten Inserate im Internet aufgegeben, alle drei wollten eine Immobilie verkaufen. Auf alle drei Inserate meldete sich ein angeblich in Afghanistan stationierter vermeintlicher US-Elitesoldat, der angab, die jeweilige Immobilie kaufen zu wollen.

Man schrieb sich E-Mails, telefonierte, das Vertrauen wuchs, und schließlich offenbarte der angebliche US-Soldat, dass er im Rahmen einer militärischen Operation in Afghanistan 10,2 Millionen Euro bei der Taliban sichergestellt habe, die er nun nach Deutschland überführen wolle. Alle drei Ehepaare hatten sich gegen ein Provisionsversprechen in Höhe von 20 Prozent, also 2,04 Millionen Euro, bereit erklärt, dem Soldaten zu helfen.

Der US-Soldat gab vor, das Geld zu verschicken, in allen drei Fällen gab es Probleme, die die drei Ehepaare nur mit vorgestrecktem Geld lösen konnten. Irgendwann erreichte zwei Ehepaare ein Koffer voller weißer Scheine, die Betrüger taten überrascht. Erklärten aber, die Farbe in einer aufwendigen und selbstverständlich teuren chemischen Prozedur wiederherstellen zu können. Irgendwann waren die Betrüger weg, das Geld der Ehepaare auch.

Ehepaar K. aus Sachsen verlor etwa 76.000 Euro, das Ehepaar O. aus Jülich etwa 37.000 Euro. Das Ehepaar Z. aus Langerwehe verlor 8120 Euro, bevor es die Polizei einschaltete. Den US-Soldaten gibt es gar nicht, die 10,2 Millionen Euro natürlich auch nicht. Und das Geld der Ehepaare ist „vermutlich in Afrika versickert“, wie einer der Ermittler gegenüber unserer Zeitung sagte.

Urteil am 11. September

Am Freitag nun scheiterte der Versuch der Anwälte, auch diesen neuen Prozess gegen die drei Angeklagten platzen zu lassen. Richter Beneking wies eine Besetzungsrüge seiner Kammer als unbegründet zurück. Danach versuchten die Anwälte allen Ernstes, Bewährungsstrafen für ihre teils einschlägig vorbestraften Mandanten auszuhandeln. Doch Staatsanwältin Sonja Murariu ließ sich auf nichts ein. Am Montag beginnt die Zeugenvernehmung, am 11. September soll das Urteil fallen. Wenn alles läuft, wie Beneking geplant hat.

Leserkommentare

Leserkommentare (4)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert