Düren - Ein ganzes Rathaus kommt in den Karton

Ein ganzes Rathaus kommt in den Karton

Von: Christina Handschuhmacher
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Auch, wenn es nur über die St
Auch, wenn es nur über die Straße geht: Der Aufwand beim Einpacken ist enorm. Andrea Jansen hält die Fäden in der Hand. Foto: Tobias Röber

Düren. Andrea Jansen ist außer Atem. Zwischen sich meterhoch stapelnden Umzugskisten und schwer schleppenden Möbelpackern läuft sie im Dürener Rathaus die Treppen rauf und runter. „Wem gehören die?” fragt sie und nimmt zwei Papierkörbe in die Hand, die in einem ansonsten verwaisten Büro stehen.

Im Eilschritt beschriftet sie die Körbe mit der Zimmernummer des neuen Büros und erklärt nebenbei den Möbelpackern, was als nächstes zu tun ist. Zwölf starke Männer hören heute auf ihr Kommando.

Das Dürener Rathaus zieht renovierungsbedingt um, und Andrea Jansen organisiert das Ganze. Natürlich nicht alleine, aber die Mitarbeiterin der Hausverwaltung ist maßgeblich dafür zuständig, dass nach dem Umzug jeder Aktenordner und jeder Schreibtisch wieder im richtigen Büro steht. Arbeitsbedingt sind Umzüge für sie Routine, aber der Marathon aus insgesamt 17-Teilumzügen in knapp drei Monaten ist selbst für Jansen viel. Seit Ende Dezember ist die 48-Jährige ununterbrochen mit der Planung beschäftigt: Neben anderem hat sie die öffentliche Ausschreibung für die Umzugsunternehmen formuliert, 500 Umzugskartons geordert und die Entsorgung ausrangierter Möbelstücke organisiert.

An diesem Freitag findet rund um das Rathaus Umzug Nummer 13 von 17 statt und Jansen ist - wie immer - mittendrin. Heute ziehen unter anderem das Dezernat des Bürgermeisters und die Fraktionen der Stadt um. „Sicher verpackt in alle Welt” steht auf den Umzugskartons - doch so weit geht es für die Kisten gar nicht. Das neue Zuhause schräg gegenüber am Marktplatz ist nur einen Katzensprung vom denkmalgeschützten Rathaus entfernt - trotzdem muss bis auf die letzte Büroklammer alles feinsäuberlich verpackt werden. In etwa drei Wochen kommen die Bauarbeiter und dann wird das Rathaus von Grund auf saniert.

„Das ist keine Schönheitsrenovierung”, betont Bürgermeister Paul Larue während der letzten Minuten in seinem alten Büro. „Das Rathaus muss dringend energetisch erneuert werden.” Neue Heizungen und Fenster sollen aus dem neunstöckigen Stromfresser ein energieeffizientes Gebäude machen. Und auch die EDV-Anlagen müssen auf den neuesten Stand gebracht werden. 14,75 Millionen soll die komplette Sanierung kosten, die Ende 2014 abgeschlossen sein soll.

Während sich der Bürgermeister auf den ersten Termin des Tages begibt, kümmert sich seine Referentin Claudia Prinz-Gollek darum, dass beim Umzug alles glatt läuft. Eine Woche Kisten packen liegen hinter ihr. „Der normale Betrieb lief daneben weiter. Das war schon viel anstrengender als ein privater Umzug”, sagt sie. Tonnenweise habe sie alte Akten entsorgt, aber im Gegenzug auch längst verschollen geglaubte Dinge wiedergefunden. 50 Meter weiter im neuen Zuhause geht es für Prinz-Gollek ans Auspacken. Noch fehlt ihr Schreibtisch. Am Nachmittag sollen im neuen Bürgermeisterbüro schon erste Besprechungen stattfinden.

Auch die wertvollen Sachen hat die Referentin des Bürgermeisters stets im Auge. Kunstwerke und Bilder aus den Büros wurden von einer Spezialfirma fachgerecht verpackt und transportiert. Und die zwei goldenen Bücher der Stadt und die Amtskette des Bürgermeisters hat sie persönlich ins neue Büro rüber getragen.

Der Möbelpacker hievt gerade mit einem Kollegen einen metallfarbenen Safe in den Schrank. Obwohl er meist bei privaten Umzügen arbeitet, ist der Rathausumzug für ihn keine große Sache.

Dabei hat er mit dem Rathausumzug eine Dimension zu bewältigen, die dem Umzug von 50 Einfamilienhäusern entspricht - sowohl was die Fläche betrifft als auch die Anzahl an Kartons und Möbeln. Zuletzt wird am 9. Juli der denkmalgeschützte Rathaussaal geräumt.
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