Ein Bayer liebt Düsseldorf

Von: Carsten Grün, dapd
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Düsseldorf. „Louis van Gaal ist ein guter Trainer”, sagt Horst Eckert. „Letztes Jahr haben ihn die Menschen dafür gefeiert, dass er offensiven Fußball spielen lässt, jetzt hat man ihn demontiert. Schade.”

Der Krimiautor Eckert ist nicht nur gebürtiger Bayer, er ist auch Bayern-München-Fan und aktiver Hobby-Kicker, der das Bundesliga-Geschehen genau verfolgt. Allerdings von Düsseldorf aus, wo er seit vielen Jahren lebt und arbeitet.

„Der Wegzug aus Bayern hat mich mehr zum Bayern gemacht und auch mehr zum FC Bayern-Fan. Erst seit ich dort weg bin, sind mir meine bayerischen Wurzeln bewusster geworden”, sagt er. Eckert wurde 1959 in Weiden in der Oberpfalz geboren. Doch trotz seiner bayerischen Seele und dem leichten oberpfälzischen Akzent ist er eigentlich Rheinländer. „Ich liebe Düsseldorf. Es ist eine moderne Stadt, attraktiv an einem Fluss gelegen. Hier finde ich alle Facetten des Lebens.”

Damit ist Eckert auch schon bei seinem Lieblingsthema: dem Schreiben und Recherchieren für neue Romane. „Düsseldorf bietet alles. Von den unteren sozialen Milieus, über die Politik mit dem Landtag bis hin zu den Superreichen und den großen Konzernzentralen. Die Stadt ist für einen Krimiautoren ein wunderbares Pflaster”, sagt der 51-Jährige.

„Provinzfürsten gibt es überall”

Der Autor greift gern politische Ereignisse in seinen Krimis auf, wohlwissend, dass er sich damit nicht überall beliebt macht. So wie vor einigen Jahren, als er in einer Kurzgeschichte über einen dubiosen Stadionbau in einer Großstadt schrieb. Damals ließ Düsseldorfs mittlerweile verstorbener Oberbürgermeister Joachim Erwin eine Lesung des neuen Romans von Eckert in der Stadtbücherei schlichtweg verbieten, berichtet der Krimiautor.

Aber: „Das war für mich natürlich die beste PR. Ich habe danach zwei Lesungen vor ausverkauftem Haus in Düsseldorf gehalten.” Und bei Lesungen in anderen Regionen Deutschlands hätten die Zuhörer immer wieder gefragt, ob er über ihre Stadt geschrieben habe. „Provinzfürsten gibt es eben überall.”

Eckert mag Themen, die auch in der Bevölkerung Priorität haben. In seinem aktuellen Roman „Sprengkraft” geht es um Islamismus und Rechtspopulismus. Trotz solcher sozialpolitischen Themen will der Autor jedoch nicht belehren. „Ein Krimi muss unterhalten”, sagt er. „Die Spannung steht immer im Vordergrund.”

Zum Schreiben kam Eckert übrigens durch Zufall. Zwar war er als Fernsehjournalist für den WDR, RTL und Vox täglich mit Sprache betraut, aber einen Roman zu schreiben, das hatte er eigentlich nicht vor. Bis er 1993 zu Weihnachten drei Krimis geschenkt bekam, deren Sprache ihm überhaupt nicht gefiel. „Da habe ich mir gesagt, das kannst du besser.” Also probierte er es auch. „Und es machte Spaß.”

Sein Erstlingswerk schickte Eckert damals an 20 Verlage. Zunächst ohne Resonanz. Bis nach einem halben Jahr sich der Grafit-Verlag aus Dortmund die Rechte sicherte - ein reiner Krimi-Verlag mit regionaler Literatur, bei dem sich Eckert noch immer wohlfühlt, wie er sagt. Denn längst ist aus dem Hobby ein Beruf geworden, der auch Eckerts Tagesablauf grundlegend verändert hat. Dominierte früher die Hektik des Redaktionsalltags, geht es heute im Arbeitszimmer des Horst Eckert ruhig zu.

„Ich stehe morgens früh auf und schreibe manchmal bis zu zehn Stunden am Stück, das schlaucht dann auch”, sagt Eckert. Aber natürlich gebe es auch Tage, an denen einem nichts einfällt. „Aber das ist, glaube ich, normal.”

„Hier kenne ich mich aus”

Zur Zeit schreibt Horst Eckert an einem Mord im Milieu von Bankern und Lobbyisten. Gibt es auch Themen, von denen Horst Eckert die Finger lassen würde? „Mein erster Roman sollte zunächst ein Wiedervereinigungskrimi werden, doch ich habe schnell gemerkt, dass ich Ostdeutschland nicht gut genug kenne. Ich habe das Thema gewechselt und den Mord an den Rhein verlegt. Hier kenne ich mich eben aus”, sagt er und nimmt seine Sporttasche. Denn Eckert muss zum Fußball. „Kicken mit alten Kollegen.”
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