Aachen - Ein Auftrag, der der RWTH unangenehm ist

Ein Auftrag, der der RWTH unangenehm ist

Von: Christoph Pauli
Letzte Aktualisierung:
RWTH
Studenten sitzen vor dem Hauptgebäude der Rheinisch-Westfaelische Technische Hochschule Aachen. Das Aachener Werkzeugmaschinenlabor soll indirekt an einer Studie für türkische Panzerfabrik beteiligt gewesen sein. Symbolfoto: Marius Becker/dpa

Aachen. Von einem Skandal wollen sie an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen nicht sprechen. Vielmehr „bedauern“ die Verantwortlichen, dass das Werkzeugmaschinenlabor (WZL) eine Zeit lang eine Machbarkeitsstudie für ein Fabrikwerk im türkischen Karasu erstellt hat. „Dieser Vorgang hätte nicht passieren dürfen“, erklärte Hochschulsprecher Thorsten Karbach.

Das WZL dementierte am Mittwoch energisch, dass es an einer Studie für eine „umstrittene Panzerfabrik“ beteiligt gewesen sei, wie es der „Stern“ berichtet. „Diese Darstellung ist unverschämt“, sagte WZL-Direktor Günther Schuh.

Die RWTH bestätigte allerdings Teile der Recherchen des „Stern“, des Essener Recherchezentrums Correctiv und der türkischen Exilredaktion „Özgürüz“. Dabei ging es um ein 222 Hektar großes Werk östlich von Istanbul. Vorgesehener Bauherr sei die türkische Firma BMC gewesen. Diese ist mit dem Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall seit 2016 über ein Joint Venture (Gemeinschaftsunternehmen) zum Bau gepanzerter Fahrzeuge verbunden. Das Aachener Labor erhielt den Auftrag für die Studie von einer deutschen Vermittlungsfirma, nicht von Rheinmetall.

Gegenstand der Expertise war laut Vertrag nur ein Werk für die Produktion von Spezialfahrzeugen (Trucks und Personentransporter). Das WZL plant Fabriken, zum damaligen Zeitpunkt galt die Türkei noch als Investitionsland. Die Studie lief im August 2016 an, wurde bald darauf schon abgebrochen, nachdem sich die türkische Firma BMC gemeldet habe, bestätigte Karbach. Das türkische Unternehmen wollte den Auftrag ausdehnen, plötzlich sei es auch um den Bau von Panzern gegangen. Daraufhin habe das Aachener Institut den Auftrag vorzeitig beendet. Statt der vereinbarten 90.000 Euro floss etwa die Hälfte.

Dass so eine Studie abgebrochen werde, sei sehr ungewöhnlich, sagte Schuh. Der WZL-Direktor wurde erst später mit dem Projekt betraut, als sich Zuständigkeiten im Labor änderten. „Wir fühlen uns von unseren Auftraggebern getäuscht“, sagte Schuh. Anhand der vorgelegten Daten sei nicht erkennbar gewesen, welche Entwicklung der Auftrag nehmen würde. „Wir prüfen immer die Hintergründe und reagieren darauf.“

Abgeschlossen wurde das Projekt seitens der RWTH mit einer Zwischenpräsentation. Dabei ging es aber nicht nur um zivile Fahrzeuge. Vielmehr kamen Erkenntnisse zu gepanzerten Fahrzeugen, die von anderer Seite zur Verfügung gestellt wurden, zur Sprache. Schuh bedauert die Präsentation eines Mitarbeiters. „Rückblickend war es ein Fehler, überhaupt ein Ergebnis zur Verfügung zu stellen.“ Die RWTH bekräftigte, dass sie sich der friedlichen Forschung verpflichtet fühle und keine Rüstungsforschung betreibe.

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