Düren - Ein Haftbefehl in der Post ist wohl der neue Enkeltrick

Ein Haftbefehl in der Post ist wohl der neue Enkeltrick

Von: Carsten Rose
Letzte Aktualisierung:
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„Relativ gut gemacht“: ein vermeintlicher Haftbefehl als Betrugsmasche.

Düren. Frau H. aus Düren und Herr W. aus Hildesheim, beide über 80, haben wahrscheinlich nichts Erwähnenswertes gemeinsam, außer dass sie sich bis Freitag bei der Justizvollzugsanstalt Frankfurt hätten melden sollen. Beide haben einen Haftbefehl mit identischem Schreiben am 23. Juni per Post erhalten.

Dass es sich dabei um eine Betrugsmasche handelt, hat Frau H. aus Düren nicht direkt erkannt und hatte anfangs erstmal eines: einen großen Schrecken. Denn auf ältere Menschen, die offizielle Schreiben dieser Art nicht kennen, kann der Brief mit all den bürokratischen Begriffen, Aktenzeichen und Summen einschüchternd wirken.

Ihre Angehörigen, an die sich Frau H. wandte, konnten die Dame schließlich auch nach Absprache mit einem Anwalt beruhigen: Das Schreiben ist nicht echt. In dem steht, dass Frau H. eine Geldstrafe von 28.500 Euro nicht gezahlt hätte, weshalb die Strafe zu 950 Tagen Freiheitsstrafe zu einem Tagessatz von 30 Euro umgewandelt wurde. Es sei denn: Sie zahlt binnen drei Tagen mindestens 9500 Euro an – ihre letzte Chance.

Die eigentliche Masche versteckt sich hinter der angegebenen Rufnummer – Kontodaten fehlen nämlich. Experten vermuten, dass sich unter der Nummer nie jemand meldet, nach viermal klingeln ist besetzt. Die Hintermänner würden aber dann die Rufnummer speichern, um zurückzurufen und unter einem anderen Vorwand ein Gewinnspiel anzupreisen. So sollen die potenziellen Opfer übers Ohr gehauen werden – denn wer hätte nicht gerne einen Hauptgewinn, wenn er vermeintlich Tausend Euro zahlen muss.

Bei der Kreispolizei Düren ist noch keine Anzeige bezüglich des Schreibens eingegangen. Pressesprecherin Julie Greve sagt, dass es eine neue Masche sei, „weil der Enkeltrick wohl nicht mehr klappt“. Das Landeskriminalamt sagt auf Anfrage, dass das Schreiben bekannt sei, aber nur „eine von vielen“ Maschen.

Belastbare Zahlen für Anzeigen und Meldungen gebe es nicht. Aber: Das Schreiben sei relativ gut gemacht. Grundsätzlich aber gelte: kein Haftbefehl ohne ordentliches Verfahren, Fristen dauern zehn bis 14 Tage, maximale Tagessätze: 360.

Die Post prüft nach Anfrage von Donnerstag, ob auch sie mit einem gefälschten Barcode über der Adresszeile betrogen worden ist.

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