Aachen - Ein Verbrechen: ja, ein Verbrecher: nein

Ein Verbrechen: ja, ein Verbrecher: nein

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen. Der Alsdorfer, der seine Frau nach einem heftigen Streit erwürgt hat, muss für fünf Jahre in Haft. Das Aachener Schwurgericht unter Vorsitz von Richter Gerd Nohl ordnete die Tat am Montag als Totschlag in einem minderschweren Fall ein.

„Euer Vater hat große Schuld auf sich geladen”, zitierte Nohl aus dem bereits geschriebenen Abschiedsbrief des Journalisten Sung-Bong H. (64) an seine beiden Söhne. Der Koreaner hatte sich dann doch nicht umgebracht, stattdessen stellte er sich der Polizei. In der Nacht zum 30. Juni 2008 gegen 22.30 Uhr ereignete sich die Tat.

Kein Töten auf Verlangen

Deutlich machte Nohl, dass im Zusammenhang mit Tötungsdelikten der Begriff „minderschwer” eigentlich deplatziert sei - das Strafgesetzbuch allerdings formuliert es so. Das Gericht verneinte die von der Verteidigung in den Mittelpunkt gestellte Strafalternative „Töten auf Verlangen”. Der Vorsitzende skizzierte in der Urteilsbegründung die kulturellen Hintergründe der bereits 38 Jahre andauernden Ehe des koreanischen Paares, das zu Beginn der 80er Jahre nach Deutschland kam.

In den letzten Jahren habe sich die „dominante” Ehefrau (59) in immer tiefere Depressionen und Lebensängste verstrickt. Nach Landestradition versuchte der Ehemann alles, um seiner Frau ein schöneres Leben zu bereiten. Vergebens. Als sie dann den Plan fasste, für immer nach Korea zurückzugehen, begann sie, auch seine Sachen auszusortieren und selbst seine Verdienstorden wie die geliebten Bücher wegzuschmeißen.

Als er beichtete, alles Geld verspielt zu haben, beleidigte sie ihn ehrverletzend, es kam zum großen, tragischen Streit. Nohl zum Menschen H.: „Er hat ein Verbrechen begangen. Bei seiner Geschichte aber möchte ich ihn nicht als Verbrecher bezeichnen.”
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