Ein Traum wird wahr: Öcher Jung tritt vor Eric Clapton auf

Von: Albrecht Peltzer
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Martin Haller auf Stippvisite in Aachen, wo er seine Schulzeit verbrachte. Der 23-jährige Musiker studiert derzeit an der Manneimer Pop-Akademie. Foto: Andreas Steindl Foto: Andreas Steindl
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Auf der Bühne in der Mannheimer SAP-Arena: Martin Haller (Mitte) und seine Kollegen Christoph Schnell (links) und Dominik Bornhorn begeisterten mit ihrem Auftritt. Foto: Uwe Anspach
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Nach Haller und Co. spielte Eric Clapton. Foto: Maxim Abrassimow

Region. Vielleicht ist es diese Geste, die das Eis bricht: Martin Haller schlägt die Hände vors Gesicht und sagt ins Mikrofon: „Ich kann es nicht glauben. Wahnsinn. Wir spielen vor Eric Clapton!“ Mannheim, SAP-Arena. Gut 12.000 Menschen drängen sich im weiten Rund.

Das einzige Konzert des britischen Superstars in Deutschland steht an, die Tickets gingen innerhalb weniger Stunden weg. Auch nach über 50 Jahren auf Tour ist der Ausnahmegitarrist immer noch absoluter Publikumsmagnet. „Gibt es eine Vorgruppe?“, wird vor dem Konzert gefragt. „Ja“, sagt ein Fan, der aus der Schweiz angereist ist. „Hattler oder so.“

Nein, es ist nicht der deutsche Bassist Helmut Hattler (unter anderem bekannt von der Formation Kraan), es ist die Gruppe Haller, die den Support für Clapton machen wird. „Haller? Nie gehört“, ist die achselzuckende Reaktion der meisten. Vorgruppe vor Clapton – das kann ganz schön in die Hose gehen. Das wissen die Fans.

Und dann? Dann räumt dieser 23-jährige Gitarrist und Sänger mit seinen Mitstreitern Christoph Schnell (Schlagzeug) und Dominik Bornhorn (Bass) dermaßen ab! Weil die drei Jungs mit ihrer sympathisch-schüchternen Art, mit ihrer so spürbaren Begeisterung die Herzen der eingefleischtesten Clapton-Fans im sprichwörtlichen Sturm erobern. Nach gut 20 Minuten sagt Martin Haller ins Mikrofon: „Wir hoffen, wir haben Euch die Wartezeit auf den großen Eric Clapton etwas verkürzt.“ Es hat schon weitaus berühmtere Vorgruppen gegeben, die weniger Applaus erhielten. Haller kommt an, und wie!

Einige Wochen später. Martin Haller sitzt in Aachen auf der Katschhof-Treppe hinter dem Aachener Rathaus, schaut über den Katschhof Richtung Domsingschule, wo er die Grundschulzeit verbracht hat, bevor er zum Couven-Gymnasium wechselte und sein Abi baute. Ne Öcher Jong, auf Stippvisite in der Heimatstadt, wie er sie immer noch nennt.

Und dann erzählt er. Von diesem Abend, von den Tagen davor und denen danach. Können Träume in Erfüllung gehen? Ein Klischee, sicher. Aber es gibt diese Träume, die dann doch wahr werden. „Etwa vier Tage vor dem Konzert bin ich von meiner Managerin Leandra Preissler gefragt worden, ob ich Zeit hätte, Support Act zu sein“, erinnert sich Haller. Für wen, wurde noch nicht verraten.

Haller wirft den Rechner an und googelt. Wer spielt an diesem Dienstagabend in Mannheim und Umgebung? „Als einziges größeres Konzert wurde immer nur Clapton angegeben.“ Die Nerven beginnen zu flattern. Zwei Tage später dann die Gewissheit. Der örtliche Veranstalter hat bei der Mannheimer Pop-Akademie, an der Haller und seine beiden Bandmitglieder studieren, angefragt, wer denn verfügbar sei. Und die Wahl fiel auf Haller. Ein Sechser im Lotto, vielleicht.

