Aachen - Ein Bambi für die Aachener „Hazienda Arche Noah”

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Ein Bambi für die Aachener „Hazienda Arche Noah”

Von: Christopher Gerards
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Die Freude über die Auszeichn
Die Freude über die Auszeichnung ist groß: Heute Abend bekommt der Aachener Uwe-Edmund Gaworski, gennant Leines (vorne.l.), von der Hazienda Arche Noah einen Bambi verliehen. Gewürdigt wird sein Engagement für kranke und hilfsbedürftige Kinder. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Zwei Sachen hat Leines sich für heute Abend fest vorgenommen: „Ich will in der Nähe von Helmut Schmidt rauchen”, sagt er. „Und ich will mir mit Thomas Gottschalk einen trinken.” Die Chancen, dass das eintrifft, stehen gut.

Denn Leines, der bürgerlich Uwe-Edmund Gaworski (51) heißt, erhält in Wiesbaden für sein Ehrenamt den Medienpreis „Bambi” - genau wie Alt-Bundeskanzler Schmidt und Moderator Gottschalk. Als erster Aachener überhaupt.

Leines Lebenswerk ist der Ort, an dem die Engel Lederwesten tragen. Ein Kieselweg schlängelt sich von Hütte zu Hütte, vorbei an der Feuerstelle und den Spielgeräten, und ein bisschen wähnt sich der Besucher der Hazienda Arche Noah in einem ruhigen Dörfchen. Einem Dörfchen, dessen Idylle nur gestört wird, wenn die Kinder auf dem Piratenschiff toben, oder wenn ihr Lachen über dem behindertengerechten Baumhaus schwebt. Oder wenn Leines und seine Engel auf ihren Motorrädern vorfahren.

Früher war hier mal der erste Aachener Tierpark, dann kamen die Biker vom Motorradclub „Street Angels”, deren Vereinsheim noch immer an der Linterststraße steht. Leines ist ihr stellvertretender Anführer. Und er hat den Verein „Hazienda Arche Noah” gegründet. „Wir kümmern uns um kranke Kinder und deren Eltern”, sagt Leines. Die Kinder haben ADHS, leiden am Down-Syndrom oder sind krebskrank.

Sie können hier toben, ihre Eltern finden Anteilnahme. Kein Mitleid, wie Leines sagt, Leid sei privat, hier gebe es nur echte Anteilnahme. Aber: „Viele Eltern wollen hier auch mal ausspannen, nicht über die Krankheit sprechen. Die wollen über Fußball oder Musik reden.” Mit Leines und den Engeln.

Klar, das Rocker-Image, auch Leines hat früher zugeschlagen, elf Vorstrafen, „Café vier Wände gesehen.” Aber dann war da die Sache mit seiner Partnerin. „Sie ist an Hautkrebs verreckt”, sagt Leines, „nicht gestorben, wirklich verreckt.” Die Initialzündung sei das gewesen, sich dauerhaft sozial zu engagieren .

Und so haben sie die Hazienda, die Farm, aufgebaut, Klettergerüste, Swimming-Pool, Piratenschiff, Eltern-Kind-Appartement. Hinter dem Clubhaus, einem ehemaligen Tiger-Käfig, steht das traurigste Kapitel auf dem Gelände: Der „Stairway to heaven”, die Treppe zum Himmel. Die Baumgruppe ragt in alle Himmelrichtungen, Leitern aus Holz ebnen den Weg gen Himmel. Unten an den Stämmen, einen Meter über den Maria-Statuen, hängen sie, die gelben und blauen Namensschilder. Die Kinder, die hier verewigt sind, sind die Leitern empor gestiegen.

Schlimm sei das, sagt Jenny Kersten, Vorsitzende des Vereins. Sie erinnert sich, dass schon viele der harten Rocker und Biker weich geworden seien, wenns um die Pänz ging. Zur Zeit sind 12 aktive und 19 inaktive Engel bei der Hacienda, darunter Bahnbedienstete und Hausmeister, die viel Freizeit investieren. Oder Selbstständige wie Jenny und Leines, die das Projekt neben Spenden vor allem über ihren „Street-Dust-Likör”-Laden finanzieren. Aber auch Promis wie Thomas Gottschalk und Ulla Schmidt gehören zur Truppe.

Als Leines erfahren hat, dass demnächst ein goldenes Reh im Clubhaus stehen wird, war erstmal ein Freudentänzchen mit Jenny angesagt. Im alten Tigerkäfig liegt nun ein roter Teppich mit der Aufschrift „V.I.P.”, sehr bedeutende Person, auf dem die beiden Aachener für die Gala heute Abend spaßeshalber geübt haben. Ob sich die Rocker denn schick machen werden für den Gang über den roten Teppich? „Na klar”, sagt Leines und schmunzelt, „man kann auch in einer Kutte schick aussehen.”
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