Ein Schloss, das keines mehr ist

Von: Claudia Schweda
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An dieser Stelle wütete vor 21 Jahren ein Feuer: Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW kaufte Schloss Kellenberg in Jülich-Barmen 2009 für zwei Millionen Euro. Mit diesem Vorgang beschäftigt sich ein Landtags-Untersuchungsausschuss, der sich am Freitag vor Ort umsah. Foto: Harald Krömer

Jülich. Es riecht muffig im Schloss Kellenberg in Jülich-Barmen. Der Boden ist übersät mit abgebröckeltem Deckenputz. Spinnen verrichten seit Jahren ungestört ihr Werk. Kabel hängen von der Wand. Der Euskirchener CDU-Landtagsabgeordnete Klaus Voussem tritt von einem wild bewachsenen Acker – dem früheren Garten – auf verdreckte belgische Blausteinfliesen und abgewetztes Eichenparkett.

„Ein Schloss ist nicht immer ein Schloss“, murmelt Voussem mehr zu sich selbst. Er ist Mitglied des zweiten Parlamentarischen Untersuchungsausschusses, der den zahlreichen Verdachtsfällen auf Korruption beim landeseigenen Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) auf den Grund gehen soll.

Am Freitag haben die Mitglieder des Ausschusses Baustellen und Gebäude in NRW bereist, die in Rede stehen, zu teuer gekauft oder gebaut worden zu sein. Schloss Kellenberg ist Punkt 1 der Tagesordnung. Später folgen noch das NRW-Landesarchiv in Duisburg und das Vodafone-Hochhaus in Düsseldorf.

In Barmen erwarb der BLB 2009 das 17 Jahre zuvor in weiten Teilen ausgebrannte Wasserschloss für zwei Millionen Euro. Ein Preis, den der Landesrechnungshof NRW 2011 als „nicht gerechtfertigt“ bezeichnete. Das Objekt habe „angesichts des erheblichen Sanierungsaufwandes“ allenfalls symbolischen Wert. Dazu kamen weitere Grundstücke im Umfeld des Schlosses etwa für Parkplätze, die laut Rechnungshof eine Million über Wert „ohne ein Wertgutachten einzuholen“ für 1,1 Millionen Euro gekauft wurden.

Der Sanierungsbedarf ist wahrlich unübersehbar. Vor allem im Hauptschloss, das vom Brand betroffen war. Das bestreitet selbst der BLB nicht. Joachim Siebert aus der Düsseldorfer Zentrale des BLB führt an diesem sonnigen Maitag den Untersuchungsausschuss durchs Schloss. Ein „überarbeitungsbedürftiges altes Gemäuer“ sei das. Die Feuchtigkeit in dem Gemäuer, in dem das Grundwasser bis 50 Zentimeter unter dem Erdgeschoss steht, sei „problematisch“.

In den früheren Stallungen und dem vom Brand gezeichneten Hauptschloss müsse man „Geld in die Hand nehmen“. Zu seinen Lebzeiten habe der Graf von und zu Hoensbroech nach dem Brand eine „Rohbausituation“ wieder hergestellt. Damit meint Siebert, dass „die Grundsubstanz trägt“, das Dachtragewerk erneuert wurde und in der oberen der betroffenen Etagen rohe Fußbodenbalken liegen. Doch in der ersten Etage drohen ganze Balken, tief verkohlt, von der Decke zu fallen.

Der Nordostflügel ist – bis auf das Schimmelproblem – in besserem Zustand. Dort findet sich die Kapelle im 1. Obergeschoss des Turmgevierts, die nach Sieberts Angaben bis vor kurzem noch von der Gräfin genutzt wurde. Es sei „konzeptionell denkbar“, sagt Siebert, diesen Raum für Hochzeiten zu nutzen. Eine Etage tiefer geht er im früheren Empfangszimmer, „das als Seminarraum denkbar wäre“, um Dutzende Geweihe auf dem Boden herum – während die Staatsanwaltschaft ermittelt, darf nichts an den Räumen verändert werden. Selbst die Asche im Kamin ist unberührt.

Die gräfliche Familie zog nach dem Brand in die Vorburg, die laut Siebert in einem „exzellenten Zustand“ ist. Inzwischen lebt dort die Gräfin allein auf vom BLB geschätzten 300 Quadratmetern. Im Kaufvertrag hat ihr der BLB lebenslanges Wohnrecht eingeräumt. Die Planungen sehen für diesen Bereich ein Restaurant vor.

„Warum?“, fragt Stefan Engstfeld (Grüne). Warum sei dieses Schloss für diese Summe gekauft worden – ohne Nutzungsidee? „Es erschließt sich nicht“, sagt er.

Das Schloss habe „eine gewisse Substanz“, sagt der BLB-Abgesandte. Daraus könne man etwas machen. Doch Detailfragen kann er nicht beantworten. „Ich bin in das Projekt nicht involviert gewesen.“ Dabei hätte es in der Düsseldorfer Zentrale jemanden gegeben, der jedes Detail der Planungen von damals gekannt hätte: der ehemalige Leiter der Aachener BLB-Niederlassung. Doch er ist Teil der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen in Sachen Schloss Kellenberg – ein nur bedingt geeigneter Gesprächspartner für einen Untersuchungsausschuss.

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