Aachen/Maastricht - Ein frisches Fundament für die gesamte Euregio

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Ein frisches Fundament für die gesamte Euregio

Von: Matthias Hinrichs
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Blickt weit über den Maastric
Blickt weit über den Maastrichter Horizont hinaus: Guido Wevers arbeitet mit zahlreichen kreativen Köpfen am Konzept für die Bewerbung zur Kulturhauptstadt 2018. Foto: Matthias Hinrichs

Aachen/Maastricht. Guido Wevers lernt derzeit praktisch täglich eine Menge Menschen kennen - Belgier, Niederländer, Deutsche. Heu­te zum Beispiel steht ein rundes Dutzend Berufsschüler aus Jülich auf der Matte seines Büros im Maastrichter Centre Céramique - genauer gesagt: auf seinem Balkon.

Sie genießen den Blick auf die grünen Ufer der Maas, die direkt unter dem gediegenen Kulturzentrum im Herzen der limburgischen Hauptstadt fließt. „Lassen Sie uns aufs Dach gehen”, ruft Wevers. „Von da aus können Sie bis nach Jülich schauen!” Die Besucher stutzen ungläubig.

Männer wie Wevers haben in diesen Tagen reichlich Überzeugungsarbeit zu leisten. Das fällt dem Künstlerischen Leiter des Projektbüros VIA 2018 allerdings nicht schwer. Sein Blick schweift seit Monaten in jedem Sinne übers riesige, genauer: rund 10.470 Qua­dratkilometer umfassende Gebiet zwischen Aachen, Eupen, Lüttich und Hasselt, in dem nicht weniger als 3,5 Millionen Menschen leben. Der 57-Jährige ist im Begriff, ein großes, ein sehr großes Rad zu drehen. Er arbeitet federführend an der „Bewerbungsmappe”, dem sogenannten Bid Book zur Kandidatur Maastrichts als Europäische Kulturhauptstadt 2018.

Mindestens 60 kreative Köpfe aus drei Ländern sind daran beteiligt; neun Partnerstädte beziehungsweise -regionen haben die Niederländer ins Boot geholt, um das dicke Brett gemeinsam zu bohren - die größten Schwestern Aachen, Lüttich, Eupen, Hasselt selbstverständlich inklusive. Im Februar 2012 soll das Gesamtkonzept vorgelegt werden. Denn soviel ist längst klar: „Wenn wir eine Chance haben wollen gegen Bewerber wie Den Haag, Utrecht, Brabant oder die Provinz Friesland, dann müssen wir den besonderen Charakter der gesamten Euregio als zentralem Schauplatz europäischer Identität herausstellten.”

Der gebürtige Belgier Wevers ist überzeugt, dass dies nur gelingen kann, „wenn wir zunächst den Grund legen”, will heißen: das tragfähige Fundament sichtbar machen und weiterentwickeln, auf dem das nach wie vor als mehr oder minder politisch-bürokratisches Kons­trukt betrachtete (und verkannte) „Gemeinwesen” Euregio basiert. Immerhin drei Jahre bleiben, bis 2014 die Würfel im Kreis der 13-köpfigen Brüsseler Jury fallen - und viele Millionen zur Realisierung des Großprojekts fließen sollen.

Wevers ist überzeugt, dass der Coup gelingt. „Wir alle liegen bis dato an der Peripherie von Staaten innerhalb Europas. Aber wir haben eine gemeinsame Geschichte, ausgehend von Karl dem Großen und wichtigen mittelalterlichen Schriftstellern wie dem Epiker Hendrik van Veldeke. Im Laufe der Jahrhunderte wurden die Städte und Kulturen auseinandergetrieben. Wir wollen sie wieder zusammenführen.” Bis dahin konzentrieren sich die Beteiligten auf vier Kernelemente, welche die vielfältigen Beziehungen kennzeichnen. Da wären zunächst die „physischen Verbindungen” in Gestalt des öffentlichen Verkehrs, etwa der zahlreichen historischen Schienenstränge. „Heute ist es schwierig, ohne Pkw etwa von Aachen nach Hasselt zu gelangen. Wir wollen darüber nachdenken, neue, variable Lösungen zu finden.” Gleiches gelte für die Telekommunikation - nach wie vor sei ein Ferngespräch von Maastricht ins weit entfernte Groningen preiswerter als etwa in die benachbarte Kaiserstadt. Das könne man ändern.

Mindestens ebenso wichtig erscheint den Planern, was Wevers die „mentalen Verbindungen” nennt. „Sie sind teils bereits sichtbar geworden, etwa durch ein Theaterprojekt zum Thema Grenzgänger, durch einen neuen Pop-Song, basierend auf den Klängen der Aachener Domglocke, der quasi als gemeinsame Melodie verstanden werden kann.”

Auch die Entwicklung „neuer Formen von Urbanität” müsse, zum Zweiten, als essenzieller Faktor in den Blick gerückt werden. „In Aachen entstehen in den nächsten Jahren tausende Arbeitsplätze, die Bevölkerung wächst. In Heerlen etwa ist das Gegenteil der Fall, die Immobilienpreise sacken ab - hier gibt es viele Möglichkeiten, voneinander zu profitieren.” Dazu gehöre übrigens in jedem Fall, dass die deutsche Sprache in den niederländischen Lehrplänen wieder höhere Priorität erhalte.

Ebenso unabdingbar sei es, jene zu gewinnen, „die sich durch die grenzüberschreitende Region nicht repräsentiert fühlen und überkommenen Nationalismen nachhängen”. Womit der eigentliche, nämlich der Zukunftsaspekt des „Projekts Kulturhauptstadt 2018” in den Mittelpunkt rücke: „Wir werden noch viel intensiver darüber nachdenken müssen, wie wir die Integration einer wachsenden Zahl von Immigranten vernünftig gestalten.” Dann, glaubt der 57-Jährige, zeichne sich, zum Vierten, eine maßgebliche Zielmarke der vielfältigen Bemühungen am Horizont ab: „Wir wollen, dass die Euregio Maas-Rhein in jeder Hinsicht exemplarisch wird für das Zusammenwachsen Europas.”

Experten diskutieren Konzepte und Chancen

Im Rahmenprogramm der Karlspreisverleihung findet am Donnerstag, 12. Mai, um 18.30 Uhr ein Diskussionsabend zum Thema „Kulturhauptstadt 2018” im Alten Kurhaus, Komphausbadstraße 19, in Aachen statt. Die Eröffnungsrede hält NRW-Europaministerin Angelica Schwall-Düren. Zu Wort kommen neben Guido Wevers von „VIA 2018” Manfred Bausch von der Regio Aachen, Rick Takvorian vom städtischen Kulturbetrieb und Eric Wetzels, Direktor des Centre Céramique Maastricht.

Außerdem haben Jacques Costongs, Beigeordneter für Kultur in Maastricht, Martina Fromhold-Eisebith, RWTH-Professorin für Wirtschaftsgeografie, Aachens OB Marcel Phi­lipp sowie Hanns-Dietrich Schmidt vom Projektteam „Ruhr.2010 GmbH” zugesagt.

Der Eintritt ist frei, Anmeldung erbeten unter 0241/432-7627 oder europedirect@mail.aachen.de

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