Ein Netzwerk zur Stärkung des regionalen Bewusstseins

Von: Carolin Kruff
Letzte Aktualisierung:
6526262.jpg
„Keine festgefahrenen Strukturen“: Gerhard Curdes. Foto: M. Jaspers

Aachen. 2014 steht Aachen ganz im Zeichen von Kaiser Karl. Anlass ist der 1200. Todestag des Herrschers, der in Aachen gegen Ende des 8. Jahrhunderts seine bevorzugte Kaiserpfalz errichtete. Ausstellungen sind geplant, die Route Charlemagne soll fertiggestellt werden, Filme, Vorträge, Veröffentlichungen und sogar ein Musical setzen sich mit Leben und Wirken Karls des Großen auseinander. Aber hat Aachen, hat die gesamte Region nicht mehr in puncto Geschichte zu bieten?

Das 2011 gegründete „Geschichtsnetzwerk Euregio Maas-Rhein“ fasst die Geschichte weiter. Das Netzwerk ist eine Initiative, die von Mitgliedern des Arbeitskreises Denkmalpflege – namentlich von Lutz Henning Meyer, Gerhard Curdes, Helmut Falter, Dietmar Kottmann und dem Aachener Stadtarchäologen Andreas Schaub – ins Leben gerufen wurde. Sie soll zeigen, dass den Kulturraum an Rhein und Maas eine gemeinsame Geschichte verbindet, die es wieder zu entdecken und aufzuarbeiten gilt.

Das Netzwerk möchte deswegen das Regional- und Lokalbewusstsein stärken und dauerhaft eine gemeinsame Plattform für die euregionale Geschichte schaffen. Denn hinter dem Namen „Euregio Maas-Rhein“, so glauben die Initiatoren, verberge sich ein in Europa einzigartiger Kulturraum, der den Süden der niederländischen Provinz Limburg, die belgische Provinz Limburg, die Provinz Lüttich (Belgien), die Region Aachen (Deutschland) und die Deutschsprachige Gemeinschaft (Belgien) umfasst.

Jenseits Karls des Großen

2012 trat das Geschichtswerk Euregio Maas-Rhein im Haus der Städteregion Aachen zu seiner ersten Vollversammlung zusammen. Ziel war von Anfang an, einen lebendigen und konstruktiven Verbund zu gründen, an dem sich möglichst viele Menschen und Institutionen in der Euregio Maas-Rhein beteiligen, die sich mit geschichtlichen Themen befassen. Bei diesem ersten Treffen stand gerade nicht Kaiser Karl im Mittelpunkt, denn im Jahr 2014 stehen noch andere Jahrestage an: Der Ausbruch des 1. Weltkrieges jährt sich zum 100., der des 2. Weltkrieges zum 75. und die Befreiung Ostbelgiens und der Niederlande zum 70. Mal.

Um die geschichtliche Vielfalt der Region angemessen aufarbeiten zu können, setzt sich das Netzwerk aus den Arbeitsgruppen „Erster und Zweiter Weltkrieg“, „Baugeschichte“, und „Kohle-Textil-Verkehr“ zusammen. Weitere Arbeitsgruppen zu anderen Themen sind denkbar. Zudem wurde im Sommersemester 2013 am Historischen Institut der RWTH Aachen gemeinsam mit der Universität Maastricht das Hauptseminar „Neue Landsleute. Identitäten und nachbarschaftliche Beziehungen im Selfkant zwischen wechselnden Grenzen, 1949 und 1963“ angeboten. Zukünftig sind Internetplattformen, Ausstellungen, Vorträge, Tagungen und Fachveröffentlichungen geplant.

Bewusst kein Verein

Das Geschichtsnetzwerk wurde sehr bewusst nicht als Verein gegründet, auch ein fester Etat steht nicht zur Verfügung, die Mitglieder arbeiten ehrenamtlich. „Geschichte ist prozessual und genauso soll auch das Netzwerk sein. Es sollen keine festgefahrenen Strukturen entstehen. Das Netzwerk sieht sich als Ideengeber, das versucht, Dinge anzustoßen, Menschen und Kulturen zusammenzubringen“, sagt Gerhard Curdes.

Ohne die kulturelle Vielfalt vereinheitlichen zu wollen, sollen diese miteinander in den Dialog treten, da geschichtliche Ereignisse oft unterschiedlich wahrgenommen werden. Denn: „Kulturen bestehen nach wie vor nebeneinander, man weiß wenig von seinen Nachbarn in den Niederlanden oder in Belgien“, sagt Curdes. Dabei sei doch gerade dieser Austausch der Kulturen und das Zusammenbringen verschiedener Mentalitäten wichtig, um die Geschichte der Region begreifen und erschließen zu können. Im „Centre Charlemagne“ in Aachen könnte künftig in Form einer Geschichtswerkstatt ein Bündelungspunkt für solche Aktivitäten entstehen.

Wer sich für die Mitarbeit im „Geschichtsnetzwerk Euregio Maas-Rhein“ interessiert, kann per E-Mail Kontakt aufnehmen: geschichtsnetzwerk-emr@is-ol.de

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert