Aachen/Stolberg - Ein Elfjähriger mit Organisten-Gen

Ein Elfjähriger mit Organisten-Gen

Von: Valerie Barsig
Letzte Aktualisierung:
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Die Orgel ist sein Lieblingsinstrument: Martin Schikarski spielt aber auch Klavier und Cello. Er habe einfach die Musik „in sich drin“, sagt der Elfjährige der seit Oktober 2014 endlich seinen Traum – regelmäßigen Orgelunterricht – erfüllt bekommen hat. Foto: Andreas Steindl

Aachen/Stolberg. Organisten gibt es viele. Aber nur wenige sind elf Jahre alt. Martin Schikarski ist elf. Und er spielt schon die Kirchenorgel. Seine Füße spielen den Bass in seinem Orchester. Seine Hände sind die Trompeten, Glocken oder Flöten.

Martin hat sein ganzes Orchester dabei, wenn er an der Orgel in St. Donatus in Aachen-Brand sitzt, Fußpedale drückt, seine Hände über die Tasten flitzen oder die Register ziehen. Martin improvisiert, spielt Harmonien und Lieder ohne Noten. Er sagt, er hat die Musik „in sich drin“.

Alles begann damit, dass Martin bei einem Besuch in der Kirche zum ersten Mal eine Orgel hörte. Das Instrument faszinierte ihn schon, als er erst vier Jahre alt war. Zu seinem Geburtstag damals wünschte er sich eine CD mit Orgelmusik. Als dann seine Schwester begann, Klavier zu spielen, wollte er das auch. Mit fünf Jahren hatte er seine erste Klavierstunde. Für ihn war aber schon damals klar: Er will an die Orgel. So schnell wie möglich.

Sein Traum erfüllte sich, als er sechs Jahre alt war. Damals drückte er zum ersten Mal die Tasten einer Orgel. Das war in Stolberg-Breinig. Es sei ein schönes Gefühl gewesen. Er erinnert sich noch genau. Um mit seinen Füßen an die Pedale unterhalb des Orgelstuhls zu gelangen, musste er sich kräftig strecken. „Das war schon etwas schwierig“, sagt er.

Inzwischen hat Martin alle zwei Wochen Orgelunterricht bei Kantor Ralph Leinen in der Kirche St. Donatus in Aachen-Brand. Das sei für ihn der Höhepunkt der Woche, sagt Martin.

Vom Instrument fasziniert

Wenn Martin die Kirche St. Donatus in Aachen-Brand betritt, merkt man ihm die Vorfreude an. Auf der Treppe nach oben zur Orgel nimmt er mehrere Stufen auf einmal. Oben angekommen, sitzt er kaum, da hat er schon die ersten Töne gespielt. Am liebsten mag er Bach. Es ist aber nicht nur die Musik, die ihn fasziniert: „Die ganzen Pfeifen, die Register, die Klaviaturen, das komplette Innenleben – es fühlt sich gut an hier zu sitzen“, sagt er. Eines seiner liebsten Register ist die spanische Trompete, die für den Laien klingt wie eine normale Trompete.

Martin ist der inzwischen zweite Schüler, den Leinen an der Orgel unterrichtet. „Es gibt viele Leute, die nach Schema lernen. Es gibt aber wenige, die aus dem Bauch heraus und nach Gehör wissen, was sie spielen müssen.“ Grundsätzliches brauche er Martin nicht mehr beizubringen. Es gehe bei ihrem Unterricht lediglich um Tipps, wie er sein Spiel verbessern könne, um Improvisationstechniken oder Pedalsetzung. Leinen kann sich noch genau an Martins erstes Vorspiel bei ihm vor etwa einem halben Jahr erinnern. „Es war sehr gut. Martin hatte die Standardausrüstung sozusagen mit im Gepäck. Dazu kam ein Harmoniegefühl, das in seinen Genen liegt.“

Schon im Kinderchor entdeckte der Chorleiter Martins Talent zum Begleiten und Improvisieren. An die Orgel durfte Martin trotzdem nicht sofort. Denn: Jeder Organist fängt mit dem Klavierlernen an. Inzwischen spielt er neben dem Klavier auch Cello und ist in der Streicherklasse des Inda-Gymnasiums. Die Orgel aber ist sein Lieblingsinstrument. Sie sei einfach nicht wie andere.

Sie sei wie ein ganzes Orchester, habe nicht nur eine Art von Tönen, sagt er. Seine Lieblingsmusik sei Klassik. „Ich mag aber auch ‚Happy‘ von Pharell Williams. Eigentlich habe ich immer Musik in meinem Kopf.“ Wenn er sie nicht spielen kann, dann pfeift er. Und wenn er spielt, dann gern einfach aus dem Kopf. Noten braucht er nicht. Wie er das macht, weiß er selbst nicht. Die richtigen Noten seien einfach in seinem Kopf.

Rund 15 Messen habe Martin bereits gespielt, sagt seine Mutter. Am Inda-Gymnasium begleitete er Schulmessen, in Breinig Frühschichten. Im Altenheim St. Donatus spielte er zur Messfeier am ersten Weihnachtstag. Seinen bisher größten Auftritt hatte er am zweiten Weihnachtstag in St. Marien in Aachen. Auch für Ostern ist der Elfjährige wieder als Organist angefragt. Sein Lehrer Leinen findet es gut, dass er so viel spielen kann. Schließlich müsse man als künftiger Organist ja auch die Praxis kennenlernen. Manchmal lässt er ihn bei Messen ganz spontan einige Lieder begleiten.

Schon als Kind Kirchenmusik-Fan

Von Lampenfieber ist da keine Spur: „Ich finde es nur stressig, wenn die Liedanzeige manchmal erst beim zweiten Drücken funktioniert“, sagt Martin. Und auch sich während der Messe dem Priester und seiner Predigt anzupassen, sei eine knifflige Sache für den Organisten. Manchmal sei er sich nicht sicher, wann der genau richtige Zeitpunkt für seinen Einsatz sei. Er warte dann immer kurz. „Wenn mir die Pause zu lange vorkommt, spiele ich.“ Bisher sei aber immer alles gut gegangen.

Schon als Kind habe er Kirchenmusik gemocht, sagt Martin. Inzwischen ist er auch Messdiener in der Kirche. Das Klavier stand bei Familie Schikarski schon immer im Haus. Auch Martins Eltern sind musikalisch. Manchmal wird zu Hause gemeinsam musiziert, mit Klavier, Geige und Cello. Eines steht für Martin im Vordergrund: Der Spaß an der Musik. Und solange er den habe, will er weitermachen.

Martin will Orgelexamen ablegen

Ein Zukunftsprojekt plant Martin bereits. Er will ein Orgelexamen ablegen, damit er als nebenberuflicher Kirchenmusiker arbeiten kann. Das geht allerdings erst nach zwei Jahren Studium an der Hochschule für Kirchenmusik, zum Beispiel in Köln. Die Kurse wären am Wochenende. Beginnen könnte er mit dem Mini-Studium, wenn er vierzehn Jahre alt ist. Danach könnte er bereits nebenberuflich als Organist arbeiten. „Das wäre ja gut, wenn ich mal studiere“, sagt Martin.

Was er später studieren will, weiß er noch nicht. Vielleicht sogar Musik, er könne sich aber auch vorstellen, Ingenieur zu werden. Dass ihn Mechanik interessiert, merkt man schon daran, dass er ziemlich genau weiß, wie das Instrument aufgebaut ist, auf dem er da so fleißig spielt. Er kennt jedes Register des Instruments, jeden Knopf und jedes Pedal zu seinen Füßen. „64 elektronisch einprogrammierbare Registerkombinationen hat diese Orgel“, sagt Martin. Über 1000 sind es insgesamt.

Ob er nun Ingenieur wird, Kantor oder vielleicht einmal selbst Orgeln baut – eines ist für ihn klar: Orgel spielen, das wird er immer.

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