Ein Kompromiss für die Zukunft der MVA Weisweiler

Von: Marlon Gego
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Die Aufsichtsräte werden diese Woche über seine Abberufung entscheiden: Ulrich Koch, seit 1997 Geschäftsführer der MVA Weisweiler. Foto: Ralf Roeger

Aachen/Düren. Im seit sechs Jahren dauernden Gerangel um die Zukunft der Müllverbrennungsanlage (MVA) Weisweiler gibt es eine neue Wendung. Nach Informationen unserer Zeitung haben die Eigentümer der MVA sich im Grundsatz darauf verständigt, die Zusammenarbeit mit RWE Power zunächst fortzusetzen.

Erst 2021 soll dann der Eigenbetrieb in Kooperation mit den Aachener Stadtwerken (Stawag) in die Tat umgesetzt werden. Das Problem ist: Die Entscheidungsgremien in Aachen und Düren haben bereits beschlossen, die Ende 2016 auslaufenden Verträge mit RWE Power nicht mehr zu verlängern.

Die Hälfte der MVA gehört über verschiedene Gesellschaften Stadt und Städteregion Aachen und dem Kreis Düren, die andere Hälfte gehört über zwei Gesellschaften der Stadt Krefeld. Während Aachen und Düren diesen Sommer die Verhandlungen mit RWE Power überraschend für beendet erklärt. Das RWE-Angebot sei nicht attraktiv genug, der Ton, den die RWE-Verhandler während der Gespräche angeschlagen hätten, nicht akzeptabel.

Seit der Eröffnung der MVA 1997 ist RWE Power deren technischer Betreiber und erhält dafür zwischen 13 und 15 Millionen Euro pro Jahr. RWE-Kritiker, die vornehmlich aus den Reihen der Grünen kommen, kämpften seit Jahren für die Unabhängigkeit der MVA von RWE, schon weil der Eigenbetrieb der MVA wesentlich günstiger sei – obschon Investitionen von fast 40 Millionen Euro nötig wären.

Diesen Sommer nun schlossen sich die Entscheidungsgremien in Stadt und Städteregion Aachen und im Kreis Düren dieser Sichtweise an. Die Stadt Krefeld lehnte den Eigenbetrieb der MVA allerdings weiterhin kategorisch ab, das unternehmerische Risiko sei einfach zu groß.

Anfang August gab es in Krefeld nach Informationen unserer Zeitung dann zwei Spitzengespräche, an denen die Oberbürgermeister Marcel Philipp (Aachen) und Gregor Kathstede (Krefeld), Städteregionsrat Helmut Etschenberg und Landrat Wolfgang Spelthahn (Düren, alle CDU) teilnahmen. In diesen Gesprächen wurde offenbar ein Kompromiss gefunden: Der Ende 2016 auslaufende Betreibervertrag mit RWE Power soll um vier Jahre bis Ende 2020 verlängert werden.

Erst danach wird die MVA den technischen Betrieb selbst übernehmen und hätte somit genügend Zeit, sich auf dieses Szenario vorzubereiten. Beschlossen ist allerdings noch nichts, dazu bedarf es der Zustimmung der jeweiligen Aufsichtsgremien. Ende dieser Woche könnte in Aachen und Düren bereits eine diesbezügliche Entscheidung fallen.

Die Aufsichtsratsvertreter von Stadt und Städteregion Aachen und dem Kreis Düren werden diese Woche allerdings noch eine andere Entscheidung treffen: Der Geschäftsführer der MVA, Ulrich Koch, soll seinen Posten in den kommenden Wochen aufgeben. Entsprechende Informationen unserer Zeitung bestätigte am Wochenende Reinhard Van Vlodrop, Geschäftsführer der EGN GmbH. Die EGN ist eine der Gesellschaften, über die die Stadt Krefeld an der MVA beteiligt ist. Kochs Abberufung sei in der Tat beantragt, sagte Van Vlodrop.

Begründen wollte er diese Entscheidung nicht, doch nach Recherchen unserer Zeitung sollen EGN beziehungsweise die Stadt Krefeld seit geraumer Zeit einen Interessenkonflikt Kochs vermuten: Koch (62), seit 18 Jahren im Amt, ist nicht nur Geschäftsführer der MVA, sondern auch der AWA GmbH, über die Stadt und Städteregion Aachen und Kreis Düren an der MVA beteiligt sind. Van Vlodrop soll in Bälde einen Nachfolger für Koch vorschlagen.

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