Ein ehemaliger Priester regiert Bonns Jecke

Von: Karoline v. Graevenitz, ddp
Letzte Aktualisierung:
jecker_kaplan
Karnevals-Prinz Ralf I. (Ralf Birkner, l.) und Karnevals-Prinzessin Miriam I. (Miriam Schmitz, r.): Närrisch-hoheitliche Gesten beherrscht Ralf I., als wäre er zum Jecken-Oberhaupt geboren. Seine Karnevalsbegabung bescherte Birkner bereits in den neunziger Jahren ein Angebot, Karnevalsprinz zu werden. Damals lehnte der 1994 zum Priester geweihte in Abstimmung mit seinem Bischof ab. 2004 legte er aus persönlichen Gründen sein Amt als Pfarrer der Nicolai-Kirchengemeinde in Kalkar nieder, ließ sich nach langen Überlegungen in den Laienstand versetzen und heiratete. Foto: dda

<b>Bonn. </B>Närrisch-hoheitliche Gesten beherrscht Ralf I., als wäre er zum „Jecken”-Oberhaupt geboren. Mit einem würdevollen Nicken hängt der Bonner Karnevalsprinz seinem Düsseldorfer Amtskollegen, Lothar I., den Bonner Karnevalsorden um, nachdem er seinerseits den Düsseldorfer Orden empfangen hat, mit einem dreifachen „Bonn Alaaf, Düsseldorf Helau, Bonn Alaaf!”

Dabei fegen die langen Fasanenfedern seines Kopfschmucks fast eine Reihe Sektgläser vom Rand einer Düsseldorfer Hotelbar, in die sich das Bonner Prinzenpaar samt Gefolge hat einladen lassen, und landen in den Gesichtern seiner Adjutanten.

Allein dieser Auftritt beschreibt die Funktion des frisch gekürten Karnevalsprinzenpaares trefflich: traditionsbewusste Würde gepaart mit närrischem Wahnsinn zur Verhohnepiepelung derselben. Das nimmt Ralf I., der im normalen Leben Theologe ist und Ralf Birkner heißt, bierernst. „Es ging ja immer darum, die Machtverhältnisse umzukehren. Beim Karneval gibt es kein Oben, Unten, Groß oder Klein. Es geht darum, den Machthabern auf humorvolle Weise die Meinung zu sagen”, erklärt der 44-Jährige in Spangenschuhen, weißen Strümpfen und golddurchwirkten Pumphosen.

Und das beherrschte der ehemalige Geistliche schon lange, bevor er Ralf I. wurde. Als Birkner noch Kaplan in Bocholt und im niederrheinischen Goch war, teilte er als Büttenredner auch an anwesende Bürgermeister auf die humorvolle Art aus. „Mir liegt das ganz gut”, findet er.

Seine Karnevalsbegabung bescherte ihm bereits in den 90er Jahren ein Angebot, Karnevalsprinz zu werden. Damals lehnte der 1994 zum Priester Geweihte in Abstimmung mit seinem Bischof in Münster ab. „Das war auch richtig so. Man weiß nie, was die Medien daraus gemacht hätten”, sagt er heute. Er habe nicht als Priester reduziert auf einen Karnevalsprinzen in die Geschichte eingehen wollen.

Dass er einmal ein Priester gewesen ist, wolle er auch jetzt nicht überbewertet wissen, betont Birkner, der heute als Pressereferent der UN-Millenniumkampagne in Deutschland arbeitet. 2004 legte er aus persönlichen Gründen sein Amt als Pfarrer der Nicolai-Kirchengemeinde in Kalkar nieder, ließ sich nach langen Überlegungen in den Laienstand versetzen und heiratete. Nach seinem Umzug nach Bonn half er, den Weltjugendtag zu organisieren und schloss sich mit seiner Frau dem Karnevalsverein „Wiesse Müüs” an.

Mit seinem Priesteramt habe er nicht sein Engagement in der Kirche aufgegeben, bekräftigt Birkner. „Für mich ist es gerade als Theologe wichtig, mit meiner Funktion im Karneval auf sinnvolle Art und Weise Licht und Freude bringen zu können.” Neben Schulen und Altenheimen wollen Prinz Ralf I. und „Bonna” Miriam I. deshalb auch Krankenhäuser sowie die Bonner Kinderkrebsklinik besuchen.

Für ihn selbst sei Karneval eine Art „Lebensexilier”, sagt Birkner. Geboren im niederrheinischen Dörfchen Schaephuysen (Kreis Kleve), sei er damit aufgewachsen. Beide Eltern waren in Karnevalsvereinen aktiv, er selbst begleitete sie als Musiker. Heute halte er nun als Prinz mit seiner „Bonna” als Symbolfigur die Historie des Bonner „Fastelovends” wach. „Wir sorgen mit dem Bonner Festausschuss dafür, dass das Brauchtum nicht beliebig wird. Es braucht ein gemeinsames Motto, mit dem man zusammenstehen und feiern kann”, erklärt das Narren-Oberhaupt.

Auch werde so an die kirchlichen Wurzeln des Karnevals erinnert. Schließlich sei Karneval der unmittelbare Gegenpol zur am Aschermittwoch beginnenden 40-tägigen Fastenzeit vor Ostern. „Es gibt ein biblisches Wort, das sagt, alles hat seine Zeit”, erinnert der Karnevalsprinz. Das gelte für ausgelassenes Feiern und die Zeit danach.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert