Aachen - Ein Verleger, auf den man sich verlassen konnte: Karlheinz Schmitz ist tot

Ein Verleger, auf den man sich verlassen konnte: Karlheinz Schmitz ist tot

Von: Bernd Mathieu
Letzte Aktualisierung:
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Die Zeitung war sein Lebenswerk: Der langjährige Verleger von Aachener Volkszeitung und Aachener Zeitung, Karlheinz Schmitz, ist im Alter von 82 Jahren gestorben.

Aachen. Sein Tod ist ein großer Verlust für den Zeitungsverlag Aachen, die Stadt und die gesamte Region, natürlich vor allem für seine Familie. Unser langjähriger Verleger, Geschäftsführer und Vorsitzender des Beirats, Karlheinz Schmitz, ist am vergangenen Freitag gestorben. Er wurde 82 Jahre alt.

Eine große Persönlichkeit schafft nachhaltige und prägende Werte. Der Aufbau der Aachener Volkszeitung nach dem Zweiten Weltkrieg, die erfolgreiche, geradezu rasante Entwicklung des Zeitungsverlages Aachen und auch der Aufbruch in neue Zeiten mit dem Wandel von der Aachener Volkszeitung (AVZ) zur Aachener Zeitung (AZ) tragen seine Handschrift, sie sind sein Lebenswerk.

Das sagt sehr viel über seine enorme Bedeutung für diesen Verlag, dieses Medienhaus und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Er selber hätte das nie so formuliert, seine Persönlichkeit war gezeichnet von Zurückhaltung und Bescheidenheit.

Kurze Entscheidungswege

Karlheinz Schmitz war ein Verleger, der die kurzen Entscheidungswege liebte. Das offene Gespräch. Man konnte sich auf ihn verlassen. Sein Wort galt viel. Jeder schriftliche Vertrag war eigentlich überflüssig. Sein Handschlag garantierte und sagte alles.

Er hatte nicht gerne mit umständlichen Wortakrobaten zu tun. Läppische Inszenierungen der Oberflächlichkeit waren seine Sache nicht. Er war stets ein Verleger, so lautet meine ganz persönliche Bilanz nach vielen Jahren enger Zusammenarbeit, der eine Tageszeitung nie als eine Art Versuchslabor, sondern schlicht und einfach als täglich erscheinende seriöse Zusammenfassung relevanter Nachrichten und Analysen empfand. Das war auch seine berechtigte Erwartung an seine Redaktion. Eine Regionalzeitung wollte er nie als Forum für Eliten und Honoratioren, sondern für möglichst viele „normale” Menschen im Verbreitungsgebiet zwischen Erkelenz und Monschau, Aachen und Düren verstanden wissen.

Er legte großen Wert auf Orientierung für den Abonnenten statt auf der in manchen Medien im Laufe der Zeit so beliebt gewordenen Übertreibung oder sogar Skandalisierung. Der Begriff von der Sorgfaltspflicht der Presse stand bei ihm im Mittelpunkt. Und das war richtig und wichtig so - ein Leitmotiv, das von zeitloser Gültigkeit ist und auf präzise Art den Qualitätsstandard einer Zeitung definiert.

Persönliche Eitelkeiten waren ihm fremd, ein Gräuel. Zu oft ist er in seinem Leben mit der rauen Wirklichkeit konfrontiert werden. Das Ende des Zweiten Weltkrieges erlebte der im Juni 1928 geborene Karlheinz Schmitz als viel zu junger Flakhelfer. Und packte nach Kriegsende sofort mit an: Gemeinsam mit einem Monteur und einem Schriftsetzer rettete er die alte Rotation des „Volksfreund” aus den Trümmern. Solche Erfahrungen haben ihn stark beeinflusst, und das hat er manchmal so erzählt. Dieser Teil seiner Biografie erklärt auch seine Entscheidungsfreude, seinen Mut, seine Kompetenz und natürlich seinen ungeheuren Fleiß.

Karlheinz Schmitz erlernte das Druckereihandwerk, machte die Gesellenprüfung und besuchte die renommierten Kölner Werkschulen. 1954 bestand er vor der Industrie- und Handelskammer Köln die Meisterprüfung, am 1. Februar 1956 trat er nach seiner Tätigkeit in der Druckerei und Verlagsgesellschaft Brimberg in den damaligen Zeitungsverlag ein. Nach dem Tod seines Vaters übernahm er 1960 schon früh die Aufgaben des Verlagsleiters. Von 1964 bis 1994 hat Karlheinz Schmitz als geschäftsführender Gesellschafter die Entwicklung der Aachener Verlagsgesellschaft (AVG) zum führenden Medienunternehmen der Region Aachen maßgeblich gestaltet. Bis 2002 war er Vorsitzender des Beirates der AVG, der Herausgeberin der Aachener Zeitung und ihrer Lokalausgaben.

Verantwortung für andere

Wer etwas unternimmt, trägt Verantwortung für andere: für Mitarbeiter, für Kunden, für Stadt und Region. Zeitungen müssen sich vor diesem Hintergrund immer wieder Gefahren und Risiken stellen. Mal war es die Konkurrenz des Fernsehens, mal waren es die privaten Rundfunksender, dann das Internet. Zeitung sah er nicht zuletzt als einen Gegenentwurf zur schnellen Art der elektronischen Informationsgesellschaft - mit Verbindlichkeit und persönlicher Nähe. Begleitet wurde diese wesentliche Philosophie stets von verantwortlichem Umgang mit finanziellen Ressourcen, was sich in wirtschaftlich schwierigen Zeiten bewährte.

Als die Aachener Volkszeitung gegründet wurde, war er 18 Jahre alt. In dieser Zeit bemühten sich die Gründer Josef Hofmann, Albert Maas und Johannes Ernst um die Lizenz und erhielten von der britischen Militärregierung die Zustimmung unter der Bedingung, dass sie einen seriösen und kompetenten Verlagsfachmann präsentieren konnten, der nicht Mitglied der NSDAP gewesen war. Diese Beschreibung passte auf Jakob Schmitz, der in Krefeld das Verlagswesen erlernt und 1920 in Aachen bei der katholischen Tageszeitung „Der Volksfreund” begonnen hatte. Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der AVZ erinnerte sich Karlheinz Schmitz: „Da erreichte uns ein Umschlag mit dem Absender Secret Service. Mein Vater wurde ins Regierungsgebäude bestellt, und dort haben sie ihm dann gesagt, es sein kein anderer da, er müsse das jetzt machen.”

Eine Entscheidung, die das Leben von Karlheinz Schmitz nachhaltig beeinflussen sollte. Wichtige Stationen des Verlages hat er erlebt, gestaltet und entschieden. 1951 erfolgte der Umzug in das neue Verlagsgebäude an der Theaterstraße, 1957 wurde eine neue Rotation errichtet, 1977 erfolgte der Umzug in das neue Verlagsgebäude an der Dresdener Straße. 1975 wurde dann mit den „Aachener Nachrichten” das „Aachener Modell” geboren und der Zeitungsverlag Aachen gegründet. „Wir sind praktisch aus dem Bauen nicht mehr herausgekommen”, sagte er einmal.

Karlheinz Schmitz: Er konnte freundlich und manchmal auch forsch sein, dabei immer wohlwollend und konstruktiv. Und vor allem stets so, wie es jederzeit sein sollte: kritisch-konstruktiv nach innen, solidarisch nach außen. Sehr viele werden ihn in guter Erinnerung behalten - seine Durchsetzungskraft, sein Engagement, seine Verantwortung, seine unverwechselbare Persönlichkeit.

Unser großes Mitgefühl gilt seiner Familie.
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