Ein neuer Name für die Gallwitz-Kaserne

Von: Christian Rein
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De Maiziere
Einblicke in die Arbeit der Technischen Schule Landsysteme und Fachschule des Heeres für Technik: Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) machte sich bei seinem Besuch in der Aachener Lützow-Kaserne ein Bild von den Arbeitsschwerpunkten. Foto: Harald Krömer

Aachen/Stolberg/Eschweiler. Die Verwandlung geht schnell: Thomas de Maizière (CDU) zieht einen Parka über den dunklen Anzug, und schon ist er ein Teil der Truppe – seiner Truppe, der Bundeswehr. Er hat das schon oft getan, vor allen Dingen bei seinen Besuchen in Afghanistan. Dann trägt er zur getönten Brille schusssichere Weste und Helm. Zur Sicherheit natürlich, aber ein bisschen vielleicht auch für die Fotografen.

Es ist gut für die Stimmung, wenn der Chef sich als Teil des Ganzen präsentiert. Und es ist gut für das Image. Das hat de Maizière von seinem Vorgänger Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) offensichtlich übernommen, so unterschiedlich die beiden sonst auch sind.

An diesem Tag in Aachen hat der Parka einen recht einfachen Zweck: Er soll vor dem Regen schützen und ein wenig wärmen. Tatsächlich zeigt der Sommer, der der Reise des Ministers seinen Titel verleiht, sich auf seine alten Tage nicht von der besten Seite. Es gibt keinen großen Bahnhof in der Technischen Schule des Heeres, obwohl es nicht sehr häufig vorkommt, dass ein Verteidigungsminister den hiesigen Standort besucht. Der letzte war Franz Josef Jung (CDU) im Jahr 2009.

Es mutet schon ein wenig merkwürdig an: In nicht einmal mehr zwei Wochen ist Bundestagswahl, und der Verteidigungsminister macht eine Sommerreise zu Bundeswehr-Standorten quer durch die Republik. Und es dürfte an anderen Orten nicht anders sein als in Aachen: Er schaut sich um, macht sich ein Bild von der Truppe, fachsimpelt hier und da, spricht über Notwendigkeiten und Bedürfnisse, als ob nichts wäre. Dabei könnte es auch de Maizières Abschiedstour sein. Denn wer weiß schon, was nach der Wahl ist?

Selbst wenn die CDU weiterregieren kann – mit wem auch immer –, ist de Maizières persönliche Zukunft völlig offen. Zuletzt ist er arg unter Beschuss geraten: zuerst das Desaster wegen des Scheiterns der „Euro Hawk“-Drohne inklusive Blitz-Untersuchungsausschuss des Bundestags, dann weitere Vorwürfe wegen der Anschaffung von Helikoptern. Der Ruf des 59-Jährigen, dem man vorher durchaus Kanzlerfähigkeit attestiert hatte, wurde schwer beschädigt. Er hätte also allen Grund, etwas gegen das ramponierte Bild zu tun. Stattdessen präsentiert er sich in der Lützow-Kaserne knurrig und spröde. Wahlkampf in eigener Sache sieht anders aus.

Nach einem kurzen Tête-à-tête mit Brigadegeneral Michael Hochwart, dem Kommandeur der Technischen Schule Landsysteme und Fachschule des Heeres für Technik, werden dem Minister zwei Einsatzbereiche vorgeführt. Ein Trupp der Gefechtsschadeninstandsetzung zeigt, wie man nach einem Angriff Personen aus einem gepanzerten Fahrzeug befreit. Die Scharniere der verklemmten Tür werden durchschnitten, Funken sprühen, die Flex macht einen Höllenlärm. De Maizière steht etwas abseits, er hat Lärmschutzkopfhörer auf. Die Tür wird mit einem Druckluft-Spreizer aufgebrochen. Dann endlich fällt sie heraus. Der Minister schüttelt den Soldaten die Hand. Er stellt ein paar nüchterne Fragen. Dann geht es weiter zur nächsten Station.

Wahlkampf wollen andere machen: Die Bundestagsabgeordneten Helmut Brandt (CDU), Petra Müller (FDP) und Bettina Herlitzius (Grüne) sind da und suchen die Nähe des Ministers. Sie treten alle in der Städteregion an. Aus der Stadt Aachen schaut lediglich Rudolf Henke vorbei, ist aber kurz nach der Begrüßung schon wieder weg. Dass die Abgeordneten aus dem Umland länger durchhalten, mag auch mit den Gerüchten um die Donnerberg-Kaserne in Eschweiler/Stolberg zu tun haben, einem von insgesamt vier Standorten, die zur Technischen Schule des Heeres in Aachen gehören. Ist der Standort gesichert? Der Minister hat „von den Gerüchten gehört“, kann aber beruhigen: Die Ausbildung im Bereich Landsysteme sei eine „Schlüsselfähigkeit“ sei, die das Heer brauche. Deshalb sei der Standort Aachen mit seinen vier Kasernen ungefährdet.

Mehr noch: In den vergangenen Jahren seien an der Technischen Schule bereits elf Millionen Euro investiert worden. In den kommenden Jahren sollen weitere 50 Millionen für Unterkünfte und Wirtschaftsgebäude folgen. Zwar werde auch das Stammpersonal von derzeit 1100 auf 750 Personen reduziert, was de Maizière aber angesichts von Personalkürzungen in einer Größenordnung von 40 Prozent im gesamten Logistikbereich als eine Reduzierung bezeichnet, „die durchaus vertretbar ist“.

Und dann gelingt dem Minister doch noch eine Überraschung: Die Gallwitz-Kaserne soll umbenannt werden. Wegen der „antijüdischen Gesinnung“ (de Maizière) von Namensgeber Max von Gallwitz (1852-1937) soll sie künftig den Namen des jüdischen Weltkriegssoldaten und gebürtigen Aacheners Dr. Leo Löwenstein (1879-1956) tragen. Die Namensänderung war aus der Technischen Schule des Heeres heraus selbst angestoßen worden. „Wir haben einen Namensgeber gesucht, der Bezug zur Stadt Aachen und auch zum Berufsfeld des Ingenieurs und Soldaten hat“, erklärt Standortleiter Hochwart. Entsprechend erfreut sei man über die Entscheidung des Ministers.

„Der Name einer Kaserne soll für die Soldaten Vorbild sein und nicht Problem“, sagt de Maizière noch. Dann verabschiedet er sich. Ob er den Parka beim Verlassen der Kaserne wieder ausgezogen hat, ist nicht überliefert.

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