Region/Düren - Ein Herz für die Dürener Jazztage: Spaß, Stress und Schrecksekunden

Ein Herz für die Dürener Jazztage: Spaß, Stress und Schrecksekunden

Von: Gudrun Klinkhammer
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Jazzclub Jazztage Delhougne Ohlemeyer
Rolf Delhougne (rechts), Vorsitzender des Dürener Jazzclubs und sein Stellvertreter Bernd Ohlemeyer freuen sich auf die Jazztage. Foto: Gudrun Klinkhammer

Region/Düren. Ich hab’ gedacht, mir fällt das Herz in die Hose. Mir ging vielleicht die Muffe“, erinnert sich Rolf Delhougne und verdreht dabei ein wenig die Augen. Die Schrecksekunde erlebte der Vorsitzende des Dürener Jazzclubs vor einigen Jahren während der Jazztage kurz vor einem Konzert.

Damals erhielt er einen Anruf von einem Vereinskollegen, der verzweifelt die Worte durchgab: „Rolf, die Künstler wollen nicht auftreten.“ Delhougne: „Während des Soundchecks hatten die denkwürdigen Künstler tatsächlich zunächst den Entschluss gefasst, die Koffer wieder zu packen. Da musste dann eine Menge Überzeugungsarbeit geleistet werden.“

Tatsächlich sind die Dürener Jazztage etwas ganz Spezielles, denn Eintritt zu den Konzerten wird keiner erhoben, ein großes Plus für die Zuschauer und damit auch für die Akteure. Die Finanzierung wurde vor 25 Jahren auf sichere Füße gestellt. Sponsoren, dabei handelt es sich um große Einrichtungen und sämtliche Geldinstitute der Stadt, übernehmen inzwischen die Kosten der einzelnen Abende.

Das ganze Jahr über ist das ehrenamtlich agierende Team um Rolf Delhougne und seinen Stellvertreter Bernd Ohlemeyer in Sachen Jazztage nun seit genau einem Vierteljahrhundert aktiv. Delhougne erinnert sich: „ Die Jazztage gab es schon vor mehr als 25 Jahren.“ Allerdings drohte diese damals bereits vielbeachtete Veranstaltung aus organisatorischen Gründen, salopp gesagt, den Bach hinunterzugehen. Delhougne wurde angesprochen, ob er die Veranstaltung nicht managen wolle.

Damit die in Düren bereits seit den 1980er Jahren gereifte Jazzszene nicht kaputtging und der weiche Wirtschaftsfaktor, den die Veranstaltung für Düren bedeutet, nicht wegbrach, übernahm der Jazzclub mit Delhougne an der Spitze die Geschäfte. „Zu Beginn liefen die Veranstaltungen mit Eintritt, damals fünf Mark. Doch wir erlebten ein Fiasko.“ Also suchte man nach einer neuen Möglichkeit und erfand eben die Konzertmodule, für die verschiedene Sponsoren vor allem die finanzielle Verantwortung übernahmen. Dieses Kon-strukt hat sich inzwischen derart bewährt, dass die Veranstalter sagen: „Wenn es die Dürener Jazztage nicht gäbe, man müsste sie in-stallieren.“

Nicht nur in Lokalen, Cafés und Kneipen finden die Konzerte statt, sondern auch auf großen Plätzen wie dem Kaiserplatz oder in einem Bankgarten. Dass teilweise weltbekannte Stars in Düren Station machen, ist zum einen das Verdienst des Jazzclubs, der inzwischen exzellente Drähte in die Szene unterhält. Zum zweiten sind es aber auch die Sponsoren beziehungsweise deren Vertreter selber, die die Fäden knüpfen. Delhougne: „Wir machen Vorschläge und sprechen das mit den Sponsoren ab oder umgekehrt.“

Alle Hände voll zu tun

Dass der 68-jährige Vorsitzende der Jazztage derart sein Herz an diese Veranstaltungsreihe und vor allem auch an diese Musik verloren hat, kommt nicht von ungefähr. Bereits sein Großvater, Bernhard Delhougne, wie der Enkel ein Ur-Dürener, hatte eine Band und machte Musik. Delhougne: „Bei meinem Großvater lernte ich die Violine spielen.“ Bei dem noch lebenden Dürener Musiklehrer und Organisten August Leufgen lernte er das Akkordeonspiel. Dass sich der Jazz in Düren derart aufrecht hält, ist für ihn nicht selbstverständlich. „Denn Düren ist keine Studentenstadt.“

Nicht nur während der Jazztage hat der Jazzclub alle Hände voll zu tun, auch über das Jahr fragen Firmen nach Bandkontakten. Was die Vereinsmitglieder aber auch wissen: „Man darf sich nie auf dem ausruhen, was man erreicht hat. Wir reflektieren, wir suchen immer nach neuen Ideen und entwickeln neue Bausteine.“ So ist neben den Stars die regionale Szene nahezu gleichberechtigt wichtig geworden. Doch nicht nur der Verein entwickelt Ideen und entwickelt sich weiter. Delhougne: „Wir erleben, dass der Jazz weiblicher wird.“

Trotz aller Stressphasen, Schrecksekunden und Arbeitsschübe sagt derjenige, bei dem die Fäden der Jazztage zusammenlaufen: „Klar, es ist viel Arbeit, aber mir macht eben genau das sehr viel Spaß. Ich weiß aber auch, dass ohne meinen Kollegen Bernd Ohlemeyer und die vielen anderen Helfer und Jazzliebhaber das Ganze gar nicht zu stemmen wäre.“

Willy Ketzer, Schlagzeuger von internationaler Spitzenklasse, ist seit 2003 bei den Dürener Jazztagen dabei. Er antwortet auf die Frage, was für ein Ansehen die Veranstaltung in der Szene genießt: „Ein gutes Ansehen. Ich kenne viele Kollegen, die in Düren gespielt haben, die finden das gut, nicht provinziell. Was ich empfinde: Dass das Publikum sehr jazzgebildet ist. Da merkt man, dass viele Zuhörer schon länger dabei sind als erst zwei oder drei Jahre.“

Aber es gibt auch kritische Stimmen. Professor Wolfgang Breuer aus Kreuzau, Musiker, Autor und früher Dozent an der Musikhochschule in Köln: „Die hiesigen Jazztage entwickeln sich immer mehr zu Veranstaltungen mit Jahrmarktscharakter. Ursache hierfür ist eine Ausrichtung auf kommerzielle Interessen. Die Sponsoren sollen bedient werden. Hierfür soll möglichst viel Publikum angezogen werden. Das wird zum Beispiel erreicht mit freiem Eintritt und Marktcharakter mit Pizzabuden, Bierständen und Fleischgrillständen. Jazztage haben in einer kulturell nicht untätigen Stadt wie Düren nur Sinn, wenn in der Programmgestaltung und in der Auswahl der Künstler ein Niveau angestrebt wird, das überregional auf Interresse stößt.“

Wie auch immer: Jetzt steht die 25. Ausgabe unter der jetzigen Organisation an – und man darf gespannt sein.

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