Düsseldorf - Ein Leben mit dem Riesenrad

Ein Leben mit dem Riesenrad

Von: ddp-nrw
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Riesenrad
Das Riesenrad und die Düsseldorfer Kirmes sind mit Willi Bruchs Leben untrennbar verbunden. Foto: ddp

Düsseldorf. Das Riesenrad und die Düsseldorfer Kirmes sind mit Willi Bruchs Leben untrennbar verbunden. In der Nachkriegszeit half der heute 71-Jährige seinem Vater jedes Jahr mehrmals beim Auf- und Abbau des damals noch zum größten Teil aus Holz bestehenden Fahrgestells.

Später übernahm der Sprössling der Düsseldorfer Schausteller-Familie selbst die Geschäfte, baute in den neunziger Jahren das charakteristisch gelb-grüne Modell „Bellevue” auf, das heute noch seine Kreise dreht. Obwohl längst sein Neffe das Geschäft führt, gelten Willi Bruchs Sorgen mit Kirmesbeginn seit Samstag wieder dem Stahlkoloss und vor allem dem Wetter.

Trockenes und warmes Wetter sei perfekt für hohe Besucherzahlen, sagt Willi Bruch: „Tödlich ist Dauerregen, aber auch zu große Hitze.” Das Wetter sei der wichtigste Faktor bei den Einnahmen, betont auch Neffe Oscar Bruch, der das Fahrgeschäft seit 1999 leitet. Einen Familienausflug würden sich die Leute stets leisten. „Es gibt für uns daher keine Wirtschaftskrise, sondern nur die Wetterkrise”, sagt er lachend. Bei Regen könnten an einem Tag bis zu 60 Prozent der Einnahmen wegbrechen.

Das Riesenradfahren sei ein „generationenübergreifendes Erlebnis” und damit ein zeitloses Geschäft, finden Onkel und Neffe. Trotz der technisch immer raffinierteren Falltürmen und Achterbahnen auf den Rummelplätzen sei eine Fahrt mit der Gondel nach wie vor gefragt. „Es ist das einzige Fahrgeschäft auf der Kirmes, wo vom Baby bis zum Greis alle mitfahren können”, argumentiert Oscar Bruch. 103 Jahre alt sei der älteste Gast auf ihrem Riesenrad gewesen.

Die Einnahmen seien dennoch in den vergangenen Jahren rückläufig gewesen, klagt der Riesenrad-Inhaber. Dabei fielen durch Transport und Montage des Fahrgestells immer höhere Kosten an. Gestiegene Standgebühren und Energiekosten belasten demnach das Schausteller-Unternehmen. „Wenn dann wegen Regens noch ein oder zwei Tage lang weniger Besucher kommen, wird es schon eng”, sagt Oscar Bruch.

Die Schausteller würden daher eine Verlängerung der acht Tage langen Düsseldorfer Kirmes auf zwei Wochen befürworten. „Bei gleichen Kosten hätten wir dann mehr Möglichkeit für Einnahmen”, erklärt Oscar Bruch. Durch die Zusammenlegung aller kleinen Volksfeste auf einen zentralen Düsseldorfer Kirmestermin könnte man sicherlich auch den lärmgeplagten Anwohnern am Oberkasseler Rheinufer entgegenkommen, ist er sich sicher.

Das erste Riesenrad der Familie wurde 1896 von Willis Großvater Emil Bruch zusammengebaut und war nur zwölf Meter hoch. „Das haben die noch selbst angekurbelt”, berichtet Willi Bruch. Der Handantrieb sei später durch einen Diesel-Motor und dann durch Elektroantrieb ersetzt worden. Die meisten Bauschritte des Riesenrads hat Willi Bruch selbst miterlebt und sorgfältig auf Fotos dokumentiert. Neben dem Antrieb sei mit den Jahren vor allem die Zahl der Gondeln gewachsen, sagt er und blickt auf das große Riesenrad, an dem heute 42 Gondeln angebracht sind. 252 Leute passen so auf eine Tour.

In den vergangenen Jahrzehnten habe sich das Publikum der Kirmes sehr verändert, findet der 71-Jährige. So spielten in den Bierzelten früher ausschließlich Blaskapellen, durch Discomusik werde heute ein anderes Publikum angesprochen. Trotz dieser Angebote für junge Menschen wirke sich die Überalterung der Gesellschaft mehr und mehr auf die Kirmes aus, sagt sein Neffe. Es sei daher wichtig, alle Altersklassen durch eine gezielte Auswahl von Fahrgeschäften und Angeboten zur Kirmes zu locken. „Die Bevölkerung muss sich mit ihrem Volksfest identifizieren”, betont Oscar Bruch.

Die Kirmes Düsseldorf

Die „größte Kirmes am Rhein” findet vom 18. Juli bis zum 26. Juli am Oberkasseler Rheinufer gegenüber der Düsseldorfer Altstadt statt. Rund vier Millionen Besucher werden erwartet. 323 Schausteller haben ihre Buden und Karussells auf einer Strecke von 4,5 Kilometern entlang des Rheins aufgebaut. Laut Veranstalter gibt es damit auf der Düsseldorfer Kirmes mehr Fahrgeschäfte als auf dem Münchner Oktoberfest. In acht Bierzelten können Besucher ihren Durst mit Altbier stillen. Die traditionsreiche Kirmes wird seit 108 Jahren vom St. Sebastianus Schützenverein Düsseldorf organisiert. Rund 150 Leute beschäftigen sich ganzjährig mit Planung und Realisierung des Volksfestes. Mit dem Volksfest ehren die Schützen den Düsseldorfer Stadtpatron „Heiliger Apollinaris”, dessen Fest immer am 23. Juli begangen wird.
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