Ein junger Mann der alten Schule

Von: ansc
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In seinem Café geht es um mehr als Kaffeetrinken: Ricardo Lambertz bei der Arbeit. Foto: André Schaefer

Aachen. Der 25-jährige Ricardo Lambertz hat sein eigenes Café eröffnet. Darin bietet er einen Ort, an dem man die Zeit komplett vergisst. Es duftet, als hätte gerade jemand das Waffeleisen erhitzt.

An der Wand hängen Bilder aus mehr als zehn Jahrzehnten, im Hintergrund läuft Frank Sinatras Welthit „My Way“, und das Radio auf dem Regal in der Ecke kennt man – wenn überhaupt – nur aus dem Wohnzimmer der Großmutter: Wer die Stahltür des kleinen Gebäudes aufdrückt und den 20 Quadratmeter großen Raum betritt, vergisst schnell, dass wir das Jahr 2016 schreiben.

Ricardo Lambertz liebt es, die Zeit vergessen zu machen. Der 25-Jährige steht hinter dem Tresen, macht einen Cappuccino fertig und grinst. Er weiß, dass sich die Gäste beim erstmaligen Besuch seines seit zwei Monaten bestehenden Cafés erstaunt umsehen. Er sagt: „Das hier ist meine Idee einer perfekten Oase, in der man alles um sich herum vergisst.“

Lambertz kommt aus der Eifel, aus Ruhrberg, seit fünf Jahren lebt der BWL-Student in Aachen. Den Traum der eigenen Gastronomie habe er schon als Jugendlicher gehabt, sagt er. Und ebenso hatte er eine klare Vorstellung davon, wie sein eigenes Café einmal aussehen solle. „Ich mag die alte Schule“, sagt er. Der alte Teppich auf dem Boden, die Lampenschirme, die barocken Ledersessel: „Jedes einzelne Detail ist hier sorgfältig und mit Sinn ausgewählt worden“, sagt Lambertz. Das trifft auch auf den Namen seines Cafés zu, „Vierundneunziggrad“ heißt es. „Das ist die perfekte Brühzeit eines Kaffees“, erklärt der 25-Jährige. Schnell wird klar: Dieser junge Mann kocht nicht bloß Kaffee, er kocht ihn mit Stil.

Das Café wird zur Zeitmaschine

Gerade einmal zwölf Plätze besitzt das Café des jungen Studenten. Lambertz kommt das entgegen. Er kümmere sich gerne um jeden einzelnen Gast, sagt er. So kann es schon mal vorkommen, dass Frauen die Tür aufgehalten, der Mantel abgenommen und der Stuhl herangeschoben wird. „Ich finde, so etwas wird heutzutage viel zu selten gemacht“, sagt er.

Einmal im Monat verwandelt sich sein Café tatsächlich in so etwas wie eine Zeitmaschine: Männer mit Hüten, ein Glas Whiskey und eine Zigarre in der Hand – ein Bild, wie man es nur aus amerikanischen Filmen kennt, die in den 1930er Jahren spielen. Lambertz nennt das „Gentlemen‘s-Night“. „Die wird sehr gut angenommen.“ Einen ähnlichen Abend plant der 25-Jährige künftig auch für Frauen. Und die können sich sicher sein: Für den Gentleman in der Runde wird gesorgt sein.

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