Ein Bus bringt den 3D-Druck ins Rollen

Von: Naima Wolfsperger
Letzte Aktualisierung:
10140734.jpg
Das mobile 3D-Druck-Labor der Fachhochschule Aachen ist in einem alten Bus untergebracht: Im oberen Stock des sogenannten Fab-Busses können ganze Gruppen in der Druckprogrammierung unterrichtet werden. Foto: Stephan Rauh

Aachen. Autos, Häuser und Flugzeuge – alles wird gedruckt. Die Produktionsrevolution durch den 3D-Druck macht es möglich. Heute finden die modernen Drucker fast schon selbstverständlich Verwendung bei der Herstellung von Prototypen, zum Beispiel in der Automobilindustrie, in der Medizin für die Forschung neuer Kniegelenke, aber auch in der Raumfahrtsforschung.

So richtig im Alltag ist der Drucker aber noch nicht angekommen. Auch deshalb hat das Institut für Maschinenbau und Mechatronik der Fachhochschule Aachen den Fab-Bus gebaut, „Fab“ steht für Fabrikationslabor. Der ausgebaute Doppeldecker, der früher in Berlin Touristen transportierte, ist heute ein rollendes 3D-Druck-Labor.

Laura Thurn, Julia Kessler und Mirjam Knothe, haben den Bau des fahrenden Labors organisiert und betreut. Jetzt ist er offiziell eingeweiht.

Anreiz für den druckenden Bus war, dass der Lehrstuhl die 3D-Drucktechnik Schulen und Unternehmen vorstellen wollte. Es habe viele Interessenten gegeben, aber die wenigsten seien bereit gewesen, dafür in die Fachhochschule zu kommen, sagt Andreas Gebhardt, Dekan des Fachbereichs Maschinenbau und Mechatronik. „Wenn der Prophet nicht zum Berg kommt, dann muss der Berg eben zum Propheten.“

Der Berg ist in diesem Fall ein Bus, Baujahr 1991. In Institutskreisen wurde er liebevoll „Wolfgang“ getauft, denn der Studiengang Maschinenbau und Mechatronik wird am Goethe- Institut unterrichtet. „Ein Projekt namens Johann wird bestimmt noch folgen“, sagt Gebhardt scherzend. Das Ziel sei, jungen Menschen, insbesondere Frauen, den Fachbereich näherzubringen und sie für den Studiengang zu interessieren. Anschaulich und spielerisch lernen, das sei das Motto. Aber auch Kontakte zur Wirtschaft sollen auf- und ausgebaut werden, um die Forschung im 3D-Druckbereich gezielt voranzutreiben.

„Als ich mein Studium begonnen habe, waren wir nur drei Mädchen“, sagt Julia Kessler. Die Fertigstellung des fahrbaren Labors sei eine Punktlandung gewesen – bis zum Morgen der Einweihung sei daran gearbeitet worden. Jetzt ist der Fab-Bus fahrbereit.

Im unteren Bereich des Busses ist ein Loungebereich. Der solle überwiegend auf Messen genutzt werden, Besucher können sich dort in die ausgestellte Fachliteratur einlesen oder spezifische Beratungsgespräche führen. Der obere Teil des Doppeldeckers ist mit acht Computer- und Drucker-Arbeitsplätzen ausgestattet.

Die Drucker im Fab-Bus arbeiten nach dem sogenannten Extrusionsverfahren. Dabei wird im Drucker Kunststoff geschmolzen und in dünnen Fäden durch einen Druckkopf auf eine Platte aufgetragen. Der Druckkopf fährt den Grundriss des gewünschten Objekts immer wieder auf und ab, legt Faden über Faden. Die Kunstofffäden verschmelzen miteinander und härten langsam aus. Für besonders komplexe Formen sind Druckköpfe und Platte beweglich.

In dem Fab-Bus haben Kinder und Jugendliche an jedem Arbeitsplatz zu zweit Platz. „Bisher sind die Kinder immer sehr geschickt mit dem 3D-Programm umgegangen“, sagte Kessler. Natürlich konzentriere man sich auf einfache Formen wie zum Beispiel Schlüsselanhänger. Die Verständnisfähigkeit ihrer jungen Schüler in Bezug auf die komplexe Materie habe das Team aber dennoch überrascht. „Generell sind die Kinder von den Druckern begeistert“, sagte Kessler.

Bereits diese Woche wird das Team mit „Wolfgang“ auf die Reise gehen um Forschungspartner und mögliche Nachwuchsforscher zu begeistern. Infos zu Schulungen und über die Stationen des Fab-Busses gibt es im Internet.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert