Ein Unfall, eine Leiche und viele Fragen

Von: Marlon Gego
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Der 35-jährige Beifahrer starb beim Zusammenstoß dieses Autos mit einem Lkw. Foto: Roeger

Aachen. Am frühen Nachmittag deutet nichts mehr auf die Katastrophe hin, die sich hier am frühen Morgen abgespielt hat. Kilometer 2,8 der Autobahn 44 Richtung Aachen, kurz hinter der belgischen Grenze, kurz vor der Brücke über den Grauenhofer Weg sieht wieder aus, wie die meisten Autobahnkilometer eben aussehen, grau, trist und weitestgehend unversehrt.

Die abgerissenen Teile des Autowracks sind abgeschleppt, der Lkw ist weitergefahren, und die Leiche des 35-jährigen Dimitri I. ist auf dem Weg zur Gerichtsmedizin nach Köln.

Man weiß noch nicht sehr viel darüber, was am letzten Tag im Leben von Dimitri I. passiert ist, im Moment lassen sich nur die letzten Augenblicke mit einiger Sicherheit rekonstruieren. I. war mit seinem Freund Alexander L., 35, im silbernen Audi A6 Kombi einer gemeinsamen Freundin aus Aachen-Brand auf dem Weg von Belgien nach Deutschland. Zeugenaussagen zufolge soll L. am Steuer des Autos gesessen haben, mit 1,8 Promille Alkohol im Blut, wie die Polizei später feststellen wird.

Beim Überholen eines Lkw fährt das Auto um ziemlich genau 5.05 Uhr unter den Lkw-Anhänger, die Beifahrerseite des Audi wird vollkommen zerstört. Teile des Autos bleiben am Lkw hängen und müssen später von Feuerwehrleuten losgeschnitten werden, so heftig war die Kollision. Der Lkw bremst und kommt etwa 150 Meter weiter zum Stehen. Der Audi hat so viel Schwung, dass er gegen die Leitplanke prallt, die die Autobahn in der Mitte teilt. Auf Höhe des Lkw-Cockpits bleibt dann auch das Auto stehen, mitten auf der A44.

Was ab dann passiert, ist nicht ganz klar. Nach Informationen unserer Zeitung sollen der Fahrer des Lastwagens und der Fahrer eines Autos mit belgischem Nummernschild unabhängig voneinander ausgesagt haben, Alexander L. habe den sterbenden oder schon toten Freund aus dem Autowrack herausgezerrt und neben die Fahrertür gelegt. Der Polizei sagt L. am Unfallort, sein toter Freund Dimitri habe das Auto gefahren. Als L. am frühen Nachmittag einigermaßen nüchtern und endlich vernehmungsfähig ist, wird er bei dieser Version bleiben.

Als Polizei und Feuerwehr an der Unfallstelle eintreffen, ist schnell klar, dass die Dinge möglicherweise anders liegen, als sie zunächst scheinen. L. behauptet, der Beifahrer gewesen zu sein, ist aber nur leicht verletzt. Der Audi ist entlang der Beifahrerseite bis zur Rückbank aufgerissen. Die Fahrerseite ist nahezu unversehrt, doch der angebliche Fahrer ist tot. Auch die Spurensuche kann zunächst keine Indizien für L.s Aussage finden.

Alexander L. wird festgenommen und ins Aachener Polizeipräsidium gebracht, vorerst wird wegen fahrlässiger Tötung ermittelt. Im Laufe des Dienstagvormittags will die Staatsanwaltschaft darüber entscheiden, ob sie einen Antrag auf Haftbefehl stellt, und wogegen genau sie ermitteln wird. Solange bleibt L., deutscher Staatsbürger osteuropäischer Herkunft, gemeldet in Ostbelgien, im Präsidium.

Dimitri I. hinterlässt eine Schwester. Die Polizei schickt Mitarbeiter der Opferhilfe zu ihr, um sie psychologisch zu betreuen, während I.s Leiche nach Köln gebracht wird.

Lange Staus bis nach Belgien rund um den Unfall auf der A 44

Um den Unfallhergang nachvollziehen zu können, gab die Polizei am Montag Fotos von der Unfallstelle in Auftrag. Diese im sogenannten Monobildverfahren erstellten Fotos erlauben in der Nachbearbeitung am Computer auch mit Hilfe von Brems- und anderen Spuren eine relativ präzise Rekonstruktion des Unfallablaufs. Deswegen blieb die A44 bis etwa 10.30 Uhr gesperrt, die Autos stauten sich auf bis zu fünf Kilometern Länge nach Belgien hinein.

Auch die Autobahnauffahrt Aachen-Süd wurde in Richtung Aachener Kreuz gesperrt, weswegen auch auf der Monschauer Straße und den in diese mündenden Straßen lange Staus in beiden Richtungen entstanden. Diese Sperrung wurde ebenfalls gegen 10.30 Uhr aufgehoben.
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