Aachen/Düren/Düsseldorf - Ein Bärendienst für Kirmes und Schausteller

Ein Bärendienst für Kirmes und Schausteller

Von: Angela Delonge
Letzte Aktualisierung:
14214382.jpg
Thema Sicherheit: Die Schausteller sind sauer auf den Düsseldorfer Altbierbrauer Peter König. Auf der Dürener Annakirmes (im Bild) und auf dem Aachener Bend haben sie hohe Auflagen zu erfüllen. Foto: Ingo Latotzki

Aachen/Düren/Düsseldorf. Bei den Schaustellern in Nordrhein-Westfalen sorgt die jüngste Nachricht aus Düsseldorf für Unverständnis und Ärger, teilweise sogar für Wut. „Wir sind traurig und erbost über die Absage von Peter König. Mit der Begründung, die er gegeben hat, hinterlässt er verbrannte Erde. Das ist zu verurteilen“, sagte der Präsident des Deutschen Schaustellerverbands (DSB) Albert Ritter am Donnerstag auf Anfrage gegenüber unserer Zeitung.

Peter König, Chef der alteingesessenen Düsseldorfer Altbierbrauerei „Im Füchschen“, hatte am Mittwoch bekannt gegeben, dass er aus Angst vor Terroranschlägen sein legendäres Partyzelt auf der Rheinkirmes nach 28 Jahren nicht mehr aufbauen will.

Als Grund nannte er den Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt im Dezember sowie vereitelte Anschläge in den letzten Wochen. In dieser Situation könne er die Unversehrtheit seiner Gäste nicht mehr hundertprozentig garantieren, so König. In einer schriftlichen Erklärung hatte er gleichzeitig mitgeteilt: „Wir dürfen uns nicht unterkriegen lassen.“

Mit seiner Entscheidung habe König nicht nur den Zorn der Schausteller sondern auch der Wirte, Schützenvereine und Veranstalter auf sich gezogen, sagte Ritter. „Herr König hat den anderen Brauereien und allen Schaustellerfamilien, die mit Kirmes ihren Lebensunterhalt verdienen, einen Bärendienst erwiesen.“

Der Chef der Schausteller will drohende Unsicherheit und Terrorangst als Begründung nicht stehen lassen. „Es gibt keinen sicherheitsrelevanten Unterschied zwischen einer Kirmes und dem Treiben in der Düsseldorfer Altstadt“, so Ritter mit Blick auf Königs Altstadtkneipe.

Kirmes und andere Brauchtumsfeste seien „wahre Stätten der Integration“, „hier feiern Menschen aller Hautfarben zusammen“. Diese Veranstaltungen seien hervorragend gesichert, und deshalb ist er überzeugt: „Wir dürfen uns dem Terror nicht beugen.“

Über die wahren Gründe für Königs Absage wird derweil in Schaustellerkreisen kräftig spekuliert. Einige glauben, dass sich das Zelt für König nicht mehr rentiert habe, seit die Sicherheitserfordernisse für Zelte drastisch gestiegen sind, manche sehen gar einen zynischen „PR-Gag“.

Der Verdacht, dass König das Sicherheitsargument möglicherweise nur vorgeschoben hat, ist jedenfalls in der Welt. Dass er seine Absage mit dem Thema Sicherheit verbunden hat, halten alle für „ein fatales Signal“.

„Das ist extrem unfair gegenüber uns Schaustellern“, sagt auch Hans Bert Cremer, Vorsitzender des Verbandes Reisender Schausteller Düren (VRS). Seit der Loveparade-Katastrophe 2010 in Duisburg gelten für alle Großveranstaltungen sehr hohe Sicherheitsauflagen.

Dem kann Peter Lossen, Vorsitzender des Schausteller-Verbands Aachen nur beipflichten: „Die Kirmes ist seit Generationen der Broterwerb unserer Familien. Deshalb tun wir Schausteller alles, um die Kirmes immer den aktuellen Erfordernissen anzupassen. Dazu gehört auch das Thema Sicherheit. Wir setzen alle Auflagen ohne Wenn und Aber um.“

Auf dem Aachener Bend, der ohnehin auf einem eingegrenzten Gelände stattfindet, gibt es seit dem vergangenen Jahr statt des offenen Haupteingangs eine etwa 2,50 Meter breite Schleuse, bewacht von Sicherheitspersonal. „Das kommt sehr gut an beim Publikum“, sagt Peter Loosen.

Das Sicherheitskonzept für den zweimal im Jahr stattfindenden Bend sei wieder unverändert anerkannt worden, so Loosen. Das gilt auch für die Dürener Annakirmes. 2016 wurden erstmals die Zufahrten zusätzlich mit Fahrzeugen gesichert, das werde auch jetzt wieder so sein, versichert Hans Bert Cremer und verweist auf das „sehr hohe Sicherheitskonzept“ der Annakirmes – mit täglicher Lagebesprechung zwischen allen Verantwortlichen während der Kirmes.

Cremer und Loosen sind sich einig: Natürlich bleibe immer ein Restrisiko. Niemand könne die Gefahr eines Anschlags ganz ausschließen. Aber, so Cremer, „wir können uns ja nicht alle im Keller verstecken.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert