Ein Brauhaus, eine Flucht und viele Fragezeichen

Von: Jonas-Erik Schmidt, dpa
Letzte Aktualisierung:
Bonn Vergewaltiger Suche
Die Polizei hat auf der Suche nach dem in einem Kölner Brauhaus entkommenen Vergewaltiger einen Park in Bonn durchkämmt. Foto: dpa
fahndung  vergewaltiger
Der 58-Jährige war am Mittwoch während eines Ausgangs in einem Kölner Brauhaus zwei Aufsichtsbeamten entkommen. Foto: Polizei

Köln/Bonn. Seit Mittwoch blickt er nun schon von diesem Fahndungsfoto, das die Polizei herausgegeben hat. Einen Mundwinkel leicht nach oben gezogen, die Haare nach hinten gelegt, dichter Schnauzbart. Es ist ein Gesicht, das den Menschen im Rheinland und anderswo zunehmend und in unguter Weise vertraut vorkommt, weil sie es von den Fahndungsaufrufen kennen - und das manche zum Telefonhörer greifen lässt.

Bonn, Freitagvormittag, die Polizei durchkämmt die Rheinaue, einen bekannten Erholungspark. Ein Jogger will den entflohenen Sicherungsverwahrten mehrmals gesehen haben, so berichtet die Polizei. Es könne sich um den 58-Jährigen handeln, habe der Freizeitsportler gesagt. Und: Er habe ihm einmal frontal ins Gesicht sehen können. 80 Beamte sind über Stunden im Einsatz, ein Hubschrauber kreist. Am Ende wird die Suche abgebrochen.

Der verurteilte Vergewaltiger war am Mittwoch bei einem eigentlich streng bewachten Ausflug Justizbeamten entwischt. Aus einem Brauhaus. Die Ungereimtheiten sind so groß, dass die JVA, die die beiden Beamten zu seiner Bewachung abstellte, nun Strafanzeige gegen die zwei Mitarbeiter stellt.

Sie hatten die Flucht nach Angaben der JVA bislang so beschrieben: Der 58-Jährige geht in dem Brauhaus aufs Klo, ein Beamter geht mit. Der Bewachte geht in eine Kabine, der Beamte an ein Urinal. Als er ihm den Rücken zuwendet, macht sich der Mann davon. Um etwa 13.37 Uhr hätten die Justizbeamten ihn nach eigenen Angaben zuletzt gesehen, sagt JVA-Leiterin Reina Blikslager. Sie suchen im Brauhaus, sie laufen raus vor den Dom. Um 13.45 Uhr sei die JVA benachrichtigt worden und um 14.06 Uhr die Polizei.

Augenzeugen berichten dem WDR, der „Bild” und dem „Express” hingegen, der Mann sei allein auf die Toilette gelassen worden. Diese Berichte veranlassen die JVA schließlich, die Staatsanwaltschaft einzuschalten. Der ganze Ablauf müsse aufgeklärt werden, sagt Blikslager, auch im Interesse der Mitarbeiter. Dabei soll auch geprüft werden, ob möglicherweise der Straftatbestand der Gefangenenbefreiung erfüllt wurde. Während man vorher eher von einer großen Peinlichkeit ausging, steht nun theoretisch eine Straftat im Raum.

Der Bund der Strafvollzugsbediensteten Deutschlands nimmt die beiden Beamten in Schutz. „Den Kollegen die alleinige Schuld zu geben, halte ich für falsch”, sagt der NRW-Vorsitzende Peter Brock. Die sogenannten Ausführungen seien eben gesetzlich vorgeschrieben - und der Mann dabei stets unauffällig gewesen. Die minimal gewährte Freiheit zu missbrauchen, sei immer möglich. „Er hätte sie auch einfach niederschlagen können”, sagt Brock.

Es bleiben viele Fragezeichen. Und ein Flüchtiger, der sehen muss, wie weit er mit rund 400 Euro in der Tasche kommt. Den Betrag dürfte er im Moment der Flucht noch bei sich gehabt haben, sagt JVA-Leiterin Blikslager. Verlassen habe er die JVA mit rund 500. Um Klamotten zu kaufen.

Leserkommentare

Leserkommentare (6)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert