Ein Schlenker wegen brütender Braunkehlchen

Von: Christoph Classen Und Udo Kals
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Familienfreundlich soll die Ravel-Route Foto: Imago/Imagebroker

Eupen/Aachen. Es war schon eine wegweisende Entscheidung, das Projekt im Europasaal des Ministeriums der Deutschsprachigen Gemeinschaft (DG) Belgiens in Eupen vorzustellen. Schließlich soll es dazu führen, Grenzen wie selbstverständlich überqueren zu können. Mit dem Fahrrad.

Wenn alles wie geplant klappt, wird ein Wegenetz von rund 350 Kilometern Länge entstehen. Die sogenannten Ravel-Routen verlaufen über stillgelegte Bahntrassen: In nord-südlicher Richtung sollen ab 2012 die Räder über rund 130 Kilometer von Aachen über Monschau, Waimes und St. Vith bis ins luxemburgische Ulflingen rollen; die Ost-West-Achse soll das rheinland-pfälzische Jünkerath mit Trois-Ponts in Belgien verbinden.

Der Weg ist das Ziel, das gilt gerade für die DG. Sie koordiniert den Bau der Projekte. Und weil zwölf Partner aus drei Ländern beteiligt sind, ist das eine wahre Mammutaufgabe. Aber es gibt Fortschritte, und über die informierte die DG im Eupener Europasaal.

So sollen die insgesamt sechs Kilometer langen Netzlücken auf Aachener Gebiet ab 2011 geschlossen werden. Die Strecke führt über Walheim und Schmithof weiter Richtung Raeren, wo das Straßenbauministerium der Wallonie mit den Arbeiten ebenfalls 2011 beginnen möchte. Bereits in diesem Sommer möchte die Städteregion den 13 Kilometer langen Teilabschnitt zwischen Roetgen und Simmerath-Lam-mersdorf in Angriff nehmen, derzeit werden die Gleise demontiert. 2011 soll der Abschnitt von Lammersdorf bis Kalterherberg folgen.

Ungeklärt ist indes noch eine wichtige Frage: Wie kann die viel befahrene Bundesstraße 258 bei Roetgen überquert und wie soll das finanziert werden? Derzeit läuft alles auf eine Brücke über die sogenannte Himmelsleiter hinaus. Das Problem: Die mit 300.000 bis 500000 Euro veranschlagte Brücke ist im genehmigten Förderantrag nicht enthalten. Denkbar wäre auch, die Vennbahntrasse für einen Schlenker zu verlassen und die B258 an geeigneterer Stelle zu queren. Auch wenn dadurch Qualitätseinbußen hinzunehmen seien. Denn eigentlich soll die Steigung auf dem gesamten Wegenetz zwei Prozent nicht übersteigen, damit die Radtour auch für Familien attraktiv bleibt.

Wann die Strecke zwischen Kalterherberg und Waimes realisiert werden kann, ist ebenfalls unklar. Ein Umweltgutachten weist auf zwölf Braunkehlchen-Brutpaare hin. Und wegen der Vögel wird der Radweg nicht so verlaufen wie vorgesehen.

Werkeln an der Alternative

Derzeit werde an einer Alternativstrecke abseits der alten Vennbahntrasse gewerkelt, sagt DG-Tourismusministerin Isabelle Weykmans. Die Strecke von Waimes Richtung Oudler ist dagegen bereits fertig, mit den Bauarbeiten für den letzten Abschnitt nach Troisvierges soll 2011 begonnen werden.

Der erste Teil der Ost-West-Achse von Trois-Ponts über Malmedy nach Waimes ist voraussichtlich ab Ende Juni befahrbar. Der Rest der Strecke, der von Weywert über Bütgenbach nach Jünkerath führt, soll noch 2010 gebaut werden.

Außer den Radwegen sind noch andere Baustellen zu bearbeiten. Eine einheitliche Beschilderung wird benötigt genau wie eine passgenaue Infrastruktur mit Unterstellplätzen, Rad-Werkstätten oder Informationstafeln. Das Ziel formuliert Sandra de Taeye vom Verkehrsamt der Ostkantone: „Was der Eifelsteig für Wanderer ist, soll diese Ravel-Route für Radler sein.”
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