Ein V-Mann lässt zwei Aachener Neonazis hochgehen

Von: Michael Klarmann
Letzte Aktualisierung:

Aachen/Berlin. Offenbar führen die Verfassungsschutzämter einen oder mehrere V-Leute in der regionalen Neonazi-Szene.

Der Berliner „Tagesspiegel” berichtet, dass zwei Neonazis aus Aachen, die Sprengkörper mit Glassplitter gebaut hatten und diese in Berlin zünden wollten, durch „rechtsextreme V-Leute” enttarnt worden seien. Die Ermittler hätten durch ihre Tipps weitere Straftaten verhindern können, beruft sich das Blatt auf nicht näher benannte Behördenquellen.

Das Landgericht Aachen hatte im Februar die beiden Aachener wegen der Vorbereitung von Explosionsverbrechen, Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und Volksverhetzung verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Falko W. und Daniel T. Sprengkörper gebaut hatten, die am 1. Mai 2010 in Berlin bei einem Neonazi-Aufmarsch möglicherweise gegen Polizisten und Gegendemonstranten eingesetzt werden sollten.

Beide waren zudem für Schmieraktionen verantwortlich und hatten Mitte 2010 unter anderem die Mauer des jüdischen Friedhofes in Aachen mit „Juden den Gashahn aufdrehen” beschmiert. W., lange Mitglied der „Kameradschaft Aachener Land” , hatte überdies im Mai 2010 zwei Molotow-Cocktails auf das linksalternative „Autonome Zentrum” in Aachen geworfen. Die zwei Männer waren zu jeweils zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden.

Laut „Tagesspiegel” haben V-Leute den „entscheidenden Hinweis bei den Ermittlungen” gegeben und im Vorfeld der Festnahmen im September 2010 die Namen der beiden ausgeplaudert. Beide Neonazis sollen auch nach Mai 2010 noch mit dem Bau von Sprengkörpern experimentiert haben.

Sicherheitskreise sagten dem „Tagesspiegel”, ohne die Festnahmen „hätte sich möglicherweise eine weitere Terrorgruppe neben dem ,Nationalsozialistischen Untergrund der drei Jenaer Neonazis gebildet.”
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