Ein Damm durchs Tagebauloch

Von: Udo Kals
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A44
Ein Luftbild aus dem Sommer: Derzeit läuft der Verkehr aus Richtung Aachen noch über die A 44 bis zum Dreieck Jackerath und dann über die A 61 und A 46 (nicht im Bild) am Braunkohleloch vorbei. Das soll sich Ende 2017 ändern. Dann sollen der Damm und die A 44n fertig sein.  Foto: RWE Power

Titz. Trotz der Diskussion um die Zukunft des Tagebaus Garzweiler II fressen sich die Bagger unermüdlich durch das Erdreich. Tag für Tag, Meter für Meter. Auch die Arbeiten für den Umbau des Autobahnnetzes rund um das Tagebauloch laufen planmäßig weiter, sagt Matthias Bächler vom zuständigen Landesbetrieb Straßen.NRW. Denn die Zeit wird knapp - Ende 2017 sollen die RWE-Bagger die bisherige A 61 wegschaufeln.

Das wird also die neue Autobahn 44. Hans-Werner Seul steigt aus dem Auto, prüft den Boden und sagt: „Sie können kommen.“ Keine Pfützen, kein Matsch. Aber auch noch kein Asphalt. Nur sandig-kiesiger Boden, auf dem das Unkraut nur so wuchert. „Ein guter Untergrund“, schwärmt Seul. Er muss es wissen. Der 52-jährige Diplom-Ingenieur ist ein erfahrener Straßenbauer und seit dem ersten Spatenstich im Mai 2012 einer der beiden Projektleiter des Landesbetriebs Straßen.NRW, die für den Umbau des Autobahnnetzes rund um den Tagebau Garzweiler zuständig sind. Und seitdem sieht er zu, wie der neue Autobahndamm quer durch das Tagebauloch quasi täglich, aber für den Beobachter doch eher unmerklich wächst.

Noch sind es vornehmlich geländetaugliche Laster, Bagger und Raupenfahrzeuge, die oben auf dem unwegsamen Damm das Tempo vorgeben. Ende 2017 soll das anders sein. Davon gehen die Straßenbauer trotz der derzeit laufenden Diskussion rund um die Zukunft des Tagebaus Garzweiler II aus. „Die derzeit laufenden Arbeiten für den Neubau des Autobahndreiecks Jackerath und den Neubau der A 44n sowie der Ausbau der A 46 werden unverändert, auf der Grundlage der vorliegenden Planfeststellung vorangetrieben und liegen im Zeitplan“, sagt Matthias Bächler, Vize-Chef der zuständigen Landesbetrieb-Niederlassung Ville-Eifel. Ende 2017 also werden die RWE-Bagger die westlich gelegene A 61 wohl weggeschaufelt haben, dann muss der Verkehr über die neue A 44n rollen, die zwischen Aachen und Düsseldorf das Autobahndreieck Jackerath mit dem Kreuz Holz verbinden soll.

Das könnte knapp werden. Rund zwei Drittel des Damms sind aufgeschüttet, ein großer Teil davon schon befestigt. Doch wer am Ende der Trasse steht, der schaut in ein riesiges Loch. Ein Tagebauloch eben; 100, 200 Meter tief. Der „Brückenschlag“ bis zum Kreuz Holz ist noch kilometerweit entfernt. Doch in Sichtweite der Schaufelradbagger sagt Seul: „Das passt noch.“

Meter für Meter knabbern sich die Kolosse weiter vorwärts, graben sich tief in die Erde ein und hinterlassen für die Absetzer das Fundament für den Damm. „Als Basis wird der Abraum genommen, mit dem das Loch sowieso verfüllt wird“, sagt Seul. Am Ende wird das Fundament bis zu einem Kilometer breit, circa 200 Meter hoch und 7,2 Kilometer lang sein, auf dem die Autobahn künftig sechsspurig gebaut wird. Rund 90.000 Autos, Busse und Laster werden nach aktuellen Prognosen im Jahr 2035 die Strecke nutzen.

Zwar läuft das rund 105 Millionen Euro schwere Projekt, das fast komplett vom Energieriesen RWE Power als Verursacher bezahlt wird, seit dem offiziellen Spatenstich bereits seit anderthalb Jahren. „Doch nur die sehr aufmerksamen Fahrer merken, dass etwas passiert“, sagt Seul. Doch das wird sich rund um den Tagebau im nächsten Jahr ändern. Vielleicht nicht so sehr auf Seuls Baustelle, weil das neue Jackerather Autobahndreieck und die A 44n auf der grünen Wiese gebaut werden. Aber auf jeden Fall auf der A 46, für die sein Kollege Klaus Dahmen zuständig ist. Ab dem kommenden Jahr wird der rund 2,3 Kilometer lange Abschnitt zwischen den Kreuzen Holz und Wanlo um zwei auf sechs Spuren verbreitert, da die Verbindung wegen des Wegfalls der A 61 mehr Verkehr verkraften muss. „Das wird für die Bauzeit ein neues Nadelöhr“, sagt Dahmen. Und das heißt gerade für Pendler: noch mehr Stau.

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