Kürten/Stolberg - Ein Haus, das es nicht geben darf

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Ein Haus, das es nicht geben darf

Von: Jakob Paßlik
Letzte Aktualisierung:
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Ein Haus aus Kriegszeiten ohne Baugenehmigung: Christa Liedtkes soll ihr Heim abreißen lassen. Foto: dpa

Kürten/Stolberg. Christa Liedtkes Fachwerkhäuschen liegt malerisch zwischen Wiesen und Bäumen im Bergischen Land. Doch jetzt trübt eine behördliche Anordnung die Idylle: Die Rentnerin soll ihr 75 Jahre altes Haus in Kürten abreißen, weil es keine Baugenehmigung gibt.

Dieser Fall macht auch anderen Hauseigentümern Sorgen. In Stolberg-Zweifall ist in einem ähnlichen Fall bereits eine Lösung in Sicht: Es soll nachträglich eine Baugenehmigung erteilt werden. Doch Christa Liedtke ist davon weit entfernt.

Ihr 1939 gebautes Haus hat eine bewegte Geschichte. Im Krieg fand eine Kölnerin hier Zuflucht, deren Mann – ein jüdischer Bankier – von den Nazis deportiert und ermordet worden war. 2005 kaufte Christa Liedtke das Häuschen für 250.000 Euro, steckte viel Geld in Renovierungsarbeiten und schuf sich so ihre Oase. Doch die steilen Treppen machten ihr, der 75-Jährigen, zunehmend zu schaffen. „Ich habe mit meinem Rücken zu kämpfen. 2011 wollte ich deshalb das Haus schweren Herzens wieder verkaufen. So kam die ganze Sache ins Rollen“, erzählt Liedtke.

Beim Bauamt wollte sich die Rentnerin Unterlagen besorgen. „Reine Formsache, dachte ich.“ Kurz darauf bekam die Rentnerin einen Brief: Sie müsse das Haus abreißen, weil keine Baugenehmigung vorliege. „Ich dachte, ich spinne, das muss ein Versehen sein.“ Doch der Kreis Bergisch Gladbach meinte es ernst. Das Haus müsse weg, die Abrisskosten von etwa 25.000 Euro solle Liedtke tragen. Eine nachträgliche Genehmigung ist nicht möglich, es handelt sich um eine landwirtschaftliche Fläche. Es besteht auch kein Bestandsschutz für das Haus.

Das Haus ist ordnungsgemäß im Grundbuch eingetragen – das reicht allerdings nicht aus. „Der Eintrag im Grundbuch ist nur der Eigentumsnachweis des Grundstücks und nicht die Baugenehmigung, deshalb muss geltendes Recht durchgesetzt werden“, erklärt Birgit Bär vom Kreis. Das sei bedauerlich, aber kein Einzelfall. „In den letzten acht Jahren hatten wir sechs solcher Fälle.“

Um einen Abriss zu vermeiden, bot der Kreis Liedtke ein lebenslanges Bleiberecht an. Sie lehnte ab, weil sie das Haus verkaufen wollte, zog vor das Kölner Verwaltungsgericht – und verlor. Nun läuft die Revision beim Oberverwaltungsgericht (OVG) in Münster. Die Verunsicherung durch den Fall Liedtke ist groß. Denn in den Kriegsjahren sind wohl viele solcher Häuser entstanden. Die Rentnerin weiß von über 70 vergleichbaren Bauten allein im Bergischen Kreis. Die kommenden Monate sind für sie entscheidend. Falls auch das OVG die Revision abschmettert, muss sie das Haus innerhalb eines Jahres abreißen lassen.

Auch der Kreis ist mit der derzeitigen Situation nicht glücklich. „Wir wünschen uns, dass endlich eine rechtliche Lücke geschlossen wird“, heißt es. So sollte ein Notar bei einem Hausverkauf dazu verpflichtet werden, den neuen Eigentümer auf eine Prüfung der Baugenehmigung hinzuweisen. Nur dann gibt es keinen Fall wie den von Christa Liedtke mehr.

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