Ein Randstück, reserviert für die Radler

Von: Christina Diels und Dennis Scherer
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Pionier bei der Arbeit: Ein Mitarbeiter der Straßenmeisterei in Köln trägt Fahrrad-Symbole auf dem neuen Schutzstreifen auf. Foto: Hanano

Köln. In Köln ist Roger Klein ein Pionier. Und für seine Pionierleistung braucht der Mann von der Straßenmeisterei etwas Plastik und einen Brenner. Mit dem trägt er das weiße Fahrrad-Symbol aus Kaltplastik auf den Asphalt der Pohlhofstraße auf. Die Landstraße im Kölner Nordwesten verbindet den Stadtteil Köln-Esch mit der Siedlung Orr, die zu Pulheim im Rhein-Erft-Kreis gehört.

Die Pionierarbeit ist Teil eines Projekts des Bundes, das es in Deutschland bislang nur selten gibt: Fahrradschutzstreifen auf einer Landstraße. Bisher gibt es die üblicherweise nur innerhalb von Ortschaften.

Versuchsstrecke in Euskirchen

„Lediglich im Bereich der Stadt Euskirchen wurde in den 90ern eine Versuchsstrecke mit Fahrradstreifen eingerichtet, die bis heute Bestand hat“, sagt Edgar Klein, Leiter der Regionalniederlassung Ville-Eifel des Landesbetriebs Straßen NRW. Auf dieser Landstraße sei die Verkehrsbelastung sehr gering. In den Kreisen Heinsberg, Düren und der Städteregion Aachen finden sich laut Klein keine vergleichbaren Markierungen.

Die Schutzstreifen sind eine Alternative zu Radwegen neben der Fahrbahn. Denn die sind auf wenig befahrenen Straßen oft nicht unbedingt notwendig, und manchmal nicht möglich, weil sich die Landbesitzer dagegen sträuben.

Auf der Pohlhof­straße im Kölner Nordwesten wurde dafür der Mittelstreifen entfernt. An beiden Seiten gibt es nun einen knapp 1,50 Meter breiten Streifen für Radfahrer. Die Fahrbahn zwischen den Streifen ist nur noch etwa drei Meter breit. Für Autofahrer sind die Randbereiche tabu. Wenn sich zwei Fahrzeuge entgegenkommen, darf der Schutzstreifen genutzt werden, aber Radler haben Vorfahrt. Und es gibt ein Tempolimit: Auf den vier Teststrecken in Köln wird die Höchstgeschwindigkeit auf 70 Stundenkilometer begrenzt, teils ist nur Tempo 50 erlaubt.

Ende der 90er Jahre hatte das Aachener Ingenieurbüro Kaulen im Auftrag des Landes NRW ein Forschungsprojekt aufgelegt zum Thema „Sicherung des Fahrradverkehrs außerorts durch Markierungslösungen“. „Anlass war der Kostenfaktor“, sagt Bauingenieur Matthias Heintjes. „Wenn man Markierungen aufträgt, ist das günstiger als ein baulicher Radweg.“ Sechs Referenzstrecken habe man seinerzeit eingerichtet und per Videoanalyse beobachtet.

„Herausgekommen ist, dass die Schutzstreifen außerorts funktionieren“, sagt Heintjes. Die kritische Grenze der Geschwindigkeit der Autos, ab der es für Radfahrer gefährlich wird, liege bei 100 Stundenkilometern. Tempo 70 sei vertretbar. Ursprünglich habe man mehr Strecken vorgesehen für die Markierungslösung. In der Region habe man am Ende verzichtet, weil die Straßenverkehrsordnung die Schutzstreifen nicht zulasse und teils auch aus Kostengründen.

Auch im Heinsberger Land findet man Schutzstreifen nur innerorts. „Wir haben außerorts so viele Radwege, da brauchen wir keine Angebotsstreifen“, sagt Rainer Gies, verantwortlich für das Gebiet beim Landesbetrieb Straßenbau.

In Köln wird derweil auf den Streifen außerorts bis Ende 2014 gezählt, gefilmt und befragt. Dann entscheidet sich, ob die Teststrecke eine Zukunft hat. „Ich glaube das Projekt wird erfolgreich sein“, sagt Jürgen Möllers, Fahrradbeauftragter der Stadt.

Auch Monika Volkmer, Vorsitzende vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub Aachen, kann dem Vorhaben etwas abgewinnen: „Radschutzstreifen auf Landstraßen können dem Radfahrer mehr Sicherheit geben, wenn sie breit genug sind, die Kraftfahrer genügend Seitenabstand halten und nicht zu schnell überholen.“ Aber sie warnt: „Sie können außerorts eigene, vernünftig angelegte Radwege niemals ersetzen. Sie sollten deshalb auch bei positiven Versuchsergebnissen immer nur dort markiert werden, wo man in den nächsten 25 Jahren keine separaten Radwege bauen kann.“

Das Pilotprojekt in Köln sieht auch Uwe Zink, Baudezernent der Städteregion Aachen, positiv. Vorausgesetzt, man beachte die Verkehrssicherheit der Radfahrer. „Sollten zukünftig Schutzstreifen außerorts über die Straßenverkehrsordnung zugelassen werden, könnte auf Außerortsstraßen, die die Voraussetzungen erfüllen, das Angebot für Radfahrer verbessert werden“, sagt Zink. Dann nämlich, wenn hier aus Platzgründen kein baulicher Radweg zu realisieren ist.

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