„Wir haben geprobt wie bekloppt“, so Haller. Man will sich ja nicht blamieren. Und man ist aufgeregt. Total. Die Nervosität legt sich ein wenig, als das Trio zur SAP-Arena kommt. Alle waren „super nett“, erzählt Martin Haller. Professionell geht man auch mit dem musikalischen Nachwuchs um. „Das Catering war das beste, was wir bisher hatten“, erinnert sich Haller, der sich das Namensschild, das an „seiner“ Garderobe hing, als Souvenir gesichert hat. Ebenso die „Running Order“ des Abends, den Ablaufplan. „20 Uhr Haller, 21 Uhr Eric Clapton“, steht da schwarz auf weiß. „Liest sich nicht schlecht, oder?“ Wer will da widersprechen?

Wie wird es sein, wenn ein 23-jähriger Nachwuchsmusiker auf den Weltstar trifft? Trifft er überhaupt auf ihn? Oder wird Eric Clapton abgeschottet? „Ich hab’ sicherheitshalber einen Edding eingesteckt“, erzählt Martin Haller. Von wegen Autogramm und so.

Als Martin Haller den Backstagebereich betritt, sitzt Eric Clapton mit seiner Band fernsehguckend an einem Tisch. Ganz entspannt. Haller sagt sich: Jetzt oder nie – und spricht den 69-Jährigen an, fragt, ob er ihm die Gitarre signieren würde. „Clapton war total freundlich“, erinnert sich Martin Haller, „hat gefragt, wie es uns gehe und ob wir nervös seien.“ Und dann signiert er Hallers Stratocaster – ein Geschenk des Vaters – und wünscht viel Glück. „Wahnsinn“, sagt Haller nur. Und strahlt auch Wochen später noch so ansteckend, dass man als Gegenüber glaubt, die Begeisterung greifen zu können.

Natürlich ist „Haller spielt vor Clapton“ im Freundes- und Kommilitonenkreis das Thema. Lange Zeit. „Da bleibt viel hängen“, sagt der Wahl-Mannheimer. Aber natürlich ist der Alltag auch schnell wieder da. Das Studium fordert seine Zeit – der Bachelor im Bereich „Singer/Songwriter“ ist für 2015 geplant. Und vor allem beschäftigen ihn die vielen musikalischen Projekte, in die er involviert ist. Eine Tournee mit der Sängerin Mine zum Beispiel – 30 Konzerte in ganz Deutschland – steht an. Da ist Haller „nur“ der Gitarrist in der Band, nicht Frontmann. Aber: „Eine sehr reizvolle Perspektive“, sagt er. „Es macht auch Spaß, sich zurückzunehmen.“

Was er in Sachen Haller nicht tun wird. Es wird derzeit intensiv getextet und komponiert für die erste CD der Band. Das Trio ist und bleibt das „Herzstück“ seines musikalischen Schaffens. „Ich erzähle meine Geschichten, singe über mein Leben – mehr kann und will ich nicht tun.“

Doch vielleicht das: Die Begeisterung für Musik weitertragen. Zum Beispiel als Lehrer an einer Musikschule bei Mannheim. Mehr als ein Job zum Broterwerb. Junge Talente zu fördern, macht Haller Spaß. So wie er es selbst erlebt hat. Damals, als Siebenjähriger in Aachen, als er beim Gitarristen Klaus Dalluhn die ersten Akkorde lernte. Damals nicht wissend, wohin ihn die Begeisterung für sechs Saiten einmal bringen würde.

Neulich fragte jemand den 23-Jährigen, wie er selbst seinen Musikstil bezeichnen würde. Haller überlegt nur kurz: „Ich klinge wie ein deutscher John Mayer, sagen manche. Poppig, mit Blues und Bluesrock garniert.“ Aber das sei vielleicht ein wenig vermessen. Ist es das wirklich? John Mayer – mittlerweile selbst ein Mega-Star – sollte Haller vielleicht als Support engagieren. Dann wäre ein Urteil möglich. Wer das Trio als Claptons Vorgruppe erleben durfte, ist sicher, dass auch der Amerikaner Mayer einen perfekten Support hätte.

Martin Haller steht auf, lässt den Blick noch einmal über den Katschhof schweifen. „Ist schon ’ne tolle Stadt“, meint er. „Das merkt man manchmal erst, wenn man mal längere Zeit weg war. Ich komme immer wieder gerne zurück!“ Ein Öcher durch und durch auf dem Weg in die Musikwelt. Ein Könner, sympathisch. Man wird noch mehr von ihm hören.

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