Ein Freizeitpark, der Wissen schaffen soll

Von: Achim Graf
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In Blickweite des Doms: So sah das Odysseum noch im August 2008 aus - in 60 Tag soll es eröffnet werden. Foto: Science Center Services Köln GmbH

Köln. Noch ist es eine riesige Baustelle, doch bereits Anfang April soll hier das bundesweit erste „Science Adventure” seine Tore öffnen. „Odysseum” heißt das 30-Millionen-Projekt, das derzeit im Technologiepark in Köln-Kalk Formen annimmt.

Eine Mischung aus Freizeitpark und Forschungszentrum will man sein, Wissenschaft zum mitmachen bieten. Kurzum: ein Abenteuerland mit Grips.

„Das Besondere bei uns ist, dass alles durchgehend inszeniert wird”, betont Thomas Puy-Brill, Geschäftsführer des von der Sparkasse Köln-Bonn angestoßenen Projekts. Und deshalb führte er am Donnerstag nicht ohne Stolz erstmals Journalisten durch eine der insgesamt sieben Themenwelten. Schüler der 7. Klasse einer Kölner Schule durften unter dem Blitzlichtgewitter der Presse derweil die Erlebnisstationen im „Cyberspace” ausprobieren - soweit sie schon funktionierten.

Durch mitmachen und ausprobieren sollen Kinder und Jugendliche „schon früh erfahren, wie spannend und cool Wissen sein kann”, erklärte der wissenschaftliche Leiter des Ganzen, Armin Frey. Daher wurde die gesamte Entwicklung des Indoor-Parks von einem Beirat aus Wissenschaftlern und Wissenschaftsjournalisten begleitet. „Hier kann Dein Wissen was erleben” lautet das Motto, Physik, Chemie, Biologie und Technik sollen ab April spielerisch vermittelt werden. Dieser inhaltliche Anspruch unterscheide sie von einem reinen Freizeitpark, meint Geschäftsführer Puy-Brill. „Die jungen Besucher dürfen hier ruhig toben, aber es gibt immer auch eine Bildungskomponente.”

So erfuhren die Siebtklässler einer Montessori-Schule am Donnerstag beispielsweise, dass ein Roboter im Basketball dem Menschen nur dann überlegen wäre, wenn er immer vom selben Punkt aus werfen dürfte. Der 14-jährige Baki versuchte sich nebenan im „Mindball” gegen seine Sportlehrerin. Mittels Stirnbändern wird dabei ein Ball allein mit den Hirnströmen gesteuert. Wer am besten entspannen kann, gewinnt das Spiel. Für Baki kein Problem: „Ich hab´ einfach so getan, als würd´ ich schlafen”, verriet er sein Erfolgsgeheimnis, das im Unterreicht sicherlich weniger gut ankäme. Er sei wahrlich kein Harry-Potter-Fan, meinte er hinterher sichtlich fasziniert. „Aber durch Entspannung einen Ball bewegen, das hat was von Zauberei.”

Lehrerin Marion Hahn nahm ihre Niederlage gelassen. Sie lobte vielmehr das Konzept des Odysseum. Es sei ja eher Erlebnis als Lernen, das komme bei ihren Schülern gut an, so ihr erster Eindruck. Auch die Zentrierung auf Naturwissenschaft und Technik trage dazu bei. Längst hätten nämlich auch die Mädchen an diesen Themen großes Interesse. Ihr selbst als ehemalige Leistungsturnerin bereitete die virtuelle Fahrt auf dem Lichtgeschwindigkeitsrad allerdings mehr Freude, als die auf Mathematik abzielende Dual-Dezimal-Station: „Da”, räumte sie lachend ein, „habe ich nicht einmal die Aufgabenstellung verstanden.”

Dass am Ende dennoch alle schlauer rausgehen, als sie reinkamen, davon ist Thomas Puy-Brill überzeugt. Durch emotionale Erlebnisse und viel Freude will man, ganz im Ernst, auch einen Beitrag leisten gegen den Fachkräftemangel im Land. Hierfür wurde sogar eigens ein „verrückter Professor” in einem Casting ausgesucht, der als Entertainment-Supervisor künftig die Kleinen für Themen wie Globalisierung und Klimawandel begeistern soll.

Ein Millionen-Fiasko, wie beim ähnlich angelegten und noch weitaus größer dimensionierten „Spacepark” in Bremen vor wenigen Jahren, schließt der Geschäftsführer jedenfalls aus. Dass nämlich auch in Köln nach sieben Monaten der Spaß bereits vorbei sein könnte, dagegen sprächen schon alleine „die 28 Millionen Menschen, die uns innerhalb einer Stunde erreichen können”, so Puy-Brill. Zunächst müssen sich die Betreiber ohnehin um kleinere Anfangsprobleme kümmern: Das Dosentelefon auf der Empore im „Communication Square” etwa hat schon die erste Schülergruppe nicht heil überstanden.
